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Hintergrund Mit mehr Frischluft gegen Corona-Aerosole im Terminal

Neue Studien bestätigen, dass Aerosole in stark frequentierten Räumen wie Flughafen-Terminals ein Übertragungsweg für Covid 19 sein können. Die Anlagen zur Ventilation müssen daher mit großer Sorgfalt betrieben und die Frischluftzufuhr ausgeweitet werden.

Flugpassagiere stehen in der Abflughalle des Flughafens Paris-Orly bei Paris in Schlangen an. © dpa / Aurelien Morissard/XinHua

Der Reporter des ARD-Morgenmagazins fühlte sich unwohl. Bei seiner Live-Berichterstattung aus dem Corona-Testzentrum am Frankfurter Flughafen Ende Juli, einer umgebauten Check-In-Halle in Teminal 1, brachte er das auch gleich zur Sprache:

"Wenn ich hier so stehe, dann schon mit einem sehr mulmigen Gefühl. Geschlossener Raum, kein Luftstrom und Menschen, die soeben aus Risikogebieten eingereist sind, eigentlich ist das hier ein Ort, den man unbedingt vermeiden sollte."

Auch wenn die Annahme, dass in öffentlichen Flughafengebäuden keine ständige Luftzirkulation stattfindet, unzutreffend ist, spricht der Reporter einen Punkt an, der in der Diskussion um das Infektionsrisiko an Bord von Flugzeugen bisher etwas kurz kam, jedoch immer mehr zum Thema wird: Wie groß ist die Gefahr einer Covid-Ansteckung im Terminal? Insbesondere mit Blick auf die große Rolle von Aerosolen, also feinsten Viruspartikeln in der Luft, die Experten für einen wichtigen Ansteckungsweg für Covid-19 halten?

Die Weltgesundheitsorganisation geht mittlerweile davon aus, dass sich das das Covid-Virus auch über mehrere Meter hinweg in der Luft übertragen kann. WHO-Expertin Benedetta Allegranzi forderte die Mitgliedstaaten auf, "offen" für diese Erkenntnisse zu sein – und für "die Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen werden müssen", berichtet das "Deutschlandradio".

Der Tönnies-Ausbruch lag wohl auch an mangelnder Frischluftzufuhr

Für die Luftfahrt gibt das "Covid 19 Aviation Health Protocoll" der Easa, ein Leitfaden für Airlines und Flughäfen in Europa, keine Antwort. Es findet sich lediglich der allgemeine Hinweis, dass "für eine angemessene Ventilation der Terminals" gesorgt werden müsse. Dabei solle stets die Zufuhr von Frischluft einer Umwälzung vorgezogen werden.

Allgemeine Infos zum Betrieb sogenannter Raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen) in der Corona-Krise bietet zudem die EU-Behörde ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control). Auch sie drängt darauf, die Frischluftzufuhr wenn möglich zu maximieren. So könne das Infektionsrisiko durch Aerosole gesenkt werden. Denn laut ECDC wäre eine reine Luftumwälzung, bei der keine oder wenig Frischluft zugeführt wird, dazu geeignet, das Infektionsrisiko möglicherweise sogar zu erhöhen.

So gehen Experten mittlerweile davon aus, dass der berüchtigte Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die Viren über weite Strecken im Gebäude über die Luftumwälzung verbreiten konnten. Moderne Systeme für Flughafenterminals basieren jedoch stets auch auf umfangreicher Frischluftzufuhr, was auch eine gesetzliche Auflage ist.

Von: Dennis Kazooba

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