Bieterwettkampf um Condor

Im besten Fall wollte Condor schon im Laufe des Januars ein tragfähiges Zukunftskonzept mit einem neuem Investor festzurren. Bis ins Frühjahr muss es auf jeden Fall klappen. Die Chancen für einen Verkauf stehen laut Insidern nicht schlecht. Denn es gibt gleich mehrere Interessenten.

Das Thomas-Cook-Herz an den Leitwerken der Condor-Flotte musste dem alten Kondor-Logo weichen. © Lasker Cross Media

Beim Verkauf des angeschlagenen Ferienfliegers Condor sind derzeit drei Interessenten im Rennen. Das schreibt die "Wirtschaftswoche". Darunter sei auch die polnische Fluggesellschaft Lot, berichtet das Magazin unter Berufung auf "Informationen aus der Branche".

Neben Lot sind die Condor-Verantwortlichen dem Vernehmen nach aber auch mit weiteren Bietergruppen im Gespräch. Eine davon sei der US-Finanzinvestor Apollo, zusammen mit deutschen Reiseveranstaltern und einem europäischen Co-Investor.

Hintergrund der komplexen Konstruktion ist das internationale Luftfahrtrecht. Danach darf Condor beispielsweise ihre Langstrecken - aber auch die innereuropäischen Verbindungen - nur bedienen, wenn sie mehrheitlich in europäischer Hand bleibt. Ein Problem, dass sich auch ergeben hätte, wenn Condor nach einem Brexit noch zum mittlerweile insolventen britischen Mutterkonzern Thomas Cook gehört hätte.

Greift IAG in Deutschland an?

Ein weiterer Bieter soll laut Branchenkreisen die britische Investmentfirma Greybull Capital sein. Bisher hatte sich das Unternehmen auf Investments in britische Firmen beschränkt. Auch hier könnten sich allerdings Probleme mit den Eigentümerverhältnissen nach EU-Recht ergeben. Greybull übernahm 2014 die Mehrheit an der britischen Fluggesellschaft Monarch. Diese musste 2017 jedoch Insolvenz anmelden, was zu einem Streit zwischen der britischen Regierung und Greybull über den Umgang mit gestrandeten Passagieren führte.

Auch der "Der Spiegel" bezeichnet die Lot, Apollo und Greybull als drei wahrscheinliche Bieter. Das Nachrichtenmagazin beschreibt die möglichen Business-Strategien der drei für Condor und zitiert Insider, dass der Verkaufsprozess insgesamt auf gutem Wege sei.

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Ein weiterer Kandidat für eine Übernahme soll Insidern zufolge zudem die britisch-spanische Airline-Gruppe IAG sein. Die Mutter von British Airways und Iberia könnte versucht sein, möglichst viele Teile der ehemaligen Thomas Cook zu übernehmen und die Lücke im europäischen Tourismus-Sektor, die das Ausscheiden des Traditionsunternehmens hinterlassen hat, zumindest luftfahrtseitig selbst zu schließen. Zu IAG gehört bereits unter anderem die spanische Billigfluggesellschaft Vueling, die vielfach Touristen aus Nord- und Mitteleuropa in die Mittelmeerregion bringt.

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Condor will sich auf Anfrage nicht zu den Gerüchten über mögliche Bieter äußern. Der sich anbahnende Bieterwettstreit dürfte jedoch voll im Interesse des Ferienfliegers liegen.

Der Bund und das Land Hessen halten Condor derzeit mit einem Hilfskredit von 380 Millionen Euro in der Luft. Dieser muss bis 15. April zurückgezahlt werden. Solange befindet sich Condor im sogenannten Schutzschirmverfahren und ist vor dem Zugriff etwaiger Thomas-Cook-Gläubiger geschützt. Bei einem Hintergrundgespräch im November wollte die Condor-Spitze um Firmen-Chef Ralf Teckentrup und den Schutzschirmbeauftragten Lucas Flöther noch im Januar einen belastbaren Zukunftsplan vorlegen. "Wir erwarten Anfang, Mitte Dezember unverbindliche Angebote und eine Lösung im Januar," sagten die Manager.

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Von: dk

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