Mehr Dividende: Lufthansa feilt an Attraktivität für Investoren

Mit einer neuen Dividendenpolitik reagiert die Lufthansa auf die schlechte Stimmung unter ihren Anlegern. Kranich-Chef Spohr will sich auf den Turnaround bei Eurowings konzentrieren und sieht die Angestellten der Tochter gut versorgt.

Leitwerke von Austrian Airlines, Lufthansa und Swiss. © Lufthansa Group

Die Lufthansa stellt ihre Dividendenpolitik um. Künftig sollten 20 bis 40 Prozent des um Einmaleffekte bereinigten Konzerngewinns ausgeschüttet werden. Das teilte der Konzern am Montag in Frankfurt mit, wenige Stunden bevor das Top-Management der Lufthansa beim "Capital Market Day" in der Konzernzentrale auf wichtige Investoren trifft, die von den Perspektiven des Konzerns überzeugt werden sollen.

Bislang gingen 10 bis 25 Prozent des Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Dax-Konzerns als Dividende an die Anteilseigner. Mit der Umstellung der Berechnungsgrundlage will sich die Lufthansa mehr Flexibilität sichern, um kontinuierliche Dividendenzahlungen zu ermöglichen. Vor einer Woche hatte die Lufthansa mit einer Gewinnwarnung das ohnehin bereits schwer angeschlagene Vertrauen der Anleger hart getroffen. Die Aktie hatte kurz danach mehr als zwölf Prozent verloren.

Turnaround bei Eurowings im Fokus

Die Airline bekommt den starken Preiskampf im europäischen Luftverkehr zu spüren und rechnet auch wegen fallender Ticketpreise für 2019 nur noch mit einem operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro. Bislang hatte die Konzernführung noch etwa 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro anvisiert. In ihrem Rekordjahr 2017 hatte die Lufthansa operativ rund 3,0 Milliarden Euro verdient, ein Jahr darauf waren es immerhin noch gut 2,8 Milliarden Euro.

© dpa, Daniel Bockwoldt Lesen Sie auch: Lufthansa rechnet mit weniger Gewinn

Besonders Eurowings macht Probleme und ist weiter stark defizitär. Die Integration der von Air Berlin übernommenen Teile gestaltet sich schwieriger als gedacht. Das Handelsblatt berichtete zuletzt zudem, dass die hinzugekommenen Flugzeuge oft nicht dem Wartungsstandard entsprochen hätten, wie er im Unternehmen sonst vorhanden sei. Auch würde das fliegende Personal berichten, dass sich bei Eurowings nicht viel verändert hätte, um einen weiteren Chaos-Sommer mit Verspätungen und Flugausfällen zu verhindern.

Spohr: Eurowings-Angestellte haben es besser als die der Konkurrenten

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bekräftigt in einem aktuellen Interview mit dem Spiegel die vorläufige Null-Wachstum-Strategie für Eurowings, die der Konzern bereits im Frühjahr verkündete. Vorrangig sollten nun Komplexität und Kosten bei dem Billigflieger reduziert werden. Daher habe man das Wachstum auf Null gesetzt, was angesichts der hohen Überkapazitäten in der europäischen Luftfahrt ein rationaler Schritt sei. Spohr weißt zudem daraufhin, dass man 37 Reserve-Maschinen und hunderte neue Mitarbeiter eingestellt habe, um einen stabilen Flugbetrieb während der Sommermonate zu gewährleisten.

Allerdings hat die Flugbegleitergewerkschaft Ufo in der vergangenen Woche mit Streiks der Kabinenbesatzungen gedroht, um Lufthansa an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Gewerkschaft lässt die Angestellten ab dieser Woche dazu abstimmen.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Ufo kündigt Streiks bei Lufthansa-Airlines ab Juli an

Carsten Spohr sieht die Eurowings-Angestellten jedoch in einer vergleichsweise guten Position. Auch wenn jetzt die Produktivität der Tochter gesteigert werden solle und die Kosten sinken sollen, würden die Mitarbeiter von überdurchschnittlich guten Tarifbedingungen und Sozialstandards gegenüber den Wettbewerbern profitieren.

Von: dk mit dpa

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