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Maske im Flugzeug: "Der Großteil nimmt Rücksicht"

Wie gehen Fluggesellschaften mit Passagieren um, die trotz Corona keine Maske tragen wollen? Eine Kabinen-Chefin schildert, was in der Praxis passiert - während sich die Iata warnend an die Maskenverweigerer wendet.

Eine Stewardess von Austrian Airlines. © Austrian Airlines

Ob aus Ignoranz, Trotz oder Ideologie: Viele Menschen tragen keine Mund-Nasen-Maske. Gerade im Flugzeug aber ist das besonders wichtig, weil der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Obwohl das Risiko, sich an Bord eines Flugzeugs mit dem Corona-Virus anzustecken, als sehr gering gilt, haben Fluggesellschaften weltweit strenge Regelungen zum Tragen von Masken eingeführt. Die Vorschriften der Airlines sind eindeutig: Maske tragen ist Pflicht - außer beim Essen und Trinken.

Auch die International Air Transport Association (Iata) macht deutlich: Das Tragen von Gesichtsbedeckungen ist eine "wichtige Empfehlung" in den Corona-Leitlinien der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation Icao, die gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation und den Regierungen entwickelt wurden.

Die überwiegende Mehrheit der Reisenden sei sich der Bedeutung der Maskenpflicht sowohl für sich selbst als auch für die Mitreisenden bewusst, sagte Iata-Chef Alexandre de Juniac. Eine kleine Minderheit sorge dennoch für Probleme.

Die Airlines der Lufthansa Group hatten bereits Anfang Mai eine Maskenpflicht an Bord ihrer Flüge eingeführt und justiert nun nach. Mit neuen Regeln zur Maskenpflicht werde nun "ein noch besserer Schutz für alle Fluggäste sichergestellt", erklärte das Unternehmen. Ausnahmen beim Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung sind ab September nur noch mit ärztlichem Attest möglich, wie die Airline mitteilte.

Doch wie sieht das in der Praxis aus? Wie geht man an Bord mit Maskenverweigerern um? Das erklärt Franziska Günther, Head of Cabin Crew beim Ferienflieger Tuifly und verantwortlich für rund 1400 Flugbegleiter, im Gespräch.

Die meisten Passagiere sind rücksichtsvoll

"Das Verhalten der Gäste ist sehr vernünftig, der Großteil befürwortet die Maskenpflicht und nimmt Rücksicht auf andere Passagiere", bestätigt Günther.

Trotzdem sei die Maske natürlich ein Thema. "Wir haben sicher auch Gäste an Bord, die den einen oder anderen Hinweis mehr benötigen und das Thema nicht so ernst nehmen. Ich kann aber nicht bestätigen, dass es auf jedem Flug Maskenverweigerer gibt."

Und wenn ein Urlauber sich uneinsichtig zeigt? "Wir haben eine Eskalationspyramide und einen Maßnahmenkatalog. Zunächst sprechen wir den Fluggast an und weisen freundlich auf die Maskenpflicht hin

, sagt Günther.

Dann folgen bestimmtere Hinweise und eine Ermahnung."

Im schlimmsten Fall droht die Zwischenlandung

Reagiert ein Fluggast auch auf mehrfache Ermahnungen nicht, wird es ernst: "Wenn die Deeskalation nicht greift, dann erstellen wir einen Passenger Disturbance Report, landen gegebenenfalls zwischen und kontaktieren die Behörden vor Ort, etwa die Bundespolizei", schildert Günther den Ablauf. Allerdings sei das bislang auf keinem der rund 2000 Tuifly-Flüge während der Corona-Zeit vorgekommen.

"Wir hatten noch niemanden an Bord, der die Maske nicht aufsetzen wollte und den wir vor dem Start rausfischen mussten", erzählt Günther. In diesem Fall würde die Maschine zurück zum Gate rollen. "Der Fluggast müsste das Flugzeug verlassen, sein Gepäck würde ausgeladen." Das führe zu mindestens 30 Minuten Verspätung.

Die Iata bestätigt die Handhabe der Airlines. Ein Ticket sei ein Vertrag, zu dem Bedingungen gehören, erläutert der Verband. Zu diesen Bedingungen könne das Recht der Fluggesellschaft gehören, die Beförderung einer Person zu verweigern, "deren Verhalten einen Flug stört, gegen staatliche Vorschriften verstößt oder andere Passagiere dazu bringt, sich unsicher zu fühlen".

Die Nichtbeachtung der Masken-Regelungen einer Airline bedeute daher, dass ein Passagier nicht nur die Verweigerung der Beförderung, sondern auch weitere Einschränkungen für die künftige Beförderung riskiere. Zudem gebe es die Möglichkeit von Strafen nach nationalem Recht, warnt die Iata.

© dpa, Ahn Young-Joon Lesen Sie auch: Icao empfiehlt Temperaturmessungen und Abstand an Bord

Allerdings sei es selten, dass jemand gar keine Maske trage, berichtet die Airline-Mitarbeiterin. "Viel häufiger wird die Maske nicht richtig aufgesetzt." Und die meisten Passagiere reagierten dann schon auf den freundlichen Hinweis. "Wir haben auch Masken an Bord, die wir zur Verfügung stellen können, sollte jemandem seine Maske abhanden gekommen sein."

Weniger Alkohol fördert die Einsicht

Schon vor dem Start gibt es Ansagen zu den Schutzmaßnahmen und dem reduzierten Service an Bord - unter anderem, dass die Maske nur zum Essen und Trinken abgesetzt werden darf. "Aber man kann auch nicht drei Stunden an seinem Kaffee trinken, um die Maske absetzen zu können", sagt Günther. "Da achten wir schon drauf."

Dass Alkohol der Vernunft nicht förderlich ist, weiß man. Auf einem KLM-Flug nach Ibiza haben kürzlich zwei betrunkene Maskenverweigerer randaliert und wurden bei der Ankunft festgenommen.

"Wir haben den Alkoholausschank sehr reduziert und haben keine großen Mengen alkoholischer Getränke an Bord", berichtet Günther. "Auch der reduzierte Service verhindert, dass viel Bier oder Wein getrunken wird. Man kann noch ein Bier bestellen, aber derzeit ist es nicht so, dass die Gäste an Bord viel trinken wollen." Gerade in Corona-Zeiten habe man nicht mehr die typischen Partygäste an Bord.

Auch das Boarding wird wegen Corona strikter gehandhabt: "Wir boarden in kleinen Gruppen, je nach den Vorgaben der Länder", so Günther. In Zypern zum Beispiel verlassen die Gäste Reihe für Reihe das Flugzeug.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa Group verschärft Maskenpflicht

Für Menschen mit bestimmten Erkrankungen kann es tatsächlich nicht zumutbar sein, während eines Fluges eine Gesichtsmaske zu tragen. "Es kommt vor, dass wir Gäste haben, die beim Check-in, am Gate oder spätestens an Bord ein Attest vorzeigen", berichtet Günther. "Diese Passagiere sind in der Regel mit einem Visier ausgestattet, das sie auch nutzen können." Bei Tuifly gilt hier: "Wer ein ärztliches Attest und ein Visier hat, der darf mitfliegen."

Von: Philipp Laage, dpa, dh

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