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Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg preist im neuesten Werbespot der Deutschen Bahn deren Pünktlichkeit. © Deutsche Bahn

Ob die Manager der Lufthansa-Tochter Eurowings mit der verglichen mit der Bahn schlechten Performance größere Probleme haben? Die Vorstandsspitzen der Deutschen Bahn jedenfalls gingen bei der Jahrespressekonferenz vorige Woche in Sack und Asche, weil so viele Passagiere zu spät kamen.

Zu beachten ist, dass der Abstand zur roten Linie bei der Pünktlichkeit der Bahn viel kürzer ist als beim Flieger. Kommt ein Zug mehr als 5.59 Minuten zu spät, wird er als unpünktlich gewertet. Da kann sich die Airline noch zehn Minuten Zeit lassen .. Warum eigentlich? Weil es internationale Regeln sind.

Der Pilot hat es doch einfacher …

Das würde aber niemanden daran hindern, die Zeiten bei beiden Verkehrsträgern zumindest für die immer wieder vorgetragenen Verspätungsspielchen gleichzusetzen. Immer wieder heißt es: "Wir sind pünktlicher als das Flugzeug!" (Wahlweise: "die Bahn"). Unverständlich, zumal aus der schlichten Diskussion ja keine finanziellen Folgen erwachsen.

Im Regionalverkehr der Bahn oder im Kurzstrecken-Flugverkehr sind die Pünktlichkeitsquoten übrigens deutlich höher. Bei der Bahn liegt das ganz eindeutig daran, dass für Verspätungen teils empfindliche Strafzahlungen an die Besteller fällig werden. Das mag pro Zug nicht so viel ausmachen, aber die Verträge sehen oft eine Aufsummierung während des Jahres vor. Beim Flieger liegt es daran, dass die Zahlungen an die Passagiere im Fall von Verspätungen den Flugpreis deutlich übersteigen können.

© Eurowings, Lesen Sie auch: So performte die Eurowings-Langstrecke im Winter Analyse

Der Zehn-Minuten-Bonus für die Flugzeug-"Pünktlichkeit" datiert vermutlich aus einer Zeit, da Fliegen noch ein Abenteuer war. Heute, da die Jets nach Slot-Vergabe im Minutentakt starten und landen, geht es doch wohl ein bisschen genauer. Wenn nicht, wird es aber Zeit, daran etwas zu ändern. Und wir vergleichen ja nur Langstrecke, also Flüge von mehreren Stunden, mit Langstrecke, also Zugfahrten von mehreren Stunden.

Ein Pilot müsste es theoretisch einfacher haben, mit seinem Jet die vorgegebenen Zeiten einzuhalten. Er fliegt von A nach B. Im Gegensatz zum Zug hält er zwischendurch nirgends, er sieht sich nicht mit "Personen im Gleis" konfrontiert. Auf der Strecke muss der Pilot nicht hinter langsameren Flugzeugen herfahren oder -fliegen.

Was haben wir noch für Ausreden?

Gibt es unvorhergesehene Staus auf dem Taxiway oder in der "Schlange" beim Landeanflug, dann haben Lotsen und Dispatcher etwas falsch gemacht. Ihnen geht es genau wie dem Lokführer, der auf die professionellen Qualitäten der Fahrdienstleiter der Netz AG angewiesen ist.

Die Lautsprecher am Bahnsteig und in den Lounges sagen dann: "...wegen Verzögerungen im Betriebsablauf", was zwar nach aller Erfahrung eine Ursache vernebelt, aber keine gute Ausrede ist - weder bei der Bahn noch beim Flieger. Was haben wir noch für Ausreden? Extremwetterlagen gibt es, wie wir seit einigen Jahren leidvoll erfahren müssen, nicht nur über dem Nordatlantik, sondern auch über den Gleisen.

Es wäre daher ehrlicher, wenn beide Verkehrsträger aus den häufigen Verspätungen die richtigen Lehren ziehen würden: Indem sie die Reisezeiten im Fahr- oder Flugplan den Möglichkeiten anpassen. Manchmal hat die Bahn das schon gemacht, etwa zwischen Hamburg und Berlin, wo jetzt nicht mehr mit den 90 Minuten Reklame gemacht wird.

Bei Berlin-München wird die magische Vier-Stunden-Grenze wahrscheinlich nicht fallen gelassen, weil die Neu- und Ausbaustrecke in der Gegend von Bamberg noch nicht endgültig fertig ist und zumindest theoretisch noch Luft drin ist.

Oder einfach mit dem Auto

Und wo wir schon wieder bei dieser Geschwindigkeitsdiskussion angelangt sind: Vor einigen Tagen gab es in Berlin eine Veranstaltung von Porsche mit Markenbotschafter Walter Röhrl. Dessen Flug von München nach Berlin am Vorabend war kurzfristig gecancelt worden.

"Da bin ich ins Auto gestiegen und habe es in knapp vier Stunden geschafft", sagte Röhrl, ohne mit der Wimper zu zucken. Er kam kurz vor Mitternacht an - also bitte nicht nachmachen: Der Mann ist zweifacher Rallye-Weltmeister.

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

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