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Unser Außenminister fliegt wieder

Bundesaußenminister Maas ist während Corona von Berlin nach Luxemburg gereist und gibt dabei eine vorbildliche Figur ab. Unser Kolumnist Karl Born wittert schon eine Umkehr der "keine Urlaubsreisen ins Ausland"-Politik.

Montage: airliners.de © AirTeamImages.com; Privat / Matthieu Douhaire

Unser Außenminister Maas war spätestens nach seiner weltweiten Reisewarnung (einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik) zum Ausreiseverbotsminister geworden. In keiner TV Sendung vergaß er darauf hinzuweisen, dass so schnell keine Urlaubsreisen ins Ausland möglich sein werden.

Dabei waren für ihn Urlaubsreisen ins Ausland grundsätzlich Massentourismus. Sein Interview, dass es so schnell keine vollen Strandbars wieder geben würde, zeigten seine Urlaubsvorstellung. Und überhaupt könne er sich "knallvolle" Urlaubsflieger nicht vorstellen.

Inzwischen erleben wir den neuen Maas. Er machte seine erste Auslandsreise. Oder sagen wir besser, er machte seinen ersten Auslandshüpfer. Er flog am 16. Mai mit einem Flugzeug der Bundeswehr von Berlin zu seinem luxemburgischen Amtskollegen nach Schengen, wo um Mitternacht der Schlagbaum wieder komplett geöffnet wurde. Ob dieses "Weltereignis" die persönliche Anwesenheit des deutschen Außenministers erforderte? Oder hat er doch wie Millionen Deutsche den überwältigenden Wunsch zu reisen?

Perfektes PR-Bild

Von diesem Ereignis hat die dpa auch das passende Bild gepostet. Maas allein in seinem Flugzeug-Compartment, aber mit Mundschutz. Und was sieht man zur Feier des Tages im Getränkekühler? Nein, kein Champagner, sondern eine Desinfektionsflasche. Vorbildlich. Bravo, Herr Minister und Kompliment an seine PR-Verantwortlichen, dass alles so schön für das Foto gerichtet wurde.

Heiko Maas reist mit Mundschutz in einem Flugzeug der Flugbereitschaft. Foto: © dpa, Michael Fischer

Aber ist das wirklich so wichtig im Flugzeug? Eine aktuelle Pressemeldung des Bundesverbands der Luftverkehrswirtschaft (BDL) teilt uns überraschende neue Erkenntnisse mit. Der Verband meint, dass das Risiko sich an Bord mit Covid-19 anzustecken "extrem gering" sei. Bestätigen könnten dies das Robert-Koch-Institut sowie "Behörden weltweit", welche leider nicht näher spezifiziert werden.

Außerdem sei die Kabinenluft durch die Verwendung spezieller Filter "sauberer als jene, die der Mensch auf der Erde einatme". Wer es jetzt noch nicht glauben mag, immerhin haben in der Vergangenheit viele "Experten" die Luft in der Flugzeugkabine als sehr gesundheitsschädlich bezeichnet, kann als weitere Steigerung zur Kenntnis nehmen, dass "europaweit kein einziger Fall bekannt sei, bei dem eine Ansteckung mit Covid-19 an Bord eines Flugzeuges erfolgt sei".

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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