airliners.de Logo

Gedankenflug Es hilft jetzt nichts, zu maulen

Das Buhmann-Image in der Klimadiskussion trifft die Branche und sorgt für Frust. Aber keine Sorge, sagt airliners.de-Herausgeber David Haße, die Leute werden weiterhin fliegen. Dennoch sollte man vom Drama um die Luftverkehrsteuer lernen.

Dumm gelaufen: Die Luftverkehrsteuer wurde angehoben und die Mehreinnahmen gehen nicht in die Umweltforschung. © Adobe Stock 257069791 / photoschmidt

Abseits der tagtäglichen Meldungen machen sich die Redakteure bei airliners.de Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit unseren "Gedankenflügen" wollen wir Sie daran teilhaben lassen und hoffen, die eine oder andere Anregung geben zu können. Ein Kommentar von airliners.de-Herausgeber David Haße zum verlorenen Kampf der Branche gegen die Luftverkehrsteuer.

Seit der ersten Idee für die Einführung einer Luftverkehrsteuer hat die Branche dagegen angekämpft. Sie hat sinkende Passagierzahlen prognostiziert. Sie hat davor gewarnt, dass die Steuer tausende Arbeitsplätze vernichtet und die Passagiere die Zeche mit viel teureren Tickets zahlen müssten. Aber es kam anders.

In der Realität sind die Passagierzahlen weiter gestiegen. Die Pleiten von Air Berlin und Germania sind sicherlich von der Steuer beschleunigt worden. Aber groß geändert hat sich nichts. Es gibt es weiterhin Überkapazitäten, die im Wettbewerb vielfach zu billigen Ticketpreisen führen.

Frust aller Orten

Passagiersteuern einfach selbst zu bezahlen muss man sich als Airline aber leisten können. In der ohnehin margenschwachen Branche ist das ein Problem und führt zu Frust. Die Airlines reichen den Kostendruck am Boden weiter, was wiederum zu Frust bei den Systempartnern führt. Jetzt steigen die Steuern und alle sind noch mehr gefrustet.

Es ist aber so, dass dieser Frust zumindest teilweise selbstverschuldet ist. Denn das Thema Umwelt steht ja nicht erst seit diesem Jahr auf der Agenda. Wie ich schon vor knapp vier Jahren an dieser Stelle geschrieben habe, hatte die Branche mit der Luftverkehrsteuer sogar eine einmalige Chance auf ein grüneres Image. Denn die Hoffnung, dass die Luftverkehrsteuer wieder abgeschafft wird, war schon damals eine Illusion.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Warum die Luftverkehrssteuer eine Chance istGedankenflug

Eine zumindest kommunikative Umwidmung in eine "Umweltsteuer", die von der Branche gerne gezahlt, von der Politik aber falsch verwendet wird - das wäre ein gutes Narrativ gewesen. Jetzt ist diese Chance aber vergeben. Viel zu spät kam der Versuch, zumindest einen Teil der Steuer in eine Abgabe für Umweltprojekte und zur Forschung für eine nachhaltige Luftfahrt umzuwidmen.

Der Zug ist abgefahren

Dabei sah es fast so aus, als könne man die Politik noch dazu begeistern. Auf der nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig gab es große Versprechen. Das Klimapaket der Regierung spricht aber eine andere Sprache. Es erhöht die Luftverkehrsteuer zugunsten der Eisenbahn. Dass einige in der Branche nun von der Politik enttäuscht sind, kann man leicht nachvollziehen.

© pixabay; Privat, stux Lesen Sie auch: Luftverkehrsteuer – Dauer-Wortbruch der Bundesregierung Die Born-Ansage (121)

Aber es hilft nichts, zu maulen. Der Umwelt-Zug ist also (so gut wie) abgefahren. Nur leider ohne die Luftfahrt. Das Umwelt-Buhmann-Image des Flugzeugs hatte sich bereits zu sehr in den Köpfen verfestigt. Jetzt muss man damit arbeiten.

Aussitzen ist nicht nachhaltig

Dabei kann man den Müßiggang in der Umweltkommunikation der deutschen Branchen-Player vielleicht sogar mit der Gewissheit begründen, dass der Luftverkehr auch weiterhin wachsen wird. Denn auf vielen Strecken ist er einfach unersetzlich. Und die Bahn hat selbst zu viele Probleme, um eine echte Konkurrenz zu sein. Aussitzen ist also durchaus eine veritable Handlungsoption. Nur scheint fraglich, ob es auch nachhaltig ist.

In der Tat sollte man nicht zu sehr auf zweifelhafte EU-Studien zur Lenkungswirkung von zusätzlichen Luftfahrtsteuern geben, denn sie sind realitätsfremd. Elf Prozent mehr Steuern führen nicht einfach linear zu elf Prozent weniger Flügen. Wer das glaubt, ist Klimajünger. Dass es in der Realität anders läuft, dazu braucht man kein Klimaleugner zu sein.

© Brützel, Lesen Sie auch: Zur politischen Begrenzung des Klimaschadens durch den Luftverkehr Aviation Management

Ich zitiere einfach mal ein paar Zeilen aus einem bekannten Neue-Deutsche-Welle-Hit aus den 1980er Jahren. "Und kost's Benzin auch 2 Mark 10, scheißegal, es wird schon gehen … Ich will Spaß." Benzin hat damals umgerechnet 0,50 Euro pro Liter gekostet. Aktuell zahlt man an der Tanksäule rund dreimal so viel. Damals gab es knapp 25 Millionen Autos in Deutschland, heute sind es doppelt so viele.

Wer's glaubt wird selig

Trotz dieser Erkenntnis sollte die Branche nicht den Fehler machen, sich in Sachen Umweltkommunikation weiter hinter komplexen Erläuterungen und Zahlen zu verkriechen.

Die Bahn schafft es seit vielen Jahren, statt auf Fakten auf Emotionen zu setzen, wenn es um ihre eigene und die Umweltwirkung ihrer Konkurrenz geht. Dass es dabei manchmal eher ums Glauben statt ums Wissen geht, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung, die leider neben den Medien auch die Politik treibt, keine Rolle.

© Deutsche Bahn, Lesen Sie auch: Grün scheint, wer am lautesten schreit

Das funktioniert auch in der Luft. Ryanair wirbt jetzt mit "Lowest Fares, Lowest Emissions". KLM wirbt seit neuestem darum, das Umweltgewissen zu befragen, bevor man bucht. Genau wie Easyjet beteiligt sich die Airline an irgendwelchen Zukunftsflugzeug-Projekten, die eh nie realisiert werden.

Das kann man so machen, muss man aber nicht. Es geht sicher auch glaubwürdiger. Wenn aber der Frust dieses Jahres der Branche aber etwas gelehrt hat, dann sollte es diese Erkenntnis sein: Es ist wichtig, in der Umweltkommunikation zu agieren und nicht zu reagieren.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der Marketing- und Kommunikationsfachmann beschäftigt sich seit 2007 professionell mit den Themen der Luftverkehrswirtschaft und Luftverkehrspolitik
Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: David Haße

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Flughäfen Gedankenflüge Politik Management Strategie Umwelt Luftverkehrsteuer