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Angebot an Bahn-Zubringern an Flughäfen sinkt weiter

Die internationale Luftfahrtbranche will sich besser mit Eisenbahngesellschaften verknüpfen. "Intermodal" heißt das Zauberwort, mit dem Verkehrsplaner kurze Flüge überflüssig machen wollen. Doch das Angebot an den Flughafen-Bahnhöfen in Deutschland sinkt seit Jahren.

Fahrgäste am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens. © Deutsche Bahn / Annette Koch

Die Flughäfen in Deutschland sind aus Sicht der FDP nur ungenügend direkt mit Fernzügen zu erreichen. In weiten Teilen Deutschlands sei die Bahn noch lange kein Ersatz für innerdeutsche Zubringerflüge.

An den vier Flughafenbahnhöfen mit Anschluss an das Netz der ICE und Intercity sank die Zahl der Fernzughalte im vergangenen Jahr auf 79.800, wie die Bundesregierung jetzt auf eine Kleine Anfrage der FDP antwortete.

Das waren rund 3000 weniger als 2018. Vor zehn Jahren gab es an den Bahnhöfen der Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf, Köln/Bonn und Leipzig/Halle sogar noch 93.600 Fernzughalte, wie das Verkehrsministerium nach Bahn-Daten mitteilte.

Zugausfälle und Verspätungen als Hindernis

Und noch ein Problem sieht die FDP. Im vergangenen Jahr fielen der Anfrage zufolge an den vier Flughafenstationen insgesamt 2400 Züge aus, darunter knapp 1900 am Fernbahnhof des größten deutschen Flughafens in Frankfurt.

Die Forderung, auf Zubringerflüge zu verzichten und die Bahn zu nutzen, laufe angesichts der schlechten generellen Anbindung und der Unzuverlässigkeit vieler Züge ins Leere, sagte der FDP-Verkehrspolitiker Torsten Herbst. "Leidtragende davon sind genau die Bahnreisenden, die auf dem Weg in den Urlaub in besonderer Weise auf eine zuverlässige Verbindung angewiesen sind".

Mehrere ICE pro Stunde gibt es nur in Frankfurt

Voll in den Fernverkehr eingebunden ist ohnehin nur der Fernbahnhof des Flughafens in Frankfurt. Dieser ist ein so genannter Systemhalt, an dem alle ICE-Züge, die auf der Neubaustrecke zwischen Köln und dem Rhein/Main-Gebiet unterwegs sind, einen Stopp machen. Dazu kommen Züge in Richtung Kassel/Berlin. Tagsüber halten so pro Stunde sieben bis zehn ICE in dem Bahnhof.

An den Bahnhöfen der Flughäfen Düsseldorf und Köln ist das Fernverkehrsangebot schon wesentlich dünner. In Düsseldorf halten stündlich die ICE-Züge nach Berlin, die das Ruhrgebiet, Ostwestfalen und Hannover mit dem Flughafen verbinden. Hinzu kommen täglich einzelne Intercitys nach Nord- und Mitteldeutschland. In Köln sind es einzelne Züge der ICE-Linien Richtung Frankfurt und Berlin.

© Deutsche Bahn AG, Georg Wagner Lesen Sie auch: Verspäteter "Zug zum Flug" ist kein Entschädigungsgrund

Noch bescheidener ist die Lage am Fernbahnhof des Flughafens Leipzig/Halle. Alle ICE-Züge, die im Stundentakt am Flughafen vorbei Richtung Dresden, Berlin, Erfurt und Nürnberg fahren, halten nicht am Flughafenbahnhof. Einzig die stündlichen Intercitys zwischen Dresden und Köln oder Emden/Norddeich legen einen Halt ein und verbinden so den Flughafen mit Dresden, Riesa, Köthen und Magdeburg.

Konkrete Angaben dazu, wie viele Fahrgäste mit Fernzügen an den Flughafenbahnhöfen ankommen und abfahren, machte das Ministerium in der Antwort nicht. Es verweist darauf, dass sich diese Fahrgastzahl laut Deutscher Bahn zwischen 2014 und 2019 um etwa 25 Prozent erhöht habe. Insgesamt solle die Zahl der täglich an den Flughäfen haltenden Fernzüge in den nächsten Jahren steigen. Ans Fernzugnetz angebunden werden soll der künftige Hauptstadtflughafen BER. Geplant ist auch die Inbetriebnahme eines neuen Fernbahnhofs am Flughafen Stuttgart.

Iata und Eisenbahnverband starten Kooperation für intermodales Reisen

An politischen Willensbekundungen, die Bahn zum wichtigsten Zubringer für die großen Flughäfen zu machen, mangelt es derweil nicht. Verkehrsplaner träumen vom bequemen, intermodalen und digital vernetzten Reisen, das eine Anfahrt mit dem Auto oder kurze Zubringerflüge überflüssig macht. Die anstehende Erhöhung der Luftverkehrsteuer soll einen zusätzlichen Anreiz schaffen, den Zug statt das Flugzeug zu nehmen.

© airliners.de, Christian Höb Lesen Sie auch: BER bekommt Fernbahn-Anschluss

Ein Ziel, das vor dem Hintergrund der Klima-Herausforderungen weltweit verfolgt wird. Passend dazu haben in der vergangenen Woche der internationale Airline-Verband Iata und der internationale Eisenbahnverband UIC ein Kooperationsabkommen geschlossen. Dabei steht zunächst die Erarbeitung von Datenaustauschstandards für den intermodalen Reiseverkehr im Fokus. Diese sollen helfen, Reiseplanung, Reservierung, die Buchung von zusätzlichen Services und die Fahrkartenausstellung von Flugzeug und Bahn zu vernetzen und zu vereinheitlichen.

Die Partnerschaft soll zudem auch Strukturen für die Buchhaltung und Abrechnung intermodalen Reisens, die rechtlichen Aspekte, gemeinsame Check-In's und die Validierung erarbeiten, teilten die beiden verbände in einer Mitteilung mit.

Für Iata-Chef Alexandre de Juniac gehört die Kooperation mit dem Eisenbahn-Pendant zu den beschlossenen Bemühungen für eine klimaschonendere Luftfahrt: "Da die Kunden zunehmend nach nachhaltigen Reiseoptionen suchen, ist es wichtig, dass die Anbieter zusammenarbeiten, um einen nahtlosen Austausch von Passagieren und Passagierinformationen zu ermöglichen," so Juniac. Die Iata verfügt über umfangreiche Erfahrungen bei der Entwicklung von Standards zur Unterstützung der Intermodalität. Die Kooperation mit UIC sei ein folgerichtiger Schritt.

© Die Grünen, Dominik Butzmann Lesen Sie auch: Liebe Bahn, so klappt das mit der Auslastung Gedankenflug

Von: dk mit dpa

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