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Luftrechtskolumne (82) Gastautor werden

Kryptowährungen in der Luftfahrt

Bitcoin, Ethereum und andere Kryptos sind noch nicht in aller Hände, aber schon in aller Munde. Unsere Luftrechtskolumnistin Nina Naske erklärt, was das vielleicht bald schon mit Kauf oder Leasing von Flugzeugen zu tun haben könnte.

Einmal im Monat veröffentlicht die Luftrechts-Expertin Nina Naske auf airliners.de eine neue Kolumne. Alle Luftrechts-Folgen lesen. © dpa / Fotomontage: airliners.de

Zu den bedeutsamen geschäftlichen Transaktionen der Luftfahrt gehören der Kauf und die entgeltliche Nutzungsüberlassung (zum Beispiel das Leasing) von Flugzeugen. Es geht um Millionenbeträge und hohe Vermögenswerte, für viele Investoren auch darum, wertbeständige Assets zu handeln oder zu halten. Auch in der Luftfahrt wird deshalb vielen auffallen, dass sich in jüngerer Zeit einige Kryptowährungen wie beispielsweise Bitcoin oder Ethereum als im Vergleich zu vielen klassischen Geldwährungen weniger volatil und nachgerade wertbeständig zeigen. Und spätestens seit vor kurzem Tesla Bitcoin für 1,5 Milliarden US-Dollar gekauft hat, stellt sich die Frage, wann Kryptowährungen regulär für Transaktionen eingesetzt werden.

Vertragsschluss und Vertragserfüllung

Wer mit Bitcoin, Ethereum oder einer ähnlichen Kryptowährung ein Flugzeug kaufen oder die Leasingraten zahlen will, der sollte sich mit einigen ihrer Eigenschaften vertraut machen und die juristischen Notwendigkeiten der Transaktion bedenken.

Bei Flugzeugkauf oder Flugzeugleasing werden die juristischen Details typischerweise sehr gründlich bearbeitet, die Vertragswerke gehen häufig in die hunderte von Seiten, weil die Vertragsparteien jede Eventualität geregelt sehen wollen. Käufer und Verkäufer, Leasinggeber und Leasingnehmer, jeder möchte die Vertragspflichten klar geregelt sehen. Entnommen einer Üblichkeit des anglo-amerikanischen Rechtsraums, läuft außerdem in vielen Fällen alles auf das "Closing" zu. Mit diesem Datum wird der Vertrag unterschrieben und sollen zugleich alle im Vertrag benannten Voraussetzungen für den Vertragsschluss erfüllt werden. Sichergestellt sein muss, dass das Flugzeug in technisch einwandfreiem Zustand und die luftrechtlich erforderliche technische Dokumentation vollständig ist.

Bevor der Vertrag unterzeichnet und das Flugzeug ausgeliefert wird, sind deshalb die Anwälte und Anwältinnen genau so beschäftigt wie das technische Personal der Unternehmen. Im Büro sitzen die Juristen und arbeiten am Vertragstext. Im Hangar überprüfen die Postholder und ihre Mitarbeiter alle wesentlichen Bauteile des Flugzeugs, während die CAMO zugleich die Dokumentation prüft. Alle müssen erst "grünes Licht" geben.

Kryptos und Smart Contracts

In einen solchen Ablauf würden sich besonders gut diejenigen Kryptowährungen einfügen, deren Code bereits Smart Contract-Funktionalität mitbringt. Nicht bei allen bisher verfügbaren Kryptowährungen ist das der Fall, denn dafür genügt es nicht, dass es sich um eine Blockchain-basierte Währung handelt. Deshalb wird etwa Ethereum häufig genannt und genutzt.

Die Idee beim Smart Contract ist es, wesentliche Schritte der Vertragserfüllung automatisiert ablaufen zu lassen, ohne dass noch Eingaben von Menschen erforderlich sind. Erforderlich ist dafür zunächst, den Vertrag selbst in der virtuellen Währung abzubilden. Danach kommt es dann darauf an, die Lebensvorgänge in der "realen" Welt beobachten und ihrerseits abbilden zu können, damit klar ist, ob das, was sich ereignet, dem Vertrag entspricht oder nicht.

Wo Smart Contracts helfen (und wo nicht)

Kryptowährungen mit Smart Contract-Funktionalität würden vor allem helfen können, die Zug-um-Zug-Erfüllung einer Flugzeugtransaktion zu vereinfachen.

Grundsätzlich ist immer Zug um Zug zu leisten: Der Verkäufer liefert das Flugzeug, der Käufer zahlt, der Leasinggeber übergibt das Flugzeug an den Leasingnehmer, der Leasingnehmer zahlt und so weiter. Je geringer das Vertrauen der Vertragsparteien zueinander (und wenn es um wertvolle Assets wie Flugzeuge und Zahlungen in Millionenhöhe geht, empfiehlt es sich generell, eher weniger Vertrauen zu haben), desto wichtiger wird jeder Vertragspartei die Überwachung der Leistungsausführung durch die andere Seite. Jeder will erst leisten, wenn sicher ist, dass der andere auch erfüllt. Umso besser, wenn die Gegenseite ihre Leistung nicht mehr verweigern kann, sondern alles "automatisch" passiert.

Wenn der Käufer mit einer Kryptowährung mit Smart Contract-Funktion zahlt, dann lässt sich sicherstellen, dass die Ausführung der Zahlung nicht mehr verweigert werden kann, sobald bestimmte, im Voraus festgelegte Bedingungen eingetreten sind. Sobald also etwa das Flugzeug ausgeliefert wurde, erhält der Verkäufer die festgelegte Summe der Kryptowährung.

Beinahe noch wichtiger als bisher schon wird dann allerdings die Feststellung, ob alle festgelegten Bedingungen in der "realen" Welt tatsächlich eingetreten sind. Technisch machbar (aber mit erheblichem Aufwand verbunden) wären zwar Lösungen bis hin zu einer Vernetzung jedes Bauteils des Flugzeugs. Doch würde das allein nicht helfen, solange sich nicht ausschließen lässt, dass die Daten, die das Flugzeug sendet, unvollständig oder fehlerhaft, vielleicht sogar absichtlich falsch sind.

Mehr denn je wird es deshalb auf die Vertrauenswürdigkeit derjenigen ankommen, die den technischen Zustand des Flugzeugs in Augenschein nehmen, die technische Dokumentation sichten und die dabei gewonnenen Daten in die Blockchain eingeben, die dann ihr automatisches Werk vollzieht.

Von: Nina Naske für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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