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Einmal im Monat veröffentlicht die Luftrechts-Expertin Nina Naske auf airliners.de eine neue Kolumne. Alle Luftrechts-Folgen lesen. © dpa / Fotomontage: airliners.de

Die Luftfahrt ist bestens aufgestellt, neue Ideen zu entwickeln und auszuprobieren – und genau jetzt ist auch die Zeit dafür. Die Luftrechtskolumne befasst sich deshalb heute nicht mit Einzelheiten des Luftrechts, sondern mit Grundgedanken einer freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung.

Warum scheuen Menschen das Reisen?

Natürlich verändert die SARS-CoV-2/ COVID-19-Pandemie die Situation, und mehr noch tun das die staatlichen Maßnahmen, die zum Schutz vor der Pandemie getroffen werden. Die Menschen reisen deshalb extrem viel weniger. Das trifft den Tourismus und es trifft den Luftverkehr.

Tatsächlich sind es dabei aber nicht einfach vom Staat erlassene Verbote, die sich so drastisch auf die Bewegungsintensität der Bevölkerung auswirken. Die Infektionsschutzmaßnahmen bestehen überwiegend nicht aus Verboten, sondern aus Geboten: Wir müssen Masken tragen und Abstand halten, größere Ansammlungen meiden. Die Einreise in viele Staaten ist an Gesundheitsnachweise geknüpft.

Was sich auswirkt, ist deshalb vor allem die Entscheidung der Menschen, angesichts dieser Erschwernisse sich nicht mehr auf den Weg zu machen, gar nicht erst aufzubrechen, am Platz zu bleiben. Einfach weil nicht klar ist, ob sich die Verhaltensvorgaben auf der Reise oder vor Ort in der Fremde überhaupt umsetzen lassen. Plötzlich ist die Geschäftsreise wieder mühselig, die Urlaubsreise ein Aufbruchs ins Fremde.

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Luftfahrt wird Hygienekonzepte finden

Die Luftfahrt ist jedoch wie dafür gemacht, diese neuen Hürden zu überwinden – denn genau das hat sie immer schon getan: Grenzen überwunden und Menschen miteinander verbunden. Das ist doch das Großartige am Fliegen, wie es uns schnell an alle Orte der Welt bringen kann! Den Staatenlenkern früherer Zeiten war das so wichtig, dass deshalb schon 1944 das Chicagoer Abkommen entstanden ist, das bis heute eine Grundlage für den internationalen Luftverkehr bietet. Den Weltfrieden zu sichern, das erfordert, dass wir andere Kulturen entdecken, Fremde kennenlernen und die Menschlichkeit im Gegenüber erkennen können. Genau deshalb ist auch jetzt die Zeit für Luftfahrt, für Reisen, für Offenheit, Neugier und Freiheit. Und die Luftfahrt kann das, wenn sie nur will, auch unter „Corona-Bedingungen“.

In der Luftfahrt gehört es dazu, sich um die Flugsicherheit (safety) zu kümmern und ihre Anforderungen zu internalisieren. Die Abläufe in den Unternehmen sind darauf ausgerichtet und von der Luftfahrtingenieurin bis hin zum Flugbegleiter trägt jede und jeder, der in der Luftfahrt arbeitet, dazu bei. Genau so selbstverständlich sind die Vorkehrungen zum Schutz vor Terroranschlägen (Luftsicherheit, security). Das Sicherheitspersonal am Flughafen ist nicht mehr wegzudenken, und es stellt sich heraus, dass es auch nicht so schlimm ist, wenn man das Nagelpflegeset und sein Haarspray nicht im Handgepäck mitnehmen darf.

Von dort aus ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu sinnvollen Hygienekonzepten. Die wichtigste Neuerung wird dabei sein, dass die Luftfahrt kleinteiliger wird werden müssen und wollen, um die Kundenwünsche zu bedienen. An einem kleinen Flugplatz sind viel weniger Menschen unterwegs, hier lassen sich Abstandsregeln ohne allzu große Einschränkungen für den einzelnen Fluggast umsetzen. In kleinen Flugzeugen ist die Ansteckungsgefahr sofort verringert, einfach weil viel weniger Passagiere an Bord sind. Was dann noch fehlt, ist ein wenig mehr Technologie: Bessere Masken, bessere Lüftungssysteme werden helfen, die Freude am Reisen wiederzuentdecken.

Unternehmer*innen sehen Chancen

Die Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten werden sich präsentieren, wenn die Luftfahrt vom richtigen Ende her gedacht wird. Unternehmerinnen und Unternehmer sind gefragt, die den Aufbruch wagen und sich jenseits des Gewohnten bewegen. Von den Grundprinzipien her denken und von dort aus das Neue erkunden.

An dieser Stelle kommt dann auch das Juristische ins Spiel, denn natürlich gehört die Luftfahrt zu den mit größter Regelungsdichte und Regelungsintensität belegten Wirtschaftsbranchen. Selbstverständlich ist deshalb der dringende Rat zu geben, zu überprüfen, ob Unternehmenskonzepte und Geschäftsmodelle sich in das bestehende Regelsystem fügen.

Aber dabei darf doch nicht vergessen werden, dass auch Rechtsvorschriften sich ändern lassen. Wenn der soziale Wandel groß genug ist, zieht das Recht nach. Vorneweg fliegt die Hochtechnologie von morgen, die Rechtsvorschriften halten dann nur noch den Wettbewerb vom Leibe (denn wenn die Regulatorik erst so richtig loslegt, können weniger Unternehmen Schritt halten).

Unternehmerinnen und Unternehmer halten sich deshalb an die Grundprinzipien des Rechts: auch die unternehmerische Freiheit gehört dazu (Artikel 16 der Grundrechte-Charta der Europäischen Union, Artikel 12 des Grundgesetzes), und was nicht verboten ist, das ist erlaubt.

Übrigens ist dieses Denken in der Luftfahrt nicht neu. Für den Schritt in den nächsten Level musste schon immer so gedacht werden. Als der erste Airbus entwickelt wurde, gab es noch nicht einmal europäische Bauvorschriften, sie mussten parallel ausgearbeitet werden, und das ist noch nicht einmal mehr als 40 Jahre her. Wer Vorbilder hilfreich findet, wird außerdem an Space X denken wollen, die gerade dabei sind, in den Weltraum aufzubrechen.

Gerade jetzt ist deshalb in der Luftfahrt Raum und Zeit für die Ideen der Zukunft. Werden die kleinen Flugplätze womöglich die nächsten Urlaubsorte, zu denen die Menschen im vertrauten Kreis ihrer Familie mit einem kleinen Flugzeug reisen wollen? Dann braucht es am Flugplatz die richtigen Hotels dafür, mit Hygienekonzept natürlich und möglichst viel Außengelände für Aufenthalt und Sport an der frischen Luft. Und es braucht viele solche Flugplätze, weil an jedem Ort nur begrenzt viele Menschen sein wollen werden. Oder wird es Rundreisen mit tauglichen Langstreckenflugzeugen geben, weil sich so aufregende Naturschauplätze erreichen lassen? Vielleicht fliegen wir dann übers Wochenende nach Nordschweden und schauen uns die Nordlichter an und wohnen und schlafen während dieser Zeit einfach im Flugzeug? Oder liegt die Zukunft im Frachtverkehr, der die hunderte lokaler Flugplätze in ganz Europa nutzt, damit die Wege zum Kunden endlich wirklich kurz werden?

Wenn die Ideen da sind und die ersten Konzepte erdacht, dann erst ist die Zeit dafür, die Details mit juristischer Finesse zu überprüfen und nötigenfalls nachzujustieren. Und wenn allzu viele juristische Hürden auftauchen: Dann müssen wir auf Wandel drängen und die nötigen Rechtsänderungen am besten gleich mit vorlegen. Auch das gehört für Unternehmerinnen und Unternehmer dazu.

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