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Leitwerke von verschiedenen Lufthansa-Airlines. © Lufthansa Group

Pünktlich zum Flugbegleiter-Streik in Deutschland greift die Lufthansa-Führung bei Tochtergesellschaften im In- und Ausland durch. Nach den Eingriffen bei der Billigtochter Eurowings verordnete Vorstandschef Carsten Spohr auch den schwächelnden Konzerntöchtern Austrian, Brussels und Lufthansa Cargo neue Sparprogramme. Außerdem wird die konzerneigene Frachtflugzeug-Flotte halbiert.

Austrian streicht 800 Jobs und konzentriert sich auf Wien

Am härtesten trifft es Austrian Airlines (Aua). Bis Ende 2021 streichen die Österreicher 700 bis 800 Stellen. Das teilte die Geschäftsführung am Donnerstag am Flughafen Wien mit. Als Grund nannte sie den harten Preiskampf mit mehreren Billigfliegern am Standort Wien.

Aua-Finanzchef Wolfgang Jani sagte, die Kürzungen sollten vor allem durch natürliche Fluktuation gelingen. Jährlich würden das Unternehmen so 200 bis 250 Mitarbeiter verlassen. Die Fluggesellschaft hat derzeit etwas mehr als 7000 Mitarbeiter. Insgesamt sollen mit einem umfangreichen Sparpaket künftig 90 Millionen Euro jährlich eingespart werden.

Austrian wird sich künftig zudem komplett auf das Drehkreuz Wien konzentrieren. "Alle dezentralen Basen werden geschlossen", stellte die Lufthansa-Konzernführung klar. Betroffene Mitarbeiter erhielten Wechselangebote nach Wien.

Eurowings fliegt im Wet Lease für Austrian

Ab Januar 2020 wird außerdem Konzernschwester Eurowings aus ihrer Wiener Basis heraus mit vier Flugzeugen im Wet Lease für Austrian fliegen. Damit solle eine deutlich engere Abstimmung des Streckenangebots möglich werden sowie neue Direktflüge in den Flugplan kommen.

Auf der Langstrecke wird nimmt Austrian das Ziel Miami aus dem Programm. Die Strecke sei bisher ausschließlich saisonal im Sommer bedient worden und trotz aller Bemühungen nicht mehr wirtschaftlich. Auf auf der ebenfalls nur im Sommer bedienten Route Wien-Los Angeles wird ab kommenden Jahr die Frequenz von sieben auf fünf wöchentliche Flüge reduziert. Was mit der freien Kapazität auf der Langstrecke passieren soll, sei derzeit noch offen.

Austrian muss sich wegen Wettbewerbsdruck neu aufstellen

Austrian-Chef Alexis von Hoensbroech sagte, man müsse sich neu aufstellen, um gegen die Billigflieger zu bestehen. "Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben." Sie seien aber gleichzeitig notwendig, um die Zukunft von Austrian Airlines als führende Fluggesellschaft in Österreich zu sichern. Man wolle mit aller Härte am Markt gegen das Preis- und Lohndumping der Billigflieger halten. "Herr O'Leary irrt sich, wenn er glaubt, dass Lauda in fünf Jahren die AUA überholen kann", so von Hoensbroech.

Die Konzernmutter fordert von Austrian, die Produktivität zu steigern und die Personalkosten zu senken. Dazu plant die Airline Verbesserungen in den Unternehmensabläufen durch Automatisierung, Digitalisierung, Zentralisierung und Kürzungen bei den Sachaufwendungen. Zudem werde Austrian alle kleinen Flugzeuge vom Typ Bombardier Dash 8 Q400 durch insgesamt zehn größere Airbus A320 ersetzen. Durch den Umbau sollen bis Ende 2021 jährliche Kosteneinsparungen von zusätzlich 90 Millionen Euro erreicht werden, teilt die Lufthansa mit.

Die Kranich-Tochter veröffentlichte am Donnerstag zudem eine Gewinnwarnung. Trotz der Steigerung der Passagierzahlen um sechs Prozent auf 11,2 Millionen könnten Verluste im Gesamtjahr nicht mehr ausgeschlossen werden.

Austrian sieht sich in Wien mit einer großen Konkurrenz an Billigfliegern konfrontiert und rechnet für 2020 mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Vor allem Lauda, die zu 100 Prozent Ryanair gehört, führt mit der Aua einen harten Kampf. Ryanair-Chef Michael O'Leary machte zuletzt deutlich, dass Lauda nach seinen Vorstellungen in fünf Jahren die AUA überholen soll. Dafür nimmt der irische Billigflieger in Wien derzeit auch höhere Verluste in Kauf als ursprünglich geplant.

Nur noch neun Flugzeuge bei Lufthansa Cargo

Auch die Frachtsparte Lufthansa Cargo steht vor harten Einschnitten. Ihre Flotte wird nahezu halbiert. Die Gesellschaft soll ihre zehn alten Frachtjets vom Typ MD-11 bis Ende kommenden Jahres ausmustern und künftig mit einer einheitlichen Boeing-777-Flotte unterwegs sein, von der sie bisher sieben Stück besitzt. Weil das Unternehmen aber nur zwei Frachtjets der 777-Reihe hinzubekommt, soll die Flotte dann nur noch aus neun Maschinen bestehen.

"Darüber hinaus konzentriert sich Lufthansa Cargo weiterhin auf die Senkung ihrer Kosten", hieß es vom Konzern. Schon bisher wird rund die Hälfte der Cargo-Fracht in den Frachträumen der Passagierjets des Konzerns befördert. In den reinen Frachtflugzeugen sind vor allem besonders eilige Güter unterwegs. Lufthansa Cargo litt zuletzt unter einer schwachen Nachfrage in Asienverkehr. Der Vorstand kappte daher auch die Gewinnprognose für das Segment.

© AirTeamImages.com, Yochai Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo will MD-11 schneller ausmustern

Brussels rückt enger an die Netzwerk-Airlines

Auch auf die belgische Tochter Brussels Airlines, deren Integration in Eurowings der Vorstand bereits im Sommer gestoppt hatte, kommen weitere Veränderungen zu. So soll sie enger an die Netzwerk-Airlines des Konzerns - Lufthansa, Swiss und Austrian - andocken. Das soll Kosten einsparen. Auch das Streckennetz der Airline will der Vorstand neu ausrichten. "Brüssel wird aber nicht zum vierten Drehkreuz des Konzerns", sagte ein Sprecher.

Die Administration von Brussels will der Konzern umfassend digitalisieren und verschlanken. Zur Kostensenkung sollen zudem die Standardisierung der Flotte sowie Produktivitäts- und Prozessverbesserungen im Flugbetrieb beitragen. Brussels soll nach den neuen Plänen im Jahr 2022 eine bereinigte operative Marge von acht Prozent erreichen.

Die Flugkapazität von Eurowings solle in diesem Zuge um etwa fünf Prozent sinken, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr zuvor erläutert. Die Verträge zu den Tuifly-Maschinen vom Typ Boeing 737 laufen ab Ende 2020 schrittweise aus. Der weltgrößte Reisekonzern Tui ist nach der Pleite seines Rivalen Thomas Cook ohnehin dabei, sein Reise- und Flugangebot auszubauen. Die frühere Air-Berlin-Tochter LGW gehört inzwischen zum Logistikkonzern Zeitfracht und ist den Angaben zufolge derzeit mit zwölf kleineren Bombardier-Propellermaschinen für Eurowings unterwegs.

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