Hintergrund Lufthansas Statusmeilenumbau im Detail

Die Änderungen bei Miles and More als Statusprogramm der Lufthansa-Gruppe sind groß aber dafür sehr einfach zu verstehen. Kleine Hüpfer, vor allem vom Heimatmarkt aus, werden zum Fokus. Das gilt auch für Lot-, Luxair- und Brussels-Flüge, denn das Programm entscheidet.

Miles&More-Kreditkarte der Lufthansa © dpa / Jens Büttner

Mit einem neuen Statuspunktesystem baut Lufthansa ihr Miles-and-More-Vielfliegerprogramm um. Der Umbau selbst ist recht radikal, denn das System wird vor allem vereinfacht. Belohnt wird mit dem Statusprogramm insbesondere das häufige Einsteigen, während das Prämienmeilenprogramm - unverändert - effektiv eine Rabattierung, insbesondere bei teuren Tickets, beinhaltet.

Beim neuen Statusprogramm verliert die Flugdistanz und damit in Grenzen auch der Preis des Tickets stark an Bedeutung. Natürlich wird auch ein teureres Ticket grundsätzlich stärker belohnt, allerdings nur, wenn es sich um ein anderes Produkt handelt. Unterschieden wird nunmehr zwischen Economy, Premium Economy, Business Class und First Class. Auf interkontinentalen Flügen bringen diese Reiseklassen 15, 20, 50 oder 70 Statuspunkte. Wer nur innerhalb eines Kontinents unterwegs ist, bekommt fünf oder zehn Punkte. Premium Economy kontinental bei der Lot wird beispielsweise auch mit fünf Punkten bewertet. Wer mit der First zwischen New York und San Francisco mit United fliegt, der bekommt zehn Punkte. Die Distanz wird nur mit mehr Prämienmeilen belohnt, nicht mit Statuspunkten.

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Beibehalten werden die drei Statuslevel Frequent Traveller (FTL), Senator (SEN) und Hon Circle (HON). Dafür müssen 160, 480 respektive 1500 Statuspunkte erreicht werden. Grundvorraussetzung ist zudem eine gewisse Treue, die früher nur von HON-Kunden verlangt wurde. Von den Statuspunkten muss eine Mindestmenge über Lufthansa, Swiss, Austrian oder Partner-Airlines erflogen werden.

Entgegen der ersten Berichterstattung muss der Begriff der Partner-Airlines, die für diese Qualifying Points genutzt werden können, ungewöhnlich gefasst werden. Traditionell wichtige Partner wie United und ANA bieten nur normale Statuspunkte. Hingegen zählen Flüge mit Adria Airways, Air Dolomiti, der polnischen Lot, Luxair oder Croatia Airlines automatisch zu den Qualifying Points. Das liegt daran, dass dies Fluggesellschaften sind, die das Miles-and-More-Programm nutzen. Flüge mit Brussels Airlines und Eurowings gelten ebenfalls. Die letzten beiden Airlines der LH-Gruppe haben noch ein zweites, eigenes Vielfliegerprogramm.

Für den FTL-Status müssen zwingend 80 Punkte über diese Carrier erreicht werden. Wer insgesamt 200 Statuspunkte erreicht hat, aber nur mit Ethiopian und Eva Air fliegt aber nur ein paar Zubringerflüge mit der Lufthansa durchführt, der bekommt keinen Status mehr. Beim Sen-Status sind es 240 Punkte.

Es wird Gewinner und Verlierer geben

Ob das Programm eine Verschlechterung oder Verbesserung darstellt, hängt stark vom eigenen Flugverhalten ab. Klar ist, dass Personen, die viel in die Ferne fliegen, ihren Status kaum noch werden halten können, denn Europa steht stark im Fokus. Den FTL-Status, der zum einen den niedrigsten Status und Star Alliance Silver darstellt, erreicht der Pendler immer noch ähnlich leicht. Er braucht dafür rechnerisch 32 (32 x 5 = 160 Statuspunkte) statt zuvor 30 Segmente in der sogenannten Silverpromotion. Die Hälfte davon aber innerhalb der genannten Miles-and-More-Partner. Hat der Vielflieger allerdings das ein oder andere Langstrecken-Segment dabei, ist der Status noch früher erreichbar. Das hat sich früher nicht so stark ausgewirkt.

Wer allerdings nur selten, dafür aber auf der Langstrecke in der Economy unterwegs ist, der hat es ungleich schwerer. Derzeit sind 35.000 Statusmeilen notwendig. Mit einem Ticket der Buchungsklasse W von Frankfurt am Main nach San Francisco für rund 550 Euro pro Strecke gibt es etwa 2800 Statusmeilen. Wer bereits einen Status hat, der bekommt sogar rund 4300 Statusmeilen, dank des Executive Bonus. Der Bonus fällt aber in dem neuen Programm weg, er ist laut Lufthansa bereits in das neue System eingepreist. Es ist also nicht leichter, für einen Statuskunden den Status beizubehalten, als für einen neuen Kunden, den Status überhaupt erst zu erlangen.

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Rechnerisch braucht ein Neuling mit dem alten System zwölf Flüge dieser Art plus noch den ein oder anderen Kurzstreckenflug, um Frequent Traveller zu werden. Beim Statuserhalt sind es nur acht Flüge. Mit dem neuen Punktesystem sind es elf Flüge dieser Art. Kunden, die abseits eines Hubs wohnen, haben es etwas leichter, da der Zubringerflug jeweils fünf Punkte extra bringt. Im Vergleich zu so einer Langstrecke ist das recht viel.

Die Mittelstrecke wird gestärkt

Die Situation ändert sich aber schlagartig, sobald eine kürzere interkontinentale Distanz geflogen wird. Flüge nach New York oder dem gar nicht so fernen Tel Aviv werden nach dem neuen Punktesystem nämlich gleich behandelt. Letzteres ist zwar aus Flugzeugsicht kaum eine Langstrecke, aber trotzdem ist es ein interkontinentaler Flug gemäß der Bestimmungen der Iata, denen die Lufthansa folgen will.

Es zeigt sich, dass Lufthansa bewusst diejenigen mit Lounge-Zugang, Fast Track und ähnlichen Vorteilen belohnen will, die häufig am Flughafen sind. Wer teure Business-Class oder First-Tickets kauft, hat diese Vorteile ohnehin. Wer seltener unterwegs ist, selbst wenn dabei große Distanzen überbrückt werden, wird nicht mehr belohnt.

Damit ist eine Verschiebung der Vielfliegertypen erkennbar. Wer früher mit der Langstrecke aus fliegerischer Sicht sich seinen Status erflogen hat, der wird es schwerer haben. Vergleichsweise wenig Zeitaufwand sind hingegen die kurzen bis mittleren Hüpfer, insbesondere interkontinentale Kurzstreckenflüge. Zu beachten ist hier insbesondere, dass es keine Unterscheidung mehr zwischen den Ticketpreisen gibt. Das Schnäppchen eignet sich genauso für das Erlangen des Status, wie ein flexibles Economy-Ticket. Nur durch eine höhere Reiseklasse kann der Status schneller erlangt werden. Geringfügig etwa mit einem Premium-Economy-Ticket. Ziemlich deutlich belohnt werden Business-Class-Tickets. First-Class-Tickets bekommen nur einen vergleichsweise geringen Status-Aufschlag auf das Business-Ticket, insbesondere, wenn die typischen Preisdifferenzen betrachtet werden.

Entsprechend sind die Voraussetzungen für den Senator-Status oder Star Alliance Gold analog zu sehen. Für den Senator müssen mindestens 480 Statuspunkte erreicht werden. 240 davon über die eingangs genannten Miles-and-More-Partner. Der Star-Alliance-Gold-Status ist besonders im Ausland wichtig, da damit viele Status-Privilegien innerhalb des Star-Alliance-Netzwerks genutzt werden können. Derzeit verlangt das Programm hier 100.000 Statusmeilen.

Eine besondere Änderung gibt es beim Hon-Circle-Status. Traditionell belohnt er besonders die Treue gegenüber dem Lufthansa-Konzern. Daran ändert sich nichts. Für den Hon-Circle-Status braucht es zwingend 1500 Statuspunkte. Flüge bei Star-Alliance-Partnern wie United oder ANA zählen hier gar nicht. Neu ist allerdings, dass beispielsweise Economy-Flüge angerechnet werden. Lufthansa hat hier vor allem Kunden im Blick, die geschäftlich viel unterwegs sind, aber aufgrund von Reiserichtlinien bisweilen keine höherwertigen Tickets buchen dürfen. Das soll in Zukunft nicht mehr bestraft werden.

Statusgültigkeit nur noch für etwas mehr als ein Jahr

Größte Einschränkung des neuen Programms ist allerdings der Umstand, dass der Fluggast sich jedes Jahr von neuem für seinen Status qualifizieren muss. Wer die Voraussetzungen für einen Senator etwa im November 2021 erreicht, behält den Status nur noch bis Ende Februar 2023. Hier passt sich die Lufthansa an die Konkurrenz an, die das in der Regel genauso handhabt. Ein Jahr Pause machen führt also zu einer Statusreduzierung. Andere Programm erlauben immerhin eine Pause, etwa, wenn ein Kind geboren wird.

Zur Einführung des System lässt sich die Lufthansa aber bewusst viel Zeit. Für das Jahr 2020 gelten weiter die alten Regeln und auch die zweijährige Gültigkeit des Status kann in diesem Jahr noch erreicht werden. Lufthansa betonte bei der Vorstellung zudem, dass man auf Rückmeldungen der Vielflieger reagieren wird. Die ein oder andere Anpassung ist also durchaus denkbar. Dem Konzern bleibt aber wichtig, dass die Regeln möglichst einfach und ohne Fußnoten auskommen sollen. Das Programm zeigt bereits, dass für die Vereinfachung Sonderfälle herausgestrichen werden. Zur Reduktion der Komplexität werden zudem die Select-Meilen und Status-Stars gestrichen. Die Vorteile daraus werden aber trotzdem weiter nach einem Statuspunkte-Berechnungsschema gewährt. Dazu gehört auch der neue Status auf Lebenszeit, der aus den alten Status-Stars abgeleitet wird.

Die Übergangszeit wird mitunter etwas kompliziert, das gilt etwa für Hon-Circle-Mitglieder, deren Qualifikation in zwei unterschiedlichen Statussystemen geschehen kann.

Viele Airlines bauen Vielfliegerprogramme um

Die Lufthansa geht davon aus, dass die Anzahl der Statuskunden sich in der gesamten Anzahl nicht verändert. Das wurde im Konzern bereits simuliert. Das neue Programm wird auf der Webseite von Miles and More bereits vorgestellt. Dort gibt es auch ein Werkzeug mit dem Namen Punktekalender, mit dem sich etwa sein zu erwartendes Flugprofil einfach zusammenklicken lässt und so ein Status berechnet werden kann. Ein guter Test wäre etwa die Flüge des bereits fast abgeschlossenen Jahres 2019 einzutragen, um herauszufinden, ob die Voraussetzungen für einen Status mit dem neuen System erreicht worden wären.

Mit dem neuen Programm reiht sich Lufthansa in die Fluggesellschaften ein, die ihr Vielfliegerprogramm bezogen auf den Status umbauen. Kürzlich hat etwa United einen deutlichen Umbau angekündigt. Nicht unähnlich zu Lufthansas Statuspunkte-System ist etwa das 2018 gestartete Erfahrungspunktesystem von Flying Blue (Air France/KLM). - Es ist aber etwas schwerer in der Berechnung, da Landesgrenzen sowie die geflogene Flugdistanz die Erfahrungspunktewerte beeinflußen. Es ist aber noch eine halbwegs machbare Kopfrechenaufgabe. Anders sieht es mit dem Tier-Point-System bei British Airways aus. Das Wissen um die Buchungsklasse, Reiseklasse und Flugdistanz ist essentiell für die Berechnung der Punkte. Ohne das Berechnungswerkzeug geht es nur in seltenen Fällen.

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Geht es also nur um die Vereinfachung des Systems, dann ist das neue Statuspunktesystem der Lufthansagruppe ein deutlicher Fortschritt. Das derzeitige System ist so komplex, dass es hier zwingend einen Rechner braucht, den die Lufthansa in die Miles-and-More-App integriert hat. Hier sind zahlreiche Daten notwendig, um überhaupt eine Abfrage starten zu können. Da das Prämienmeilensystem allerdings nicht verändert wird, bleibt eine gewisse Komplexität auch nach dem 1. Januar 2021 erhalten, insbesondere, wenn es um Prämienmeilen geht, die bei Star Alliance-Partnern gesammelt werden.

Von: Andreas Sebayang

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