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Eine Frau steht am Flughafen Franz Josef Strauß in München vor einem Ticketschalter der Lufthansa. © dpa / Armin Weigel

Während sich unter Verbraucherschützern und in der Politik Stimmen mehren, die Bezahlung von Tickets künftig generell erst beim Check-In am Flughafen abzuwickeln, will Lufthansa ihren "Pay-as-you-fly"-Tarif attraktiver machen. Die Airline habe als erste auf die eigenen Forderungen reagiert und dem Verbandspräsidium sowie dem Fachausschuss Flug konkrete Pläne für eine Umgestaltung ihres Tarifgefüges vorgestellt, teilte der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) mit.

Das angepasste Tarifmodell sehe vor, dass der Bezahlvorgang bei innereuropäischen Flügen erst zum Zeitpunkt des Abflugs angestoßen wird. Außerdem sollen den Kunden nur tatsächlich genutzte Flüge belastet werden. Somit müssten Unternehmen im Falle eines Flugausfalls keine Erstattungsanträge mehr einreichen, wodurch administrative Kosten eingespart werden können. Zudem soll keine Verrechnung von Umbuchungs- und Stornierungsgebühren erfolgen.

Die Umstellung gelte jedoch bei weitem nicht für alle Passagiere, betont "FVW". Es gehe um eine neue zusätzliche Option, die Geschäftsreisende haben, die sich für eine höherwertige Buchungsklasse entscheiden. Anders als beim bisherigen "Pay as you fly"-Tarif sind dafür jedoch keine Mindestumsätze mehr nötig. Auch seien die Preisunterschiede zum Classic-Tarif vergleichsweise gering.

Lufthansa warnt vor Abrechnungsproblemen bei grundsätzlicher Umstellung

Der Kundenkreis bleibe auch in Zukunft begrenzt, bestätigte ein Lufthansa-Sprecher gegenüber airliners.de. "Wir bieten schon seit vielen Jahren Pay as you fly für unsere Corporate Kunden an. Der Zugriff auf das Produkt wird nun für weitere Unternehmen einfacher und komfortabler."

Generell halte die Airline die derzeitigen Regelungen zur Bezahlpraxis für hinreichend und "mit Blick auf Produktdifferenzierung und Angebotssteuerung für zielführend". Eine grundsätzliche Umstellung auf kurzfristige Bezahlung würde unter anderem dazu führen, dass die Auslastung von Flügen schwieriger planbar wäre. Halbleere Flugzeuge wären jedoch ökologisch wie ökonomisch unsinnig.

Wie auch in anderen Zusammenhängen lehnt Lufthansa einen nationalen Alleingang ab. Die Vorauskasse sei weltweite Praxis im internationalen Luftverkehr. Eine Abkehr nur in Deutschland würde nicht nur die Wettbewerbsposition schwächen, sondern auch "erhebliche Buchungs- und Abrechnungsprobleme" mit sich bringen, so der Sprecher. Die Rechtswirksamkeit der Vorauskasse habe der Bundesgerichtshof zudem 2016 bestätigt.

Angesichts von Verzögerungen bei der Kostenerstattung für in der Corona-Krise gestrichene Flüge fordern Verbraucherschützer seit Monaten eine Abschaffung der bisherigen Vorkasse-Regelungen. Künftig solle das Ticket erst wenige Tage vor Flugantritt bezahlt werden müssen, verlangte Verbraucherschutzverband-Chef Klaus Müller. In den vergangenen Tagen sagten die Regierungen des Saarlands und Brandenburgs zu, die Praxis zum Thema beim nächsten Treffen der Verbraucherschutzminister zu machen.