Arbeitsgericht Frankfurt gibt grünes Licht für Flugbegleiter-Streik bei Lufthansa

Das Arbeitsgericht Frankfurt weist die Einstweilige Verfügung der Lufthansa gegen den drohenden Streik ab. Der Konzern kündigt an, Rechtsmittel einzulegen. Ufo-Vize Flohr sagt seine Teilnahme am Krisengespräch mit Lufthansa-Chef Spohr ab.

Lufthansa-Mitarbeiter mit Ufo-Streik-Button © dpa / Frank Rumpenhorst

Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat den ab Donnerstag geplanten zweitägigen Streik der Flugbegleiter für rechtens erklärt. Das teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Sie nehme die Entscheidung des Arbeitsgerichts "mit Bedauern zur Kenntnis" und prüfe weitere Rechtsmittel. Damit kann der geplante 48-Stunden-Streik der Lufthansa-Flugbegleiter ab Donnerstag stattfinden. Gegen Mittag will Lufthansa einen Sonderflugplan für die Streiktage Donnerstag und Freitag veröffentlichen.

Zuvor hatte die Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab dem 15.2.2020 finalisiert werden könnten. Ufo verlangte hingegen Gespräche auf Augenhöhe.

Ufo-Vizechef sagt Teilnahme am Krisengespräch Spohr ab

Der Gewerkschafts-Vizevorsitzende Daniel Flohr sagte die Teilnahme an dem für Mittwochabend angesetzten Krisengespräch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr ab, da man mit der Berufung beschäftigt sei. Er schätze das Gespräch, an dem auch Vertreter der Verdi und der in Gründung befindlichen Cabin Union teilnehmen sollten, ohnehin als "PR-Coup" des Lufthansa-Chefs ein. Eine Lösung der Probleme sei dort nicht zu erwarten.

Carsten Spohr hatte die drei um die Vertretungsberechtigung der Kabinenmitarbeiter in der Lufthansa Group konkurrierenden Gewerkschaften Ufo, Verdi und die IGL-Neugründung CU (Cabin Union) zu einem gemeinsamen Gespräch am morgigen Mittwoch eingeladen.

In dem Schreiben an die Spitzenvertreter der Arbeitnehmer heißt es: "Die verfahrene Situation in der Kabine, die in dieser Woche zu einem weiteren Arbeitskampf zu führen droht, ist weder unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch unseren Kunden länger zumutbar. Für unser Unternehmen und sicherlich auch für Sie als Interessensvertreter der Kabine ist diese Entwicklung äußerst bedauerlich." Eine Lösung könne nur im Dialog liegen.

Bei dem gemeinsamen Spitzengespräch sollen laut Lufthansa "im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Fluggäste der Lufthansa Group" Lösungsspielräume erörtert und mögliche nächste Schritte besprochen werden. Das Gespräch soll am Abend stattfinden und wäre wohl die letzte Chance für den Konzern, einen Streik am Donnerstag und Freitag noch abzuwenden.

Ufo reagierte skeptisch auf das Gesprächsangebot

Die Ufo reagierte skeptisch auf den Lufthansa-Vorstoß. So sagte ein Sprecher gegenüber airliners.de: "Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass Herr Spohr persönlich die Dringlichkeit des Themas zu erkennen scheint und in den Austausch treten will." Man müsse jedoch davon ausgehen, dass es sich um ein weitere PR-Maßnahme des Konzerns handele. Ob das Treffen tatsächlich stattfinde, müsse nun direkt mit der Lufthansa-Führungsebene besprochen werden.

Lufthansa hatte bereits zuvor erstmals seit vielen Monaten wieder eine Bereitschaft zu Gesprächen mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo erkennen lassen, deren momentanen Vorstand sie aber weiterhin als nicht vertretungsberechtigt einschätzt. Eine Situation, die sich Verdi und die CU zunutze machen und künftig der von Lufthansa anerkannte Tarifpartner werden wollen. Dass Spohr nun alle drei Gewerkschaften eingeladen hat, dürfte am Vorabend des Streiks für zusätzliche Brisanz sorgen.

Lufthansa bietet allen Passagieren kostenfreie Umbuchungen an

Unterdessen gehen die Streikvorbereitungen beim Kranich weiter. Lufthansa biete ihren Kunden umfassende kostenfreie Umbuchungsmöglichkeiten für die von der Ufo ausgerufenen Streiktage an, teilte das Unternehmen mit. Wer ein Ticket für Donnerstag oder Freitag besitze, könne dieses einmalig auf einen Flug der Lufthansa Group innerhalb der nächsten zehn Tage umbuchen.

Innerdeutsche Flüge können über die Lufthansa-Website auch in Bahntickets umgewandelt werden. Keine Rolle spielt die Frage, ob der ursprünglich gebuchte Flug tatsächlich ausfällt. Einen Ersatzflugplan für die Streikzeit will Lufthansa bis Mittwochmittag erstellen und dann im Internet veröffentlichen.

Im Durchschnitt bietet die Lufthansa Group nach eigenen Angaben täglich 1540 Verbindungen ab. Davon entfallen 580 Abflüge auf Deutschland und wiederum 380 auf die Kernmarke Lufthansa. Die Streikdrohung der Gewerkschaft Ufo umfasst bislang nur die Lufthansa-Abflüge aus Deutschland am Donnerstag undFreitag dieser Woche. Die Gewerkschaft hat aber eine Ausweitung angedroht.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Ufo kündigt zweitägigen Lufthansa-Streik an

Von: dk, br, dpa-afx

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