Lufthansa akzeptiert Ufo als Tarifpartner - Langwierige Schlichtung erwartet

Das Verhältnis von Lufthansa und Ufo steht vor einem Neubeginn. Beide Seiten zeigen ihre Verhandlungsbereitschaft, von einer fehlenden Vertretungsberechtigung ist keine Rede mehr. Doch bis zu einer Einigung ist der Weg noch lang.

Auf den letzten Harmonie-Termin im Spätherbst folgte ein Streik und der Abgang der Lufthansa-Personalchefin. © Deutsche Lufthansa AG (Screenshot Twitter)

Der Lufthansa-Konzern hat den Arbeitsgerichtsprozess gestoppt, mit dem der Flugbegleitergewerkschaft Ufo der Gewerkschaftsstatus aberkannt werden sollte. "Wir erkennen die Ufo als Gewerkschaft an", erklärte Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens und macht damit nach anderthalb turbulenten Jahren den Weg für einen Neuanfang der Tarifpartnerschaft zwischen der größten Kabinengewerkschaft und dem größten Arbeitgeber für die Kabine frei.

Nach dem Streik der Kabine in der vergangenen Woche hatten sich Lufthansa und Ufo für erste Schlichtungs-Sondierungen an einen Tisch gesetzt. Bis dahin war es nach dem Rücktritt großer Teile des Ufo-Vorstandes im Sommer die Position der Lufthansa, dass die nach eigenen Angaben größte Flugbegleitergewerkschaft nicht satzungsgemäß aufgestellt ist. Daher sei diese auch nicht vertretungsberechtigt, womit die damals erfolgte Kündigung der Tarifverträge nicht gültig gewesen wäre und Friedenspflicht bestünde.

Der Streit ging vor Gericht, wo die Ufo im September einen ersten Teilerfolg erzielen konnte. Lufthansa blieb jedoch bei ihrer Position. Im Anschluss führte die Gewerkschaft eine Urabstimmung durch, die im zweitägigen Streik der vergangenen Woche mündete.

Freude, aber keine Genugtuung bei Ufo

Der Ufo-Vorstand sieht sich angesichts der jetzigen Situation in seinem Kurs bestätigt. "Eine Gewerkschaft beweist sich auf der Straße, nicht in Gerichtssälen und anscheinend hat es diesen Beweis gebraucht," sagte Ufo-Vorstand Daniel Flohr im Gespräch mit airliners.de. Genugtuung über den vorläufigen Erfolg verspüre man jedoch nicht. Der "Kalte Krieg" mit der Lufthansa sei aufreibend gewesen und es sei nie eine Bestrebung der Ufo gewesen, vor derart verhärteten Fronten zu stehen.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Das ist der rechtliche Hintergrund des Streits zwischen Lufthansa und Ufo Luftrechtskolumne - (Ufo-Extra)

Die Bestätigung, wieder der Ansprechpartner für Lufthansa in den anstehenden Schlichtungs- respektive Tarifverhandlungen zu sein, gibt Ufo auch einen Schub beim Blick auf die Konkurrenz von Verdi und Cabin Union, die sich in den Wirren der letzten Monate beide anschickten, Ufo den Rang als wichtigste Kabinengewerkschaft abzulaufen. "Es gibt keine Wechselstimmung - im Gegenteil, wir erfahren derzeit wieder großen Zulauf von Flugbegleitern. Auch viele die sich zwischenzeitlich abgewendet hatten, kehren nun zurück," so Flohr. Er wisse aber, "dass wir jetzt liefern müssen." Momentan sei das Vertrauen der Mitglieder groß, aber natürlich gehe es jetzt um einen guten Tarif-Abschluss für die Kollegen.

Bei Lufthansa verweist man vor allem auf die "vertrauensvollen Gespräche" der letzten Tage, die eine Zusammenarbeit wieder möglich gemacht hätten. Der Blick sei jetzt im Interesse von Mitarbeitern und Passagieren in die Zukunft gerichtet, so eine Sprecherin. "Wir waren zu lange in einer Situation des Stillstands. Wir brauchen den Dialog, wir brauchen Vertrauen, um die wichtigen Fragen der Zukunft zu lösen," sagte Volkens.

Umfassende Friedenspflicht während der Verhandlungen

Nichtsdestotrotz richte man sich auf eine lange Schlichtung für die rund 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kerngesellschaft ein. Das gaben beide Seiten bei einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt. Konkrete Schlichter benannten beide Seiten dabei noch nicht. Auch Angaben zu möglichen Fristen oder Terminen vermieden das Unternehmen und die Gewerkschaft.

© Ufo, Lesen Sie auch: Vorerst keine weiteren Streiks: Ufo und Lufthansa einigen sich auf Schlichtung

"Es wird eine Sache von Jahren sein, bis die Kollegen dem Tarifpartner wieder vertrauen", erklärte der frühere Ufo-Chef Nicoley Baublies, dessen Kündigung durch Lufthansa weiterhin nicht zurückgenommen ist. Es seien dazu noch Details zu klären, erklärte Volkens. Laut Ufo hatte der Lufthansa-Anwalt noch am Morgen bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Vergleich mit Baublies zurückgezogen.

Beide Seiten haben vereinbart, erst mit ausgearbeiteten Tarifverträgen wieder an die Öffentlichkeit zu treten. Zwischenabschlüsse zu einzelnen Themen sollen aber möglich sein. Auch sollen die Rechte der zweiten Gewerkschaft Verdi gewahrt werden. Man werde auch weiterhin mit beiden Gewerkschaften sprechen und dabei die Regeln der Tarifeinheit beachten, kündigte Volkens an.

Während des Verfahrens läuft eine umfassende Friedenspflicht, so dass erneute Streiks der Flugbegleiter bis auf weiteres ausgeschlossen sind. Ufo kann aber aus der Schlichtung aussteigen, falls Lufthansa an ihr vorbei mit anderen Gewerkschaften Abschlüsse macht.

Schlichter gesucht

Flohr nannte noch weitere konkrete Verbesserungen für die Beschäftigten, die bereits verabredet worden seien. So erhalte jeder Kabinen-Mitarbeiter in diesem Jahr eine Sonderzahlung von 1500 Euro. Zuvor war bereits mit Verdi und Ufo ein "Wintergeld" für die saisonalen Flugbegleiter vereinbart worden, um deren finanzielle Engpässe in den Wintermonaten zu lindern.

Beide Seiten sind aktuell auf der Suche nach geeigneten Schlichter-Persönlichkeiten. Dies sind in der Regel erfahrene Juristen und/oder Politiker. Die Suche gestalte sich schwierig, sagte Baublies mit Blick auf den langwierigen Konflikt. "Wir haben im Vorfeld ein paar Leute verschreckt. Es ist nicht so, dass die Schlichter bei uns Schlange stehen."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Ufo-Streik führt zu zahlreichen Flugausfällen bei Lufthansa

Von: dk mit Material von dpa

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