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Lufthansa Technik: Schweres Jahr und MRO-Erholung erst 2024

Lufthansa Technik stellt sich nach einem verlustreichen Jahr auf längere Corona-Probleme ein. Weltweit erwägt das Unternehmen nun einen Jobabbau. Die Vierstrahler fehlen - Hoffnung machen Digitalisierung und der VIP-Bereich.

Arbeiten bei Lufthansa Technik in Hamburg. © Lufthansa Technik

Aufgrund der weiter schwierigen Lage, ausgelöst durch die Corona-Krise, wird Lufthansa Technik (LHT) weltweit Stellen streichen. Auf der Jahrespressekonferenz sagte der LHT-Vorstandsvorsitzende Johannes Bußmann, dass die genaue Zahl zwar noch nicht feststeht. Er rechnet aber damit, dass es ein hoher dreistelliger bis niedriger vierstelliger Bereich abgebaut werden muss. Also um die 1000 Stellen.

Dies ist zusätzlich zu den bereits gestrichenen rund 3000 Stellen innerhalb des Unternehmens. Bisher mussten vor allem Leihbeschäftigte das Unternehmen verlassen. Das waren etwa 1900 Stellen. Das Eigenpersonal liegt weltweit derzeit bei 22.745 Stellen. Zu einer Aufteilung der Stellenstreichungen äußerte sich Bußmann nicht. Vor Kurzem war bekannt geworden, dass Lufthansa Technik auch in Deutschland zahlreiche Stellen streichen wird.

Mit einer Erholung rechnet Lufthansa Technik bezogen auf den MRO-Markt bestenfalls im Jahr 2023. Tendenziell wird aber erst 2024 wieder das Niveau von 2019 erreicht werden. Dies gilt insbesondere für die Triebwerkswartung. Das liegt auch daran, dass sich der Markt der Triebwerkwartung laut Prognose verändern wird.

Lufthansa Technik erwartet, dass gut ein Drittel der Vierstrahler ausgeflottet wird. Die restlichen zwei Drittel stellen dann vor allem den Frachtmarkt dar. LHT sieht sich für diesen Wechsel dank der Erfahrung mit modernen Flugzeugen gut vorbereitet. Derzeit fliegt vor allem modernes, kostensparendes Fluggerät, dass dementsprechend verstärkt gewartet werden muss.

Hohe Verluste und Asien-Pazifik-Geschäft vergleichsweise stabil

Die Anzahl der Kunden blieb über das vergangene Jahr stabil, dank Vertragsanpassungen. Märkte, die sich bereits erholen konnten, glichen die Probleme in anderen Bereichen aus. Vor allem im EMEA-Bereich brach der Umsatz deutlich von 4,6 auf 2,55 Milliarden Euro ein. In Amerika sank das Geschäft von 1,35 Milliarden auf 821 Millionen. Vergleichsweise gering waren die Umsatzverluste im Asien-Pazifik-Bereich (573 Millionen auf 430 Millionen).

Der Umsatz ging Corona-bedingt in allen Regionen herunter. © Lufthansa Technik

Insgesamt war es das schwerste Geschäftsjahr in der Geschichte des Unternehmens. Der Gesamtumsatz von Lufthansa Technik sank von 6,57 auf nunmehr 3,75 Milliarden Euro. Der Gewinn (Ebit) lag 2019 noch bei 472 Millionen Euro. Für das vergangene Jahr weist das Unternehmen einen deutlichen Verlust von 508 Millionen Euro aus. Die Werte beinhalten bereits die Effekte des Übergangs der Line Maintenance auf die Lufthansa.

VIP-Geschäft ist krisenfest

Der VIP-Bereich (VIP- & Special Mission Aircraft Services) wird in diesen Zahlen nicht dargestellt. Hier nannte Lufthansa Technik auch keine Details und spricht nur von einem Rekordergebnis. Die Auftragsbücher sind aber voll. So hat die Sparte 2020 am Kapazitätsmaximum gearbeitet und hat 50 Ingenieure anderer LHT-Abteilungen zur Hilfe gebraucht. Dank neuer Aufträge rechnet Lufthansa Technik auch 2021 mit voller Auslastung.

Dazu gehören für das Jahr 2021 auch die beiden Bundeswehr-A350, die mit einer Regierungskabine ab Ende März und voraussichtlich Ende September ausgestattet werden. Gewisse Schwierigkeiten gab es durch die Corona-Krise trotzdem, etwa wenn die Besitzer und weiteres Personal der Flugzeuge vor dem Umbau erst einmal in Quarantäne mussten, sodass Lufthansa Technik zunächst alleine arbeiten musste.

Hohe Nachfrage an Digitalisierungslösungen

Ein weiterer Bereich, der sich laut Lufthansa Technik gut entwickelt, ist das Angebot an digitalen Lösungen insbesondere unter der Aviatar-Plattform. Interessanterweise wird gerade die Krise genutzt, um entsprechende Bestrebungen voranzubringen. Das soll auch daran liegen, dass krisenbedingt entsprechende Kapazitäten bei den Fluggesellschaften vorhanden sind und es einen hohen Kostendruck gibt.

Mit der Digitalisierung des technischen Betriebs sollen die Kosten gesenkt werden. Das Geschäft wächst in allen Regionen und bei allen Arten von Airlines, so Lufthansa Technik. Vor allem die vorausschauende Wartung soll eine große Zukunft haben. Ein großer Kunde ist United Airlines mit über 600 Flugzeugen auf der Aviator-Plattform.

Für die 737-Flotte sollen weitere digitale Lösungen in Kooperation mit United entwickelt werden. Zur Einordnung, insgesamt betreut Lufthansa Technik mehr als 4500 Flugzeuge aller Airlines. Die chinesische Sichuan Airlines nutzt Aviatar ebenfalls für die A320-, A330- und A350-Flugzeuge. Sichuan Airlines ist der erste chinesische Kunde für die Aviatar-Plattform.

Zum Marktanteil machte Lufthansa Technik keine Angaben. Dies sei auch schwierig bedingt durch den modularen Ansatz. Andere Lösungen, wie Airbus Skywise und Boeings Analytx decken ein breiteres Feld ab, was die Vergleichbarkeit erschwert.

Von: as

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