Lufthansa Technik in Schönefeld hofft auf den BER

Interflug, Boeing 737 und BER - für die Flugzeugmechaniker von Lufthansa Technik am größten ostdeutschen Wartungsstandort in Schönefeld sind das die großen Wegmarken. Sie brauchen den neuen Flughafen dringend.

Eine A321 der Lufthansa steht in einem Hangar der Lufthansa Technik in Berlin-Schönefeld. Foto: © airliners.de, Christian Höb

Auch ein Koloss aus Aluminium kann Abschiedsschmerz hinterlassen, wenn er für immer weg ist. "Die Älteren sind schon traurig", sagt Flugzeugmechaniker René Bab und blickt aus dem Hangar. Eine Boeing 737 hebt ab in den Himmel von Berlin-Schönefeld - eigentlich Alltagsgeschehen. Aber für die Techniker in Schönefeld - viele von ihnen noch in der DDR bei der Interflug ausgebildet - ist dieser Tag ein besonderer: Gerade hat die letzte Lufthansa-Maschine dieses Typs ihre turnusmäßige grundlegende Wartung bei der Lufthansa Technik absolviert.

Besonders ist der Tag ein wenig auch für den ganzen Lufthansa-Konzern. Denn die Boeing 737 galt jahrzehntelang als Arbeitspferd des deutschen Marktführers, als meistgenutztes Flugzeug. Und für zahlreiche der 450 Mitarbeiter in Schönefeld markierte die Maschine vor einem Vierteljahrhundert den Wechsel von der Interflug zur Lufthansa, von der DDR zur Bundesrepublik. Nun steht der einzige große Wartungstandort im Osten vor neuen Herausforderungen.

Solange der BER nicht eröffnet, wird es schwer

"Wir richten jetzt den Fokus auf die Airbus-Familie", sagt Martin Hähnel, der Leiter der Region Ost der Lufthansa Technik. Neue Maschinen müssen seltener gecheckt werden und seien auch schneller fertig. Ende Oktober nimmt die Lufthansa ihre letzten Maschinen dieses Typs aus der Flotte - auf ihre Technik waren 1991 alle früheren Interflug-Beschäftigten umgeschult worden.

"Wir wollen die heutige Betriebsgröße beibehalten", versichert Hähnel. Es gebe zwar weniger große, dafür mehr kleinere Wartungen. Außerdem erwartet er mehr Aufträge für Arbeiten in den Flugzeugkabinen, an Unterhaltungsprogrammen, Internetzugang und papierlosem Cockpit. Heute komme jeder dritte Kunde nicht aus dem Lufthansa-Konzern, künftig werde es jeder zweite sein.

© airliners.de, Christian Höb Lesen Sie auch: Lufthansa flottet im Oktober letzte Boeing 737 aus

Doch solange der neue Hauptstadtflughafen nicht in Betrieb ist, wird es schwer, zusätzliches Geschäft zu gewinnen. Denn dafür müssen mehr Flugzeuge in Schönefeld starten und landen. Für 16 Millionen Euro hat Lufthansa am anderen Ende des Airport-Geländes einen neuen Hangar gebaut, für kurze Wartungsarbeiten über Nacht. Zum geplanten Start des Großflughafens 2012 war er fertig. Doch seither passiert dort wenig: Die Auslastung liegt bei unter zehn Prozent.

Auch Air Berlin wartet auf BER-Inbetriebnahme

Kaum anders sieht es bei Air Berlin aus. Die deutsche Nummer zwei hat - zusammen mit Germania - auch in Schönefeld bauen lassen, ist aber gezwungen, weiter vom größeren Standort Berlin-Tegel zu fliegen. In Schönefeld gebe es "nur geringe Maintenance-Aktivität", sagt ein Sprecher. "Diese Aktivitäten erhöhen sich schrittweise bei Inbetriebnahme des BER." Damit ist jedoch frühestens Ende 2017 zu rechnen.

Wenig später verschwindet auch der alte Interflug-Hangar, den Lufthansa Technik noch bis 2020 gemietet hat. Die Halle weicht "Taxiway Charlie", einem Rollweg, den die Flughafengesellschaft als Ausweichroute im Fall von Havarien bauen will. Für die grundlegenden Wartungen will Lufthansa am BER einen weiteren Neubau hochziehen, die Gespräche über den genauen Standort laufen.

Von: ch, dpa

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