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Lufthansa stellt nach Gewinnwarnung Flugzeugbestellungen in Frage

Schwächelnde Umsätze und interne Probleme setzen der Lufthansa zu. Jetzt hat der neue Konzernchef Chef Carsten Spohr eine Gewinnwarnung herausgegeben. Das Sparprogramm könnte auch Flugzeugbestellungen treffen.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa AG, Carsten Spohr. © dpa / Daniel Reinhardt

Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr streicht die von seinem Vorgänger Christoph Franz ausgegebenen Gewinnziele für 2014 und 2015 deutlich zusammen. Wegen schwacher Geschäfte in den Kernmärkten Europa und Nordamerika müsse man die Gewinnziele zusammenstrichen, teilte die Airline mit.

Für dieses und das kommende Jahr wurden die Prognosen in einer Pflichtmitteilung an die Börse vom Mittwoch deutlich um bis zu einem Drittel zurückgenommen. Der Aktienkurs der größten Fluggesellschaft Europas stürzte daraufhin ab und lag am Vormittag mehr als zwölf Prozent unter dem Vortag.

Weitere strukturelle Veränderungen angekündigt

Die Gewinnwarnung habe den Markt auf dem falschen Fuß erwischt, nachdem die Stimmung für die Papiere der Fluggesellschaft zuletzt positiv gewesen, sagte ein Händler. Noch Ende April hatte der damals scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz eine bessere Zukunft bescheinigt und die jetzt gekippten Prognosen bestätigt, mahnte seinen Nachfolger Spohr aber, beim Innovationstempo nicht nachzulassen.

Der Gewinnwarnung zufolge soll der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2014 nur noch rund 1 Milliarde Euro betragen. Bislang waren 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro angekündigt worden. Für 2015 geht der Vorstand noch von zwei Milliarden Euro aus, obwohl mit dem Ende des Sparprogramms «Score» bislang 2,65 Milliarden angepeilt worden waren. Selbst das neue Ziel sei nur «bei stabilen Rahmenbedingungen» und der Umsetzung zusätzlicher struktureller Veränderungen erreichbar. Diese will Spohr im Juli vorstellen.

Die nun revidierten Ziele stammten noch von seinem Ende April ausgeschiedenen Vorgänger Franz. Spohr habe die Ziele nun so gesteckt, dass er damit kein Risiko eingehe, meinte Analyst Jürgen Pieper von der Privatbank Metzler.

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Für die schwachen Zahlen musste Finanzchefin Simone Menne geradestehen. Es handele sich um eine strukturelle Krise und nicht um kurzfristige Entwicklungen, sagte Menne. Die Überkapazitäten vor allem auf den Nordatlantikverbindungen führten zu einem deutlichen Preisverfall vor allem im bislang lukrativen Segment der spät buchenden Geschäftskunden, die nunmehr eine weit größere Auswahl vorfänden.

Der Verkehr über die Drehkreuze sei weit stärker betroffen als die Tochter Germanwings, die weiterhin auf Kurs sei, die Gewinnzone in diesem Jahr zu erreichen. In Europa leide man unter den zunehmenden Direktverkehren auch der Billigflieger, während auf der Langstrecke vor allem die Fluggesellschaften vom arabischen Golf Kapazitäten in den Markt drückten.

Sparprogramm könnte Flugzeugbestellungen treffen

Die Erlöse seien sowohl im Passagier- als auch im Frachtgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Menne. Für Europa nannte sie einen Erlösrückgang von 1,0 bis 1,5 Prozent. Auch die schwachen Vorausbuchungen hätten den Vorstand zur Rücknahme der Ziele veranlasst. Weitere Kostenbelastungen von jeweils 60 Millionen Euro seien durch den Pilotenstreik im April und durch Wertberichtigungen auf Forderungen in Venezuela hinzugekommen. Auf der Kostenseite würden die Ziele des Sparprogramms sämtlich erreicht.

Lufthansa werde ihr Flugangebot im kommenden Winterflugplan «spürbar reduzieren», kündigte Menne an. Möglicherweise werde dies auch im kommenden Jahr fortgesetzt. Deswegen würden auch sämtliche Flugzeugbestellungen unter die Lupe genommen, ob sie verschoben oder gar abgesagt werden müssten. Dies betreffe sämtliche Order bei den Herstellern Boeing und Airbus.

Lufthansa hatte in den letzten Jahren Bestellungen für eine umfassende Flottenmodernisierung bei den Fluggesellschaften der Gruppe angestoßen. Bis 2025 erwartet der Konzern den Angaben nach neue Maschinen im Gesamtlistenwert von 32 Miliarden Euro, darunter rund 80 Maschinen für die Langstrecke.

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Um Kosten zu senken, nimmt die Lufthansa auch ihre Frachtflotte unter die Lupe. Das Geschäftsfeld Cargo sollte seinen Gewinn bis 2015 eigentlich vervierfachen, damit die Konzernmutter ihr operatives Ergebnis auf 2,65 Milliarden Euro ausbauen kann. Dieses Jahr dürfte es nur halb so viel sein, weil viele Sparmaßnahmen erst später greifen und die Umbaukosten das Ergebnis drücken.

Lufthansa will zudem möglichst noch in diesem Jahr die Abteilung Infrastruktur der Tochter Lufthansa Systems aus Kostengründen an einen internationalen IT-Konzern verkaufen. Drei Anbieter haben nach Aussage von Menne Angebote abgegeben, die nun ebenso wie mögliche Jobgarantien konkretisiert werden sollen.

Keine Fortschritte konnte Menne derweil von den Verhandlungen mit den Piloten über deren Übergangsrenten vermelden. Man sei mit Hilfe eines Moderators in konstruktiven Verhandlungen.

Von: dpa, afp

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