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Lufthansa rudert bei Ende von Zubringerflügen für Condor zurück

Noch vor kurzem quittierte Lufthansa die scharfen Beschwerden Condors zur Kündigung einer Zubringervereinbarung vonseiten des Kranichs mit einem schulterzuckenden "Pech gehabt". Doch Druck aus der EU-Kommission bringt die Dinge in Bewegung.

Airbus der Condor in München. © AirTeamImages.com / Carlos Enamorado

Die Lufthansa wird die Zubringerflüge für Condor vorerst wohl doch nicht aufgeben. "Es war uns nicht bewusst, dass es so schlecht um Condor steht", zitiert Reuters einen Lufthansa-Sprecher: "Wir ziehen in Erwägung, den Vertrag mit Condor vorerst weiter laufen zu lassen.“

Die Ankündigung kam Ende letzter Woche kurz nach der Veröffentlichung eines "Spiegel"-Berichts über Beschwerden der EU-Wettbewerbskommissarin Margarete Vestager über die mit Staatshilfen ausgestattete Lufthansa bei der Bundesregierung. Demnach hätte Lufthansa zum einen am 12. Februar Zinsen in Höhe von rund 25 Millionen Euro an die Gläubiger einer langfristigen Hybridanleihe ausgezahlt, ohne Brüssel zuvor darüber zu informieren. Nach Ansicht von Vestager verstieß die Airline damit gegen die Beihilfeauflagen für die Staatskredite, da die Zahlung auch hätte gestundet werden können.

Zum anderen ist Vestager die angekündigte Streichung der Zubringerflüge für Condor ein Dorn im Auge. Sie sieht wie Condor ein unrechtes Ausnutzen von Marktmacht der größten deutschen Airline, um einen unliebsamen Konkurrenten für den angekündigten Ausbau der touristischen Langstrecke loszuwerden. Die Kommissarin soll Bundeswirtschaftsminister Altmaier offen mit einem Vertragsverletzung zu den Lufthansa-Staatshilfen gedroht haben, was zum Verlust dieser führen könnte.

Verfahren beim Bundeskartellamt läuft noch

Condor hatte die Kündigung der Zubringerflüge im Herbst rundheraus abgelehnt und Beschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt, dass daraufhin ein offizielles Verfahren einleitete. Auch beim EU-Gericht reichte der Ferienflieger eine Klage ein, um die Auflagen für die Lufthansa-Staatshilfen gerichtlich überprüfen zu lassen und den Konzern so zu zwingen, die Zubringervereinbarung fortbestehen zu lassen. Zu der neuen Haltung der Lufthansa wollte sich Condor auf Anfrage nicht äußern.

Man sei weiterhin der Ansicht, dass die Kündigung rechtens war, so der Lufthansa-Sprecher. Der Konzern startet in diesem Sommer ab Frankfurt ein neues Angebot auf der touristischen Langstrecke namens "Eurowings Discover", das teils in direkter Konkurrenz zu Condor fliegen wird.

Dass Lufthansa nun die vorläufige Fortführung der Kooperation quasi als Akt des Mitleids darstellt, passt nicht wirklich zu vorherigen Aussagen des Lufthansa-Managements. Dieses stellte das Ende der Kooperation als völlig normalen Vorgang am Markt dar, völlig unberührt von den Auswirkungen der Corona-Krise. Die scharfe Reaktion Condors zeuge von Nervosität, so Vorstandsmitglied Michael Niggemann im Januar. Der Chief Financial Officer empfahl der deutlich kleineren Airline: "Condor kann alternativ eigene Zubringerflüge organisieren oder zu dem für sie zentralen Flughafen Frankfurt die Bahn als Zubringer nutzen." Condor sollte sich schlicht dem Wettbewerb stellen und damit den Beweis für die eigene Zukunftsfähigkeit antreten.

Von: dk

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