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Anzeigetafel mit annullierten Flügen hinter einem Lufthansa-Schild © dpa / Boris Roessler

Die Piloten der Lufthansa haben am Freitagnachmittag mit ihrem Streik am Frankfurter Flughafen begonnen. Bis 23.00 Uhr will die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Kurz- und Mittelstreckenflüge bestreiken, die vom größten deutschen Flughafen in Frankfurt abfliegen. Zum Start ins Wochenende mussten damit Tausende Lufthansa-Passagiere Reisen umplanen oder absagen. Die Lufthansa schätzt die Kosten durch den Arbeitskampf auf «einige Millionen Euro».

Eine Einigung in dem Tarifkonflikt um die Übergangsversorgung der Lufthansa-Piloten scheint ferner denn je. «Es herrscht Funkstille», sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg am Freitag und drohte: «Wir werden den Druck so lange erhöhen, bis wir eine Einigung haben.»

Erste Flüge aus dem europäischen Ausland nach Frankfurt hatte die Airline bereits ab 13.30 Uhr abgesagt, um den Flugbetrieb später so schnell wie möglich wieder normalisieren zu können. Ab 16.00 Uhr musste der Großteil der innerdeutschen und europäischen Abflüge aus Frankfurt annulliert werden.

Insgesamt sollen mehr als 200 Flüge ausfallen, rund 25.000 Passagiere dürften laut Lufthansa betroffen sein. Langstreckenverbindungen blieben aller Voraussicht nach von dem Streik unberührt, hatte das Unternehmen vorab betont.

Lufthansa kritisierte die Arbeitsniederlegung zum Ferienende scharf. «Für unsere Kunden ist der erneute Streik der Vereinigung Cockpit eine Zumutung. Insbesondere ist die Wahl des Zeitpunkts nicht hinnehmbar, da das letzte Wochenende der Ferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Hauptreisezeit für Familien ist», sagte Kay Kratky, Mitglied des Lufthansa-Passagevorstands. Auch Berufspendler und Geschäftsreisende würden an einem Freitagnachmittag in besonderer Weise betroffen. «Der heutige Freitag ist der Tag im Jahr, an dem die meisten alleinreisenden Kinder unterwegs sind», betonte eine Sprecherin.

Hintergrund des Streiks ist der seit längerem schwelende Tarifkonflikt. Dabei geht es um die Übergangsversorgung, die Lufthansa-Piloten in ihrem Vorruhestand erhalten. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Beide Seiten hatten sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Verhandlungen verantwortlich gemacht.

Ein Sonderflugplan soll die Streikfolgen abfedern. Schon am Vormittag hatte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels im ZDF-«Morgenmagazin» Fluggäste gebeten, sich im Internet zu informieren: «Die Kunden können kostenlos umbuchen, sie können stornieren. Wir bieten ihnen an, mit der Bahn zu fahren bei innerdeutschen Verbindungen, und natürlich buchen wir sie auch auf andere Airlines um, wenn das möglich ist.» Nach Unternehmensangaben hatten zum Nachmittag 14.000 der 25.000 betroffenen gebuchten LH-Fluggäste ihre Reise umgebucht.

Die Deutsche Bahn, die am Samstagmorgen ihrerseits erneut bestreikt wird, wollte wegen des Piloten-Streiks bei Bedarf zusätzliche Züge auf stark gefragten Strecken fahren lassen. Die Bahn empfahl Reservierungen. Fluglinien-Streiks lösen regelmäßig auch mehr Buchungen bei den Fernbus-Anbietern aus. Die nötigen Kapazitäten seien vorhanden, versicherte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer.

Die Gewerkschaft erklärte, jederzeit einigungsbereit zu sein, um Streiks abzuwenden. Allerdings zeige das Unternehmen keinerlei Interesse an einer Lösung, sondern versuche, sich aus der sozialen Verantwortung zu ziehen, sagte Handwerg: «Die Lufthansa will ein Tarifdiktat. So ist es unmöglich, einen Kompromiss zu finden.»

Aus der Lufthansa-Konzernzentrale hieß es hingegen: «Unser Bestreben sind weitere Verhandlungen.» Am Zug sei jedoch die Gewerkschaft, weil Cockpit die Verhandlungen abgebrochen habe: «Streiks haben noch keinen Tarifkonflikt gelöst.»

Erst am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft die Lufthansa-Tochter Germanwings sechs Stunden lang bestreikt. Dadurch waren 116 von 164 Germanwings-Flügen ausgefallen. Davon waren rund 15.000 Passagiere betroffen.

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