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Großaktionär Thiele will Lufthansa-Rettung zustimmen

Der einflussreichste Lufthansa-Aktionär Heinz Hermann Thiele will dem ausgehandelten Rettungspaket zustimmen. Doch selbst wenn die Aktionäre das Paket für die Lufthansa doch ablehnen, muss das nicht zwangsläufig dessen Ende bedeuten. Eine Einigung mit den Gewerkschaften steht derweil weiter aus.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa

Der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele will einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge dem Rettungspaket für die angeschlagene Airline zustimmen. Damit würde dem Einstieg des Staates bei der Fluggesellschaft nichts im Wege stehen. "Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen", sagte Thiele der Zeitung.

Thiele könnte als größter Aktionär mit einem Anteil von 15,5 Prozent den Staatseinstieg verhindern. Grund ist die bereits feststehende geringe Beteiligung von weniger als 38 Prozent der Stimmrechte, die Thiele an diesem Schicksalstag der Lufthansa eine Sperrminorität verschafft.

Er stimme gegen die Insolvenz, sagte Thiele der Zeitung, die ihn mit den Worten zitiert: "Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann."

Plan B soll bei Lufthansa bereit liegen

Lufthansa und Bundesregierung sollen einen Alternativplan in der Schublade haben für den Fall, dass das staatliche Rettungspaket bei der morgigen Hauptversammlung bei den Aktionären durchfällt. Damit könnte die Bundesregierung auch ohne Zustimmung der übrigen Anteilseigner zu der vorgesehenen Aktienbeteiligung von 20 Prozent kommen, erfuhr die Deutsche Presseagantur aus Unternehmenskreisen.

Der Lufthansa würde dadurch ähnlich viel Geld zufließen wie im bisherigen Plan vorgesehen. Ein Lufthansa-Sprecher lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Hintergrund ist, dass Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele das vorgesehene Hilfspaket im Umfang von neun Milliarden Euro kritisiert hat. Thiele kann den Beschluss mit seinem Anteil von 15,5 Prozent wegen der erwarteten geringen Präsenz auf der außerordentlichen Online-Hauptversammlung verhindern.

© dpa, Privat/dpa Lesen Sie auch: Alle Blicke auf Thiele - Lufthansa-Rettung vor Entscheidung

Sollte es dazu kommen, könnte die Lufthansa dem Bund allerdings immer noch einen Anteil von etwa zehn Prozent aus bereits genehmigtem Kapital zu dem im Hilfspaket vorgesehenen Bezugspreis von 2,56 Euro je Aktie verschaffen. Weitere zehn Prozent würde der Staat demnach im Zuge von einer oder zwei regulären Kapitalerhöhungen erwerben, an der sich auch die anderen Aktionäre beteiligen könnten. Dann müsste die Regierung für die Anteile zwar wegen des absehbar höheren Bezugspreises mehr bezahlen als bisher vorgesehen. Im Gegenzug könnte die im Hilfspaket zusätzlich vorgesehene stille Beteiligung des Staats aber entsprechend geringer ausfallen.

Offen blieb, ob sich der Bund auf diese Alternative einlassen würde, zumal er in diesem Fall möglicherweise auf einen Teil der erwarteten Rendite aus der Rettung von vornherein verzichten würde.

Einigung mit Arbeitnehmern zieht sich weiter

Unmittelbar vor der wichtigen Hauptversammlung steht eine Einigung zu möglichen Sparbeiträgen des Personals derweil weiterhin aus. Bis Mittwochnachmittag gab es keine gemeinsam unterschriebene Erklärung des Unternehmens sowie der beteiligten Gewerkschaften Ufo für die Flugbegleiter und Vereinigung Cockpit für die Piloten, erklärten Sprecher in Frankfurt. Für das Bodenpersonal will Verdi ohnehin erst Ende der Woche weiter verhandeln.

Die Kabinengewerkschaft Ufo hatte zuletzt von einem guten Verhandlungsstand berichtet, der noch schriftlich fixiert werden müsse. Ziel der Gewerkschaft ist ein Beschäftigungsschutz über vier Jahre. Um Personalkosten abzubauen, wurde über Abfindungen, Vorruhestand und kollektive Einsparungen bei den Flugbegleitern gesprochen. Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies bezifferte den angebotenen Sparbeitrag der Flugbegleiter auf rund 700 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach eigenen Angaben zunächst 350 Millionen Euro Sparbeitrag angeboten. Inzwischen gehe es um ein Krisenpaket in einer Gesamthöhe von 850 Millionen Euro bis Juni 2022, erklärte sie am Dienstag. Bisher sei aber kein akzeptabler Schutz der Arbeitsplätze zugesichert worden. VC-Präsident Markus Wahl appellierte noch einmal an die Aktionäre, dem Rettungspaket zuzustimmen. Er sagte: "Die Ablehnung des Rettungspakets würde die Marktstellung der Lufthansa dauerhaft schädigen und ein Überleben des Unternehmens gefährden."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Weiterhin keine Einigung mit Gewerkschaften zum Personalabbau bei Lufthansa

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22. 000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle sowie der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen.

Von: dk, dpa

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