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Ein Pilot der Lufthansa protestiert am 2. März 2014 vor dem Flughafen von Frankfurt. © dpa / Boris Roessler

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat ein Problem. Es muss den meisten Arbeitnehmern wie ein Märchen vorkommen, dass gesunde Piloten mit einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro weitgehend selbst entscheiden können, wann sie in den von Lufthansa lukrativ gepolsterten Vorruhestand gehen. Das Einkommen sinkt im Vorruhestand zwar schon wegen des Wegfalls der Zulagen auf etwa die Hälfte, doch auch die beträgt noch rund das Dreifache des Durchschnittsverdienstes eines deutschen Vollzeitbeschäftigten.

«Man kann einen Piloten nicht ins Cockpit zwingen, der sich nicht fit fühlt», sagt der VC-Präsident Ilja Schulz. Die Belastungen im Alter seien hoch, Mitarbeiter müssten vorzeitig ausscheiden können und trotzdem eine gesicherte Altersversorgung haben. Für dieses Ziel sind die VC-Piloten bereit, der Lufthansa seit diesem Mittwoch den bislang heftigsten Streik ihrer Geschichte zuzufügen. Das Unternehmen sieht allerdings kein Sicherheitsproblem, wenn künftig ältere Piloten in den Cockpits sitzen.

Piloten stellen mit Streik die Machtfrage

Mit dem Streik stellt sich die Gewerkschaft klar gegen den Kurs des scheidenden Lufthansa-Chefs Christoph Franz, der mit seinem Sparprogramm «Score» den operativen Gewinn des Konzerns im Jahr 2015 auf 2,65 Milliarden Euro schrauben will - locker das 3,5-Fache des aktuellen Wertes. Besonders erbost die Piloten die Dividende von 45 Cent, die Aktionäre für das magere Geschäftsjahr 2013 erhalten sollen. VC-Chef Schulz stellt mit dem Streik die Machtfrage: «Unsere Übergangsversorgung steht nicht zur Verfügung, um die Renditeansprüche von Aktionären zu bezahlen.»

Gleichwohl gehört die Deutsche Lufthansa AG mit ihrem stolzen 30 Milliarden-Euro-Umsatz zu den renditeschwächsten Konzernen im Dax. Das liegt an der scharfen Konkurrenz am Himmel: Clevere Billigflieger wie Eaysjet und Ryanair oder staatlich gestützte Angreifer-Airlines wie Turkish oder Emirates drücken auf die Margen.

Analyst: Europäische Airlines benötigen politischen Schutz

«Die Welt hat sich für Lufthansa massiv verändert», sagt Commerzbank-Analyst Frank Skodzik. Trotz des «unfairen Wettbewerbs» müsse das Unternehmen auch selbst dafür sorgen, dass seine Kostennachteile nicht zu groß werden. Die europäischen Airlines benötigten zudem politischen Schutz, dass den Angreifern nicht zu viele Landerechte an deutschen Flughäfen eingeräumt werden.

Der Griff nach den Pensionen der Mitarbeiter scheint da logisch, denn das Personal ist nach dem Kerosin der wichtigste Kostenblock der größten Airline Europas. Lufthansa beziffert ihre zuletzt stark gestiegenen Pensionsverpflichtungen zum Jahresende 2012 im Inland auf gut 11 Milliarden Euro. Etwa 40 Prozent sind davon für die Piloten reserviert, die aber nur 10 Prozent der Belegschaft ausmachen.

Lufthansa will den Systemwechsel

Das Unternehmen will keineswegs nur den Piloten zu Leibe rücken: Allen Lufthanseaten hat es ab 2014 die Betriebsrenten aufgekündigt und will dazu auch mit den anderen Gewerkschaften Neuregelungen verhandeln. Noch aus goldenen Hochzinszeiten stammten die Zusagen fester Betriebsrenten, die den Konzern nun immer teurer zu stehen kommen. Lufthansa will hier den Systemwechsel auf feste Zuschüsse anstelle verbindlicher Pensionszusagen. Das Zinsrisiko tragen dann die Beschäftigten. Auch die Übergangsversorgung für die weit schlechter als die Piloten gestellten Flugbegleiter ist gekündigt.

Die Piloten sehen sich aus diesem Grund als Bollwerk gegen weitere Zumutungen. Ihre Forderungen zu Gehalt und Renten sind auch nicht illegitim, denn die Piloten durften die großzügigen Regelungen zum Berufsende durchaus als Bestandteil ihrer Vergütung verstehen. Und die Tarifverträge über die im internationalen Vergleich hohen Gehälter tragen auch die Unterschriften früherer Lufthansa-Manager, sind also nach deutschem Tarifrecht ausgehandelt.

Lufthansa trägt diesen Umständen Rechnung und belastet mit ihren Vorschlägen vor allem künftige Piloten-Generationen. Die sollen zwar auch noch ein bisschen früher gehen dürfen, aber bereits während ihres Berufslebens selber das Kapital dafür mit ansparen. Doch auch diese «Generationenspaltung» will VC nicht mitmachen. Die Gespräche, die jedem Streik folgen müssen, werden noch schwierig genug.

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