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Lufthansa-Piloten wollen nur vorübergehenden Krisenbeitrag leisten

Die Gespräche zwischen Lufthansa und dem Cockpitpersonal kommen nicht voran. Während ein Großaktionär mit Massenentlassungen droht, bezeichnet die Vereinigung Cockpit das Aushöhlen von Tarifbedingungen unter dem Corona-Deckmantel als inakzeptabel.

Lufthanse-Crew mit Maske. © Lufthansa

Bei Lufthansa stehen die beabsichtigten Corona-Tarifeinigungen mit den verschiedenen Berufsgruppen zur langfristigen Senkung der Personalkosten weiter aus.

Während das Unternehmen weitere Gespräche mit Arbeitnehmervertretern von Piloten und Bodenpersonal sowie deren Gewerkschaften ankündigte, forderte der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele Anfang der Woche, dass sich der Bund als Vermittler in die stockenden Gespräche einschalten müsse. Andernfalls könne Lufthansa bei einem Scheitern der Sanierungsverhandlungen gezwungen sein, bis zu 30.000 Mitarbeitern kurzfristig zu kündigen.

Dass die Gespräche mit den Piloten nicht vorankommen, liege an Lufthansa, antwortet nun die Vereinigung Cockpit (VC) auf Thieles Drohung. Abseits von verbalen Zusicherungen mache der Konzernvorstand derzeit nicht den Eindruck, an einem zügigen Abschluss interessiert zu sein, teilte die Gewerkschaft mit.

Im August hatten sich beide Seiten bereits auf einen übergangsweisen Minimal-Konsens bis Ende März 2021 geeinigt. Betriebsbedingte Kündigungen sind darin bis zum zweiten Quartal ausgeschlossen. Das Unternehmen reduzierte zudem seine Aufstockungen beim Kurzarbeitergeld und Zuschüsse zu den Betriebsrenten. Auch wurde eine bereits vereinbarte Tariferhöhung auf das kommende Jahr verschoben.

Als Knackpunkt für das vorläufige Scheitern der Verhandlungen galten im Sommer vor allem die Tarifbedingungen für Piloten bei der neuen Lufthansa-Langstreckenplattform "Ocean". Die VC will möglichst verhindern, dass bei "Ocean" niedriger tarifierte Piloten eingesetzt werden. Lufthansa sicherte zu, keine Externen anzuheuern und will dort Piloten der eingestellten Halbtochter Sunexpress Deutschland und der deutschen Betriebsstätte von Brussels Airlines einsetzen, die bislang Langstrecken für den Lufthansa-Billigableger Eurowings flogen.

Bis Jahresende wollten Lufthansa und VC nun einen langfristigen Krisenplan vorlegen. In einem umfassenden Krisenpaket könnten dann die Kosten des Personalüberhangs beispielsweise durch eine entsprechende Arbeitszeit- und Gehaltsabsenkung für den Zeitraum der Krise kompensiert werden, erläuterte damals Lufthansa. Aktuell gab es keinen Kommentar der Airline auf die Forderungen des Großaktionärs Thieles oder der Pilotengewerkschaft VC.

Die Bedingung der Piloten

Für übergangsweise Einsparungen, insbesondere in den Jahren 2021 und 2022, sei man durchaus offen, erklärte derweil die VC. Auch zur Unterstützung eines sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus durch Freiwilligenprogramme sei man bereit. Ein solches Ergebnis könnte auch, wie von Thiele gefordert, kurzfristig erzielt werden.

Man sei jedoch nicht bereit, eine dauerhafte Absenkung der Tarifbedingungen zu akzeptieren, so die VC. Diese sei nicht notwendig, denn auch diese Krise finde irgendwann ein Ende. "Lufthansa verfügt über wettbewerbsfähige Strukturen, mit denen sie in den vergangenen Jahren Rekordgewinne eingeflogen hat."

Auf Anfrage von airliners.de, ob diese Bedingung für Lufthansa akzeptabel sei, antwortete eine Sprecherin, dass man sich grundsätzlich nicht zu Inhalten laufender Tarifverhandlungen äußere.

"Wie am Tariftisch bereits thematisiert, stehen Kündigungen von Cockpit-Mitarbeitern ohne verlässliche Prognose im Widerspruch zu einem sozialpartnerschaftlichen Krisenumgang." so Marcel Gröls, Vorsitzender der VC-Tarifpolitik. "Wir alle fahren zurzeit auf Sicht, weshalb wir von Lufthansa erwarten, dass sie den Verhandlungsprozess mit Augenmaß begleitet und nicht auf Kosten der Mitarbeiter versucht, aus der Krise Profit zu schlagen.

Von: dk

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