Lufthansa sieht innerdeutsche Lücke bald geschlossen

Die Diskussion um Ticketpreise für innerdeutsche Flüge kommt nicht zur Ruhe: Lufthansa argumentiert gegen die Darstellung des Bundeskartellamts - ebenfalls mit Daten einer Behörde.

Flugzeuge am Airport Berlin-Tegel: Ab hier fliegen Easyjet und Eurowings auf zahlreichen deutschen Routen. © AirTeamImages.com / Felix Gottwald

Lufthansa ist davon überzeugt, dass wenige Monate nach dem Marktaustritt der Air Berlin die Kapazitätslücke im innerdeutschen Luftverkehr "mehr als geschlossen ist". "Im Oktober 2018 wird es gegenüber dem Vorjahr - und damit dem letzten Betriebsmonat der Air Berlin - mehr Sitzplatzkapazitäten geben", heißt es im neuesten "Politikbrief" des Konzerns.

Maßgeblichen Anteil daran habe die Billigtochter Eurowings. Aber auch der Kapazitätsaufstockung von Easyjet falle ein großer Teil zu. Von der insolventen Air Berlin hatte der britische Billigflieger einen Großteil des Tegel-Engagements übernommen und fliegt seit Anfang Januar auch mehrere innerdeutsche Strecken vom Berliner Cityairport aus an.

Lufthansa führt Daten des Statistischen Bundesamts an

Aus einer Lufthansa-Grafik geht hervor, dass die Preise auch nach der Air-Berlin-Insolvenz nur geringfügig gestiegen sind. Als Quelle gibt Lufthansa hier das Statistische Bundesamt an:

Foto: Lufthansa Group

So zeigten die Daten, dass innerdeutsche Flüge im ganzen Untersuchungszeitraum noch nie so günstig waren wie im April dieses Jahres. Auch der November des vergangenen Jahres wird im Statistikportal des Statistischen Bundesamts, Destatis.de, lediglich mit einem Plus von 3,3 Prozent angegeben.

"Das entspricht nicht den Fakten, die uns vorliegen"

Das Bundeskartellamt hatte nach dem Marktaustritt der Air Berlin die Preise für innerdeutsche Flüge unter die Lupe genommen und kam damals zu dem Schluss, dass diese Ende 2017 um bis zu 30 Prozent gestiegen seien. Dieser Zustand habe sich nach dem Eintritt von Easyjet auf vier innerdeutschen Strecken ab Januar aber wieder normalisiert, sodass die Behörde von einem Marktmissbrauchsverfahren gegen den Lufthansa-Konzern absieht.

© dpa, Lesen Sie auch: So entschied das Kartellamt im Lufthansa-Fall

Damit widerspricht Lufthansa ganz klar der Darstellung des Bundeskartellamts. "Dass die Preise im Durchschnitt um 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein sollen, damit kann ich nicht einverstanden sein. Das entspricht nicht den Fakten, die uns vorliegen", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der Nachrichtenagentur "Reuters".

Lufthansa-Vorstand will mit der Behörde reden

Kartellamtschef Andreas Mundt kündigte an, die Preise der Airlines Lufthansa und Eurowings weiter intensiv zu beobachten und falls notwendig erneut ein Verfahren zu prüfen. Diese Warnung sei unverständlich, kritisierte Hohmeister. "Wir müssen das mit dem Bundeskartellamt klären", so "Reuters".

Wenn das Bundeskartellamt zu völlig anderen Ergebnissen kommt, muss uns das Sorgen machen.

Harry Hohmeister, Lufthansa-Vorstand

Ein Preisanstieg sei auch gar nicht möglich gewesen. Denn: Laut Hohmeister habe der Lufthansa-Konzern nach dem Air-Berlin-Marktaustritt die Kapazitäten auf innerdeutschen Flügen kräftig aufgestockt. Zeitweise flog beispielsweise Lufthansa auf der Strecke Frankfurt-Berlin einmal täglich mit einer Boeing 747.

© dpa, Wolfgang Kumm Lesen Sie auch: Wie Lufthansa die "Königin der Lüfte" in Tegel abfertigt

Das habe ebenso zusätzliche Kosten verursacht wie das kurzfristige Leasing von 26 weiteren Maschinen. "Das kriegt man nicht zu Schnäppchenpreisen", sagte Hohmeister. "Unter dem Strich haben wir nicht riesig viel Geld verloren, aber wir haben auch kein Geld gewonnen."

Von: cs

Lesen Sie jetzt
Themen
Lufthansa Fluggesellschaften Eurowings Lufthansa Group Air Berlin easyJet Netzwerkplanung Verkehr Recht Rahmenbedingungen