Lufthansa Group prüft angeblich Umwandlung zur Holding

Mit Ausnahme von Eurowings werden die Airlines der Lufthansa Group zentral gesteuert. Seit rund dreieinhalb Jahren übernehmen einzelne Teile zudem Aufgaben für den Gesamtkonzern. Das soll sich jetzt wohl wieder ändern.

Leitwerke der Lufthansa Group Airlines. © Lufthansa Group

Die Lufthansa erwägt einem Medienbericht zufolge eine neue Struktur, um effizienter zu werden. So prüfe der Konzern einen Umbau zur Holding, berichtet das "Handelsblatt" ohne nähere Quellenangabe.

"Ganz generell überprüft die Lufthansa Group in regelmäßigen Abständen die gegenwärtigen Konzernstrukturen, um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns sicherzustellen", kommentierte die Lufthansa laut "Handelsblatt" die Gerüchte.

Laut Bericht sind Teile des Vorstandes zusammen mit dem Aufsichtsrat der Lufthansa die treibenden Kräfte für die Pläne. Die International Airline Group IAG diene dabei als Beispiel für eine solche Verschlankung. Es gehe um eine Verschlankung und dass sich die einzelnen Marken unter dem Dach einer Holding freier bewegen und so höhere Gewinne erzielen könnten.

Holdings sind in der Regel nicht operativ tätig

Eine Holding in der Wirtschaft ist ein Unternehmen, dessen ausschließlicher Betriebszweck darin besteht, Kapitalbeteiligungen an anderen Unternehmen zu halten, es gibt aber auch Mischformen, bei denen die Dachgesellschaft in einigen Felder auch noch operativ tätig ist.

Die IAG übt als Holding nach eigenen Angaben vertikalen und horizontalen Einfluss auf ihr Unternehmensportfolio aus. Das Portfolio basiert demnach auf einer gemeinsamen integrierten Plattform, die "Effizienz und Einfachheit fördert" und es jedem operativen Unternehmen ermöglicht, seine "individuellen Leistungsziele zu erreichen".

Ansonsten operieren die IAG-Fluggesellschaften British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling und Level eigenständig. Dabei wird die Dachgesellschaft von einem "Management Committee" unterstützt, das sich aus den Chefs aller operativen Gesellschaften und der Geschäftsleitung der IAG zusammensetzt.

Die Lufthansa Group ist dagegen als weltweit operierender Luftverkehrskonzern mit insgesamt rund 550 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften aufgestellt. Das Portfolio ist dabei in drei wesentliche Ressorts unterteilt. Network Airlines, Point-to-Point Airlines und die Aviation Service-Gesellschaften. Die Ressorts Finanzen, Personal und Operations werden jeweils zentral gesteuert.

Nur Eurowings operiert bislang eigenständig

Einzige Ausnahme in der Lufthansa Group ist aktuell Eurowings. Mit Thorsten Dirks hat der Billigflieger als einzige Airline im Konzern einen eigenen Vorstand. Die neue Struktur war 2015 beschlossen und 2016 eingeführt worden. Im Gegenzug fiel damals das Kernressort Lufthansa Passage weg. Alle Drehkreuze sowie die Premium-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian werden seitdem zusammen geführt.

Ziel war damals, das Flugangebot von Lufthansa, Swiss und Austrian aus Kostengründen stärker zentral zu koordinieren und die Aufgaben unter den Beteiligungen zu verteilen. Austrian leitet seitdem das Produktmanagement. Im Gegenzug ist das Umsatzmanagement für alle Netzwerk-Airlines bei Swiss angesiedelt. Am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt wird derweil der weltweite Vertrieb gesteuert, das Marketing ist in München angesiedelt.

Lufthansa nach Gewinnwarnung in Zugzwang

Nach Angaben des "Handelsblatt" wird nun aber der niedrige Börsenwert zu einem ernsten Problem für Lufthansa. Das Unternehmen sei an der Börse nur noch gut sieben Milliarden Euro wert. Allerdings hätten allein die Flugzeuge und das Ersatzteillager einen Bilanzwert von 19 Milliarden Euro.

Am Dienstag legt der Konzern seine Quartalszahlen vor. Nach einem schlechten ersten Quartal und einer Gewinnwarnung ist der Konzern nun im Zugzwang. Sollten sich die Überlegungen für eine Holding-Struktur bestätigen, würde das zu erneuten Umstrukturierungen führen.

Gerade eben erst hatte Lufthansa auf einer Analystenkonferenz mitgeteilt, das Langstreckengeschäft der eigentlich eigenständigen Eurowings doch lieber vom Netzwerkmanagement der Gruppe vertreiben zu lassen. Das passt nicht zum aktuellen Holding-Ansatz der Eurowings.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Eurowings gibt Langstrecken-Verantwortung ab und fliegt nur noch A320

Von: dh mit dpa

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