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Lufthansa Group im dritten Quartal noch tiefer im Minus

Die Lufthansa Group schließt das dritte Quartal mit einem Minus von rund zwei Milliarden Euro ab. Nun will der Konzern den Mittelabfluss begrenzen und hat die Ausgaben stark heruntergefahren. Noch sind rund zehn Milliarden Euro liquide Mittel da.

Außerordentliche Hauptversammlung am 25.06.2020 - Lufthansa-CEO Carsten Spohr © Lufthansa / Oliver Roesler

Die Lufthansa Group fliegt mit dem Ballast eines weiteren Milliardenverlusts in den harten Corona-Winter. Abschreibungen auf nicht mehr benötigte Jets und Kerosin-Kontrakte haben den Verlust für das dritte Quartal auf knapp zwei Milliarden Euro wachsen lassen, wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt berichtete.

Während der Konzern im operativen Geschäft - wie bereits bekannt - einen Verlust (bereinigtes Ebit) von knapp 1,3 Milliarden Euro verzeichnete, zogen Abschreibungen auf stillgelegte Passagierjets und Finanzgeschäfte zur Absicherung der Treibstoffpreise das Nettoergebnis zusätzlich nach unten.

Nach neun Monaten steht nun unter dem Strich bereits ein Minus von 5,6 Milliarden Euro bei einem Umsatz von elf Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Umsatz nach drei Quartalen noch 27,5 Milliarden Euro betragen, was für ein positives Konzernergebnis von gut einer Milliarde Euro gereicht hatte.

Im laufenden Schlussquartal bleibt der Lufthansa-Flugbetrieb wegen der Corona-Pandemie weiter bei höchstens einem Viertel der Kapazität eingeschränkt, kündigte das Unternehmen an. Lufthansa erwartet aber Vorteile durch ihr vor allem in Frankfurt etabliertes Drehkreuzsystem, da sich in Europa viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen nicht mehr rechneten.

Zudem will die Gesellschaft wegen der hohen Fracht-Nachfrage wieder mehr umgebaute Passagierjets einsetzen und von der Verteilung von Anti-Corona-Impfstoffen profitieren. Im temperaturgesteuerten Medikamenten-Transport seien Lufthansa Cargo und die Konzerntochter Swiss weltweit führend, sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der Zwischenbilanz in Frankfurt.

Noch sind zehn Milliarden da

"Wir stehen am Beginn eines Winters, der für unsere Branche hart und herausfordernd sein wird", sagte Spohr bei der Vorlage der Zwischenbilanz. Die Lufthansa-Führung versucht den anhaltenden Geldabfluss in der Corona-Krise einzudämmen und hat die Ausgaben stark heruntergefahren.

Der operative Abfluss von Barmitteln beschleunigt sich dennoch derzeit wieder und soll nun auf maximal 350 Millionen Euro pro Monat begrenzt werden. Zwischenzeitlich waren es im Sommer wegen der Urlaubswelle nur 200 Millionen Euro im Monat - nach 500 Millionen Euro zu Beginn der Krise.

Doch der Flugverkehr in Europa und großen Teilen der Welt liegt wegen der Corona-Pandemie immer noch weitgehend am Boden. Und die Lufthansa verliert jeden Tag mehrere Millionen Euro. Eine Umkehr ins Positive traut sich das Management weiterhin erst im kommenden Jahr zu. Dem Spohr zufolge muss sich die Pandemie dazu aber so entwickeln, dass der Konzern sein Flugangebot wieder auf rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus hochfahren kann. Dann will der Konzern auch mit der Rückzahlung der Staatskredite beginnen.

Lufthansa stehen als Gruppe derzeit noch liquide Mittel in Höhe von 10,1 Milliarden Euro zur Verfügung. 6,3 Milliarden Euro daraus stammen noch aus der gemeinsamen Staatshilfe von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien. Die Regierungen haben den Lufthansa-Konzern und seine Auslandstöchter Austrian Airlines, Brussels Airlines und Swiss im Sommer mit insgesamt neun Milliarden Euro vor dem Aus bewahrt. Der Lufthansa-Konzern hat sein Flugangebot bereits kräftig zusammengestrichen - auf höchstens ein Viertel des Vorjahreswerts. Um die Ausgaben weiter zu senken, werden ein Großteil der Frankfurter Konzernzentrale und andere Verwaltungseinheiten zum Winter geschlossen. "Die Menschen haben weltweit eine große Sehnsucht, bald wieder zu reisen", sagte Spohr. "Es muss jetzt darum gehen, Gesundheitsschutz und Reisefreiheit miteinander zu vereinbaren, zum Beispiel durch flächendeckende Schnelltests."

Ob das so kommt, ist offen. Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, erwartet, dass das Passagieraufkommen in Frankfurt - dem wichtigsten Standort der Lufthansa - im kommenden Jahr lediglich 35 bis 45 Prozent des Jahres 2019 erreicht. Allerdings geht er davon aus, dass sich das Geschäft an Flughäfen mit weniger Langstreckenverbindungen schneller von der Krise erholt.

Branchenexperte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein beäugt den Mittelabfluss kritisch. Um den Mittelabfluss auch nur zu stoppen, müsste die Lufthansa ihre Flugzeuge wenigstens halb so hoch auslasten wie im vergangenen Jahr, schrieb er am Morgen. Dies sei vor dem zweiten Halbjahr 2021 aber nicht zu erreichen. Bis dahin müsse der Konzern von seiner vorhandenen Liquidität zehren.

Zähe Verhandlungen um Jobabbau

Trotz stockender Verhandlungen mit den deutschen Gewerkschaften ist Lufthansa beim Stellenabbau weiter vorangekommen. Ende September beschäftigte der Konzern noch gut 124.500 Mitarbeiter, fast 14.000 weniger als ein Jahr zuvor und spart so rund 900 Millionen Euro Personalkosten im Jahr. Am stärksten war der Abbau mit 10.500 Beschäftigten bei der zum Verkauf stehenden Catering-Tochter LSG Sky Chefs.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa-Piloten wollen nur vorübergehenden Krisenbeitrag leisten

Spohr bekräftigte das Ziel, rund 100.000 Jobs im Konzern zu erhalten. Aktuell beschäftigt Lufthansa gut 124.000 Menschen. Während bei der belgischen Tochter Brussels Airlines der Abbau jedes fünften Arbeitsplatzes vereinbart wurde, ziehen sich die Verhandlungen mit den Gewerkschaften in Deutschland hin. Spohr will die Kosten für die Streichungen aber noch in diesem Jahr verbuchen.

Eingeleitet wurden bei der Lufthansa-Kerngesellschaft die Sozialplanverhandlungen zur Entlassung von 2800 Bodenmitarbeitern und 1100 Piloten. Spohr erwartet dies frühestens zur Mitte des kommenden Jahres. Er hoffe aber zuvor auf Vereinbarungen mit den Gewerkschaften.

Von: br, afp, dpa

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