Lufthansa legt sich auf Staatshilfen fest, um zu überleben

Lufthansa weist für das erste Quartal einen hohen Verlust aus. Der Konzern rechnet nicht mehr damit, sich am Kapitalmarkt selbst ausreichend versorgen zu können. Bis zu zehn Milliarden Euro Staatshilfen sollen nun den Fortbestand sichern.

Ein Airbus A319 der Lufthansa steht Anfang April 2020 am Flughafen Frankfurt im Corona-Storage. © AirTeamImages.com / Paul Buchroeder

Die Lufthansa kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Diese Einschätzung veröffentlichte der Dax-Konzern, nachdem er für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet hatte. Für das laufende zweite Quartal werde ein noch deutlich höheres Minus erwartet, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Es sei momentan nicht absehbar, wann der Flugbetrieb wieder ausgeweitet werden könne.

Aktuell verfüge Lufthansa nach erneuten Kreditaufnahmen insgesamt über 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel, die allerdings in den "nächsten Wochen" deutlich zurückgehen werden, hieß es weiter. "Der Konzern rechnet nicht damit, den entstehenden Kapitalbedarf mit weiteren Mittelaufnahmen am Markt decken zu können."

Hilfspaket bis zu zehn Milliarden Euro

Lufthansa steckt den Angaben zufolge daher "in intensiven Verhandlungen" mit den Regierungen der Airline-Heimatländer Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien. Es geht um verschiedene Finanzierungsinstrumente, um kurzfristig die Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Neben Bürgschaften, Krediten und stillen Beteiligungen wird auch über direkte Staatsbeteiligungen diskutiert. Die Gespräche dauerten an. Der Lufthansa-Vorstand zeigte sich zuversichtlich, zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.

Aus dem Ausland sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters bis zu 1,5 Milliarden Euro kommen. Der deutsche Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF soll drei bis vier Milliarden zusteuern und die KfW-Förderbank über staatlich abgesicherte Kredite weitere fünf Milliarden zusteuern, heißt es. Insgesamt soll so ein neun bis zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Lufthansa-Gruppe entstehen.

Europas größter Luftverkehrskonzern hat allein im März knapp 1,4 Milliarden Euro Umsatz verloren, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Im gesamten Quartal lagen die Erlöse mit 6,4 Milliarden Euro damit in ähnlicher Größenordnung unter dem Vorjahreswert von 7,8 Milliarden Euro. Den operativen Verlust (bereinigtes Ebit) bezifferte das Unternehmen auf 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Verlust in dem traditionell schwachen Quartal zu Jahresbeginn noch 336 Millionen Euro betragen. Zusätzlich werden nun ungünstige Treibstoffverträge und Wertminderungen der Flugzeuge auf den Gewinn drücken. Details dazu will Lufthansa Mitte Mai veröffentlichen.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Österreich erwägt Direkt-Einstieg bei Lufthansa Group

Ryanair-Chef Michael O'Leary warf der Lufthansa vor, die Corona-Krise zu missbrauchen. "Ich denke, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France die Covid-Krise nutzen, um sich mit unglaublich hohen Summen vom Staat zu bereichern", sagte der stets meinungsstarke Airline-Manager dem "Handelsblatt". Für sein eigenes Unternehmen schloss O'Leary Staatshilfen aus, weil man über ausreichende Bargeldreserven verfüge.

© dpa-Bildfunk, Jasper Jacobs Lesen Sie auch: O'Leary wirft Lufthansa vor, sich an Staatshilfen bereichern zu wollen

Von: dk, dh, dpa

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