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Lufthansa Group muss Krisenmaßnahmen erneut verschärfen

Die Lufthansa Gruppe muss ihre Kapazität erneut zurückfahren und mehr sparen - in allen Bereichen. Ganze Teilflotten werden über den Winter stillgelegt. Gleichzeitig soll es Überlegungen zum kurzfristigen Kauf gebrauchter 787 geben.

Flugzeuge der Lufthansa stehen während Corona eingemottet am spanischen Flughafen von Teruel. © AirTeamsImages.com / Carlos Enamorado

Lufthansa muss angesichts der global verschärften Reiserestriktionen den Mittelabfluss mit drastischen Maßnahmen unterbinden. Dazu hat der Vorstand die Belegschaft am Sonntag in einem internen Schreiben über die geplanten Maßnahmen informiert, berichtet das "Handelsblatt".

"Wir müssen daher unsere bisherigen Anstrengungen, die Kosten weiter herunterzubringen, noch einmal verstärken", heißt es in dem Schreiben vom Sonntag. Betroffen sind alle Konzernbereiche. Zwar sei es gelungen, den Mittelabfluss von einer Million Euro pro Stunde zu Beginn der Pandemie auf "nur noch" eine Million alle zwei Stunden zu senken. An der Dramatik habe sich aber nichts geändert.

Die Kapazität der Lufthansa-Airlines – Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Eurowings – wird Winterflugbetrieb erneut heruntergefahren und liegt nur noch bei maximal einem Viertel der Vorjahreskapazität. Die Zahl der Fluggäste werde voraussichtlich bei weniger als einem Fünftel des Vorjahreswertes liegen und damit noch einmal deutlich unter der angebotenen Kapazität.

Stillegung kompletter Teilflotten

"Unseren ursprünglichen Plan, zum Jahresende wieder auf 50 Prozent der angebotenen Kapazität zu kommen, können wir nicht mehr einhalten", heißt es dazu von der Chef-Etage. Im historischen Vergleich sei man in etwa auf dem Niveau Mitte der 1970er-Jahre." Dazu sollen gruppenweit 125 Flugzeuge erneut stillgelegt werden, die ursprünglich für den Einsatz im Winterflugplan vorgesehen gewesen waren.

Bei Tochter Swiss stehe der Einsatz der 28 Maschinen der A320-Ceo-Famile zur Disposition, berichtet das "Handelsblatt". Stattdessen sollen die Kurz- und Mittelstrecken mit A220-Maschinen (29) und A320-Neo-Jets (3) durchgeführt werden.

Auch Austrian Airlines wird wohl weitestgehend auf die A320-Jets verzichten. Stattdessen werden kleinere Dash-8 (12) und Embraer-Maschinen (17) eingesetzt. Zudem werden die zwei Boeing 777 der Österreicher stillgelegt.

Die Flotte von Billigtochter Eurowings wird im Winter "auf unter 30 Flugzeuge reduziert", teilte eine Sprecherin auf Anfrage von airliners.de mit. Dabei sei das "das Flugprogramm weiterhin merkbar über die Grundversorgung des Frühjahrs".

Mehr moderne Zweistrahler

Weiter heißt es, dass es für die Lufthansa-Passage Überlegungen gebe, ob man neben der A350 nicht gebrauchte Boeing 787 erwerben könnte. Diese moderneren Langstreckenmuster sind kleiner und effizienter als die Vierstrahler A380 und Boeing 747-8.

Gleichzeitig wird Lufthansa, wie airliners.de bereits berichtete vier weitere A350 von München nach Frankfurt verlegen. Damit wird in Deutschland der Langstreckenverkehr noch stärker auf Frankfurt konzentriert.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Ufo: Lufthansa verlegt weitere A350 nach Frankfurt

"Wenn man kaum eine Langstreckenmaschine nach Washington voll bekommt, kann man nicht einen Jet in Frankfurt und einen in München starten lassen“, beschreibt eine Führungskraft die Situation gegenüber dem "Handelsblatt".

Kurzarbeit wird hochgefahren

Neben den Flottenänderungen haben die neuen Sparmaßnahmen auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Beschäftigte in der Verwaltung werden ab Mitte Dezember bis Ende Februar wieder auf maximales Niveau der Kurzarbeit gefahren, heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter.

Gleichzeitig muss Lufthansa laut einem Bericht des "Manager Magazin" darum fürchten, dass wichtige Führungskräfte der zweiten und dritten Reihe die Airline verlassen könnten. Grund ist laut dem Wirtschaftsmagazin, dass Lufthansa durch die Staatshilfen der Konzern keine Boni mehr auszahlen dürfe, diese jedoch rund 40 Prozent des Gehalts der Führungskräfte ausmachen würden. Daher könnten viele Führungskräfte abgeworben werden. Erst jüngst wechselte IT-Chef Roland Schütz zum Vorstand des Pharmagroßhändler Phoenix.

Bürogebäude werden in Winterschlaf versetzt oder aufgegeben

Zudem werde die Konzernzentrale Lufthansa Aviation Center (LAC) in Frankfurt mit Ausnahme weniger notwendiger Arbeitsplätze geschlossen, so der Konzern. Tochter-Eurowings gibt ihre Büroflächen in Düsseldorf sogar komplett auf.

In den ersten neun Monaten hatte die Lufthansa einen operativen Verlust von fast 4,2 Milliarden Euro erlitten. "Dieser Fehlbetrag wird sich im vierten Quartal noch deutlich erhöhen", schrieb der Vorstand. Eine verlässliche Aussage über die Entwicklung der Branche sei schwieriger denn je. Dennoch sei der Vorstand "fest entschlossen, mindestens 100.000 der heute 130.000 Arbeitsplätze der Lufthansa Group zu erhalten".

Ende September verfügte der MDax-Konzern nach eigenen Angaben über flüssige Mittel von 10,1 Milliarden Euro. Darin seien 6,3 Milliarden aus den Hilfen enthalten, die Lufthansa-Gesellschaften von den Heimatstaaten Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien bekommen haben. Einschließlich Eigenkapitalmaßnahmen waren neun Milliarden Euro bereit gestellt worden.

Von: br mit Material von dpa

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