Lufthansa und Gewerkschaften veröffentlichen Brief an Bundesregierung

Lufthansa und zwei der wichtigsten Gewerkschaften veröffentlichen einen Appell an die Regierung, dass man zusammen für so viele Arbeitsplätze wie möglich kämpfe. Im Gegenzug für Staatshilfen soll der Bund zwei Sitze im Aufsichtsrat des Konzerns verlangt haben.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Lufthansa und Austrian © Lufthansa

Die Lufthansa und zwei ihrer Gewerkschaften haben an die Bundesregierung appelliert, die Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit des von der Corona-Krise schwer getroffenen Unternehmens zu erhalten.

In einem Brief an die Bundesminister für Finanzen und Wirtschaft legten sich die Unterzeichner auf das gemeinsame Ziel fest, möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten. Ihren am Donnerstag veröffentlichten Appell verbanden das Unternehmen sowie die Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit mit einem Dank an die Regierung für ihre grundsätzliche Bereitschaft, ein konkretes Finanzierungskonzept zu entwickeln. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Papier nicht unterschrieben.

"Es ist dringend notwendig, dass der Staat durch Unterstützung der Lufthansa die Infrastruktur des deutschen Luftverkehrs und damit auch die Arbeitsplätze der Beschäftigten schützt", erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. Staatliche Hilfe müsse aber an soziale Bedingungen geknüpft werden. Es gelte, "die dringend benötigten staatlichen Darlehen mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und -bedingungen zu verbinden", so Behle.

Details zu Verhandlungen

Hintergrund ist die politische Debatte um die Ausgestaltung staatlicher Hilfen für den schlingernden Luftverkehrskonzern. In den Verhandlungen mit der Regierung sträubt sich der Konzern gegen einen direkten Staatseinfluss.

© dpa, Lesen Sie auch: Lufthansa denkt über Insolvenz im Schutzschirmverfahren nach

Vertreter der Bundesregierung sollen im Gegenzug zu milliardenschweren Staatshilfen eine Sperrminorität, zwei Sitze im Aufsichtsrat und einen Zinssatz von neun Prozent verlangt haben. Die Lufthansa würde eine stille Beteiligung bevorzugen und prüft alternativ eine Insolvenz in Eigenverwaltung nach Vorbild der Condor.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: BUND will Luftverkehrswachstum nach Corona eindämmen

Verdi hatte sich zuvor bereits mit einer schriftlichen Abfrage an die Mitglieder der Haushalts-, Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrsausschüsse des Bundestages gewandt, um mit der Befragung die Haltung der Politik zu evaluieren. Demnach sprachen sich die Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen insbesondere für einen staatlichen Einfluss auf die Konzernausrichtung und Tariftreue als Bedingungen für Hilfskredite aus.

Die SPD Fraktionsspitze stellt laut Verdi in ihrem heutigen Beschluss zum Thema Staatshilfe unter anderem das Ziel der Tariftreue und die enge Einbindung von Betriebsräten und Gewerkschaften im Fall von Neustrukturierungen als Kriterium ins Zentrum.

Die Linke votierte in der Verdi-Umfrage den Angaben nach neben Einkommens- und Beschäftigungssicherung ebenso für eine Ausweitung des staatlichen Einflusses wie auch für Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bei Lufthansa.

Von: dk, dh, dpa

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Politik Management Lufthansa Personal Verdi Vereinigung Cockpit Corona-Virus