Lufthansa streicht Frankfurt-Paderborn-Flüge wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit

Ab dem kommenden Sommerflugplan stellt Lufthansa die Strecke zwischen ihrem Hub Frankfurt und Paderborn/Lippstadt ein. Für den Regionalflughafen fällt damit eine wichtige Anbindung an internationale Routen weg.

Ein Flugzeug der Lufthansa wird am Paderborn-Lippstadt Airport abgefertigt. © Flughafen Paderborn/Lippstadt

Lufthansa stellt ihre Paderborn-Verbindung von Frankfurt ab Ende März ein. Entsprechende Medienberichte bestätigte ein Kranich-Sprecher gegenüber airliners.de. Die Lufthansa überprüfe ihren Flugplan kontinuierlich, vor allem in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit. "Trotz starker Bemühungen von Flughafen und Lufthansa ist es nicht gelungen, die Strecke Frankfurt-Paderborn wirtschaftlich zu betreiben."

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt reagiert auf das Aus der Strecke vergleichsweise gelassen. Das sei natürlich nicht erfreulich, kommentierte ein Sprecher gegenüber airliners.de. Es seien vor allem Geschäftskunden, aber auch Touristen auf der Langstrecke betroffen. Für diese Passagiere gebe es Alternativen: "Wir weisen darauf hin, dass über die bestehende München-Verbindung immer noch Anschluss an das Lufthansa-Netz und die Umsteigeverbindungen möglich ist."

Auch der Lufthansa-Sprecher äußerte sein Bedauern über das Ende der Frankfurt-Paderborn-Flüge. Man habe allerdings reagieren müssen, da die Verbindung sonst dauerhaft in den roten Zahlen geblieben wäre.

Einzige Hub-Anbindung wird München

Außer den Verbindungen zu den Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt und München hat der Flughafen Paderborn keine Anbindungen an große Hubs wichtiger Airlines. Durch das Aus für die Frankfurt-Route entfällt also ein zentraler Umsteigepunkt.

Die Strecke ist für Paderborn in diesem Winterflugplan noch die zweiwichtigste: Mit einem Kapazitätsanteil von 18 Prozent liegt die Lufthansa-Hub-Anbindung auf Platz zwei hinter der Route nach München mit 41 Prozent der insgesamt angebotenen Kapazität.

Laut Flughafen Paderborn/Lippstadt waren die Frankfurt-Passagiere zum überwiegenden Teil Umsteiger. Diese hätten nun die Möglichkeit, ihre Ziele über München zu erreichen. Diese Verbindung der Lufthansa bleibt unangetastet. Wie der Unternehmenssprecher sagte, würden auch zukünftig 25 wöchentlich Verbindungen angeboten. Das Lufthansa-Angebot in der bayrischen Metropole sei sehr attraktiv.

Lufthansa mit Abstand größte Airline am Platz

Lufthansa ist bislang absoluter Platzhirsch in Paderborn mit 54 Prozent der wöchentlich angebotenen Sitzplatzkapazitäten. Tuifly bietet 17 Prozent an, Sunexpress 15 und Corendon 14 Prozent.

Bei den Passagierzahlen sieht es allerdings momentan nicht gut aus. 2018 kam der Standort noch auf 736.000 Passagiere und konnte damit fast das Niveau von 2017 erreichen. Das Minus betrug damals 0,4 Prozent. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurde jedoch bereits ein stärker rückläufiger Trend verzeichnet. Nach Daten des Flughafenverbandes ADV wurden in den ersten neun Monaten 554.000 Passagiere gezählt. Das waren 28.000 oder 4,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Lufthansa stellt momentan nach Angaben von "CH-Aviation" etwas mehr als 1400 Sitze pro Woche an Kapazität auf der Frankfurt-Route dar. Damit bedeutet das Ende der Lufthansa-Flüge an die Main-Metropole voraussichtlich nochmal ein Minus von rund zehn Prozent. Die Diskussion um die Zukunft des Flughafens dürfte diese Entwicklung nicht vereinfachen.

Keine Auswirkungen auf Finanzierung durch Eigentümer

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt befindet sich derzeit in finanziellen Schwierigkeiten. Der Wegfall der wichtigen Frankfurt-Verbindung wird nach Angaben des Sprechers aber voraussichtlich nicht dazu führen, dass die Finanzierung schwieriger wird. Er sehe auch keinen Zusammenhang mit der angekündigten Erhöhung der Luftverkehrsteuer, da Frankfurt für die meisten Passagiere nicht das eigentliche Ziel sei. Die Strecke sei nicht für Punkt-zu-Punkt-Verkehr, sondern für Umsteiger relevant.

Der ostwestfälische Airport braucht bis 2022 jährlich zusätzlich mindestens 2,5 Millionen Euro, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Kreis Gütersloh ist mit acht Prozent an dem Flughafen beteiligt. Die weiteren Gesellschafter sind Städte und Kreise der Region, die mittlerweile bis auf Bielefeld und dem Kreis Lippe alle der Aufstockung der Finanzmittel zugestimmt haben.

© Flughafen Paderborn-Lippstadt, Lesen Sie auch: Flughafen Paderborn hat Zusagen für Finanzspritze fast zusammen

Die lokale Wirtschaft hatte vor allem durch die lokalen Industrie- und Handelskammern vielfach für den Erhalt des Flughafens geworben, konnte sich jedoch nicht zu einer verpflichtenden finanziellen Beteiligung durchringen.

Die Grünen sehen aufgrund der fortgesetzten Konsolidierung im Luftverkehrsmarkt und der Klimadebatte keine langfristige Perspektive für den Flughafen Paderborn. Auch hätten die vielfach als unverzichtbar bezeichneten Zubringerflüge nach Frankfurt keine Zukunft, hieß es schon vor Anfang Oktober von den Grünen.

Von: hr

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