Lufthansa streicht nach US-Einreisestopp weitere Flüge

Mit dem US-Einreisestopp für EU-Bürger bricht der Lufthansa Group nach China ein weiter wichtiger Langstreckenmarkt weg - die Airlines im Konzern streichen einen Großteil der Transatlantik-Verbindungen. Aus der EU kommt Kritik an der nicht abgestimmten US-Vorgabe.

Ein Airbus A380 der Lufthansa landet in Los Angeles © AirTeamImages.com / Bastian Ding

Die Lufthansa prüft die Folgen des überraschend verkündeten Einreisestopps für Europäer in die USA. Es sei noch zu früh, konkrete Auswirkungen auf Flugplan und Betrieb zu nennen, sagte ein Unternehmenssprecher. Zurzeit würden die Airlines der Lufthansa-Group an der Erstellung eines entsprechenden Sonderflugplanes für die USA arbeiten.

Trotz des von den US-amerikanischen Behörden verhängten Einreisestopps für Fluggäste aus der Europäischen Union, der Schweiz sowie weiteren Staaten würden die Lufthansa-Group-Airlines weiterhin vereinzelt Flüge aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien in die USA anbieten, hieß es. Ein Großteil der Flüge wird aber gestrichen.

Übrig bleiben Flüge von Frankfurt nach Chicago und Newark, von Zürich nach Chicago und Newark, von Wien nach Chicago und von Brüssel nach Washington. Es sei aber klar, dass sich die Situation mit den Ankündigungen noch einmal verschlechtert habe und es zu weiteren Flugstreichungen kommen werde. Abflüge ab München, Düsseldorf und Genf in die USA werden gestrichen.

"Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen", hatte US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend im Weißen Haus in einer Ansprache an die Nation angekündigt. Konkret geht es um Nicht-US-Bürger, die sich in den vergangenen zwei Wochen im Schengenraum aufgehalten haben.

Das Verbot tritt am Freitag um Mitternacht in Kraft. Die Maßnahme gilt nicht für Reisende aus Großbritannien. Aus Europa kommende Amerikaner müssten sich entsprechenden Tests unterziehen und werden nach Angaben von Vizepräsident Mike Pence angehalten, sich freiwillig in 14-tägige Heimquarantäne zu begeben.

Transatlantikverkehr ist wichtige Schlagader

Der Weltluftfahrtverband Iata hat den US-Einreisestopp für Europäer aus der Schengenregion kritisiert. "Reisen in so großem Umfang zu unterbinden, wird negative Konsequenzen für die Wirtschaft haben", sagte Generalsekretär Alexandre de Juniac am Donnerstag nach Mitteilung der IATA an ihrem Sitz in Genf. Im Fall der Märkte USA und EU sei die Dimension enorm.

Im vergangenen Jahr habe es täglich etwa 550 Flüge mit rund 125.000 Passagieren zwischen Schengenländern und den USA gegeben. Zu den Schengenländern, die die Grenzkontrollen untereinander weitgehend abgeschafft haben, gehören die meisten EU-Länder sowie die Schweiz, Norwegen und kleinere europäische Staaten.

Die Routen über den Nordatlantik sind in normalen Zeiten das ökonomische Rückgrat der europäischen Fluggesellschaften. Sie haben auch große Bedeutung für die Auslastung der Zubringerflüge aus ganz Europa zu den Drehkreuzen München, Frankfurt, Wien und Zürich. An den Flughäfen steht bereits eine wachsende Zahl nicht benötigter Jets.

Bereits am Vortag hatte der Lufthansa-Konzern weitere 23.000 Flüge für die Zeit bis zum 24. April gestrichen. Üblicherweise fliegen die Gesellschaften des größten Luftverkehrskonzerns Europas im Schnitt gut 3200 Flüge pro Tag. Bislang hat der Konzern angekündigt, sein Programm für Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels bis zur Hälfte zusammenzustreichen. Nordamerika-Strecken sind ein Rückgrat der Lufthansa

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"Europa stellt ein einzigartiges Problem dar"

Trump hatte Ende Januar bereits einen Einreisestopp für ausländische Reisende verfügt, die in den 14 Tagen zuvor in China gewesen waren. Von China aus hatte sich das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgebreitet. Ende Februar erließ der US-Präsident dann eine entsprechende Regelung für Ausländer, die sich in den zwei Wochen zuvor im Iran aufgehalten haben. Zugleich wurden die Reisehinweise für betroffene Landesteile in Italien und Südkorea verschärft. Im Iran, in Südkorea und in Italien hat sich das Virus rasant ausgebreitet.

Trump hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Chefs von Banken gesagt, in China und Asien flaue die Krise ab. "Wie Sie wissen, haben wir einen anderen Teil der Welt, Europa, der in einer sehr schwierigen Verfassung ist." Kurz zuvor hatte der geschäftsführende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli bei einer Anhörung im Kongress gesagt, Reiseeinschränkungen für Europa würden erwogen. "Europa stellt ein einzigartiges Problem dar." Grund dafür sei, dass es im Schengen-Raum grenzüberschreitende Bewegungsfreiheit gebe. Daher stelle sich die Frage, "wie man Europa als Ganzes behandelt".

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Eine Absprachen mit EU-Regierungen hätten zu viel Zeit in Anspruch genommen, sagte Trump am Donnerstag vor Journalisten im Weißen Haus. "Wir mussten schnell handeln." Den europäischen Staaten warf er vor, sie würden schließlich auch ohne Absprache mit der US-Regierung Steuern auf US-Unternehmen erheben.

Das von Trump verhängte Einreiseverbot war in der EU auf scharfe Kritik gestoßen. EU-Ratspräsident Charles Michel und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beklagten, dass die Entscheidung "einseitig und ohne Konsultation getroffen wurde". Die Pandemie sei "eine weltweite Krise, die nicht auf einzelne Kontinente beschränkt ist". Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte dem Sender Welt TV, mit dem Einreiseverbot gegen Europäer hätten die USA "bedauerlicherweise nicht das erste Mal" eine einseitige Entscheidung getroffen.

Von: dk, dh, dpa, afp

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