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Lufthansa startet Probeläufe mit verbindlichen Antigen-Schnelltests

Lufthansa startet Probeläufe mit Corona-Schnelltests für alle Passagiere auf einzelnen Strecken. Der Konzern setzt dabei auf Antigen-Tests von verschiedenen Partnern. Das Ziel: Die Wiederbelebung des Luftverkehrs.

Reisender an einem Flughafen vor einem Lufthansa-Schild. dpa / Christoph Soeder

Die Lufthansa hat ihren Probelauf mit Antigen-Pflichttests für Passagiere begonnen. Vor dem Start der ersten Maschine auf der Linie München-Hamburg am Donnerstag Morgen wurden alle Passagiere sowie das fliegende Personal getestet, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft berichtete. Alle waren negativ und konnten mitfliegen. Testverweigerer gab es demnach ebenfalls nicht.

Nach erfolgtem Test bekommen die Passagiere "innerhalb von kurzer Zeit" ihr Testergebnis per Push-Nachricht und E-Mail, teilte Lufthansa mit. Die Passagiere müssen sich lediglich im Vorfeld registrieren und "etwas mehr Zeit vor Abflug" einplanen. Extrakosten entstehen dabei in der Probephase für den Fluggast nicht.

Lufthansa teilte auf airliners.de-Anfrage mit, dass es bei den jetzigen Flügen darum gehe, Erfahrungen mit den neuen Möglichkeiten von Antigen-Schnelltest zu sammeln. Noch sei nicht klar, welche Kosten künftig auf Passagiere zukämen, sobald Antigen-Tests für Flüge obligatorisch würden. Aktuell trägt Lufthansa die Kosten.

Lufthansa testet auf einer Rotation täglich

Derzeit fliegt die Lufthansa dreimal täglich von der bayerischen Landeshauptstadt nach Hamburg und wieder zurück, schnellgetestet wird nur täglich auf jeweils einem Hin- und einem Rückflug. Ersatzweise können die Fluggäste einen höchstens 48 Stunden alten negativen PCR-Test vorlegen oder sich kostenfrei auf einen anderen Flug umbuchen lassen.

Die Antigen-Schnelltests weisen nicht den Covid-19-Erreger als solchen nach, sondern mit diesem verbundene Proteine. Die Funktionsweise ähnelt einem Schwangerschaftstest, die Ergebnisse sollen nach 30 bis 60 Minuten vorliegen. Bei den von Lufthansa getesteten Antigen-Schnelltest handelt es sich noch um recht komplizierte Verfahren. So muss medizinisch ausgebildetes Personal einen Rachenabstrich nehmen und zur Auswertung sind spezielle Geräte notwendig.

Der von Centogene genutzte Test stammt vom japanischen Unternehmen Fujirebio und liefert Ergebnisse innerhalb 40 Minuten, allerdings erst, nachdem das Sample im Labor eingetroffen ist. Dieser Umweg vom Flughafen zu einem speziellen Lumiblade-Labor-Gerät erklärt die Zeit bis zum Ergebnis von 75 Minuten in Hamburg. In München kooperiert die Arline mit dem Unternehmen MVZ Martinsried. Hier soll das Ergebnis bereits nach ungefähr einer halben Stunde vorliegen. Genauere Angaben zum verfahren gab der Anbieter nicht.

Centogene bietet derweil das neue Antigen-Testverfahren jetzt auch Privatpersonen an, die nicht im Rahmen des Lufthansa-Experiments fliegen. Dafür verlangt der private Anbieter 79 Euro, was weit über dem von der Luftfahrtindustrie kommunizierten maximal zehn Euro pro Test liegt. Allerdings beinhaltet der Preis im Falle eines positiven Antigen-Tests auch noch einen PCR-Test, der ein genaueres Ergebnis verspricht und falsch-positiv-Ergebnisse verhindern soll.

Antigen-Schnelltests sollen Luftverkehr trotz Corona ermöglichen

Die unter hohen Verlusten leidende Fluggesellschaft hofft, wieder mehr Flugverbindungen insbesondere nach Übersee anbieten zu können. Ein großes Hemmnis für die Wiederbelebung des Luftverkehrs sind bisher die Quarantäneregeln, die in den meisten Ländern für internationale Fluggäste gelten. In der Lufthansa-Gruppe wurden die Schnelltests bereits bei Flügen der Tochter Austrian zwischen Berlin und Wien erprobt.

Antigentests könnten "ein wichtiger Schlüssel sein", um die Reisemöglichkeiten "bei höchsten Hygiene- und Sicherheitsstandards" wieder zu erweitern, erklärte der Münchner Lufthansa-Chef Ola Hansson. Flughafen-Geschäftsführer Jost Lammers sprach von einem positiven und wichtigen Signal für die Branche. "Damit könnte künftig - wenn entsprechende internationale Vereinbarungen getroffen werden - auch ein grenzüberschreitender Reiseverkehr ohne obligatorische Quarantäneverpflichtung wieder möglich werden."

"Schnelltests vor dem Flug statt Quarantäne - hier sehe ich eine Chance, wie das Reisen in Pandemiezeiten wieder möglich wird", sagte auch Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Geschäftsreisende benötigten schnelle Verbindungen. "Und mit Blick auf Weihnachten machen sich viele Familien, die verstreut in Europa oder der Welt leben, schon jetzt Sorgen, ob sie das Fest gemeinsam feiern können."

Test to Fly der Lufthansa am Flughafen München. Foto: © Flughafen München

Die zwei Airlines aus dem Lufthansa-Konzern sind nicht die einzigen, die in Deutschland die Nutzung von Antigen-Tests vorbereiten. Tui ist ebenfalls dabei, Testkapazitäten für Reisende aufzubauen. Der Reiseveranstalter arbeitet allerdings nicht mit einem laborbasierte Test, sondern mit einem Heimtest. Angeboten wird das für Reisen in die Kanaren. Das gilt auch für die FTI-Gruppe, die Schnelltests für 16 Euro bei Ankunft organisiert.

Die Antigen-Tests kommen damit kurz nachdem zahlreiche Labore eine Überlast meldeten. Derzeit sind die Labore in Deutschland des Alm-Vereins mit 97 Prozent ausgelastet. Diese Labore wickeln aktuell 85 bis 90 Prozent des PCR-Testvolumens ab. Aufgrund der enorm steigenden Infektionszahlen sind für Reisende kaum noch Laborkapazitäten verfügbar, die gleichzeitig zur niedrigsten Prioritätsgruppe gehören.

Von: dpa-afx, AFP, dh

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