Lufthansa legt Liste mit Töchtern in "Steueroasen" vor

Vor allem in der SPD gibt es Forderungen zu unternehmenspolitischen Bedingungen, die Lufthansa erfüllen soll, um Staatshilfen zu bekommen. Nun veröffentlicht der Konzern eine Übersicht über sein Engagement in "unkooperativen Steuergebieten", um die Gemüter zu beruhigen.

LKW von LSG Sky Chefs an einem Flugzeug © AirTeamImages.com / Europix

Nachdem SPD-Chef Norbert Walter-Borjans am Wochenende Staatshilfen für Lufthansa von Transparenz über "Tochtergesellschaften in Steueroasen" abhängig machte und deren Abschaffung in den Raum stellte, hat der Konzern eine Liste über die Geschäftstätigkeit in den angesprochenen Ländern veröffentlicht. In dieser seien alle Tochtergesellschaften mit Sitz in "laut EU nicht kooperativen Steuergebieten" enthalten, teilte Lufthansa mit.

Die Fluggesellschaft betont, dass es sich bei allen genannten Töchtern nicht um undurchschaubare Firmengeflechte handelt, sondern "um Firmen mit operativem Geschäftsbetrieb, die zur LSG Group gehören". Diese würden beispielsweise Mahlzeiten produzieren oder lokale Luftfahrt-Logistikdienstleistungen anbieten.

"Standortwahl nach vielen Parametern"

Den Vorwurf Walter-Borjans, dass so manche der Töchter einzig aus steuertaktischen Gründen existierten, was im Falle von Staatshilfen nicht akzeptabel sei, will Lufthansa nicht gelten lassen. Als global agierendes Unternehmen sei man in einer Vielzahl von Ländern vertreten. Bei Standortent­scheidungen der Gruppe spielten verschiedenste Parameter eine Rolle. So gründe die LSG Group als weltweit tätiger Cateringspezialist Tochter-Gesellschaften dort, wo operative Gründe dies erforderten. Selbstverständlich würden in allen Ländern, in denen der Konzern tätig sei, die nationalen und internationalen Rechts- und Steuervorschriften beachtet.

© European Union , 2017, Lukasz Kobus Lesen Sie auch: EU verlangt Exit-Strategie und grüne Ziele für Lufthansa-Hilfen

Auf der Liste finden sich Tochter-Gesellschaften aus Panama, Guam und den für ihre Vielzahl an Briefkastenfirmen berüchtigten Cayman Ialands/ Virgin Islands in der Karibik.

In Panama sei die LSG Group hundertprozentiger Eigner der Töchter "Arlington Services Ltd" sowie "Sky Chefs de Panama" mit zusammen rund 500 Mitarbeitern, so Lufthansa. Die Sky Chefs bieten Airport Catering an, erstere Firma ist eine Holdinggesellschaft wobei nicht ganz klar wird, ob diese außer an den Sky Chefs noch weitere Beteiligungen hält.

Ähnlich ist es auf Guam. Hier ist die "LSG Catering Guam Inc." die Beteiligungsgesellschaft in LSG-Besitz. Dazu existiert die "LSG Lufthansa Service Guam Inc." mit 186 Mitarbeitern und dem Geschäftszweck "Airline Catering".

Steuern vor Ort würden auch bei Führung aus Deutschland anfallen, sagt Lufthansa

Etwas komplizierter sind die Zusammenhänge auf den Cayman/Virgin Islands. Im tropischen Paradies ist die LSG Group zu 49 Prozent an der "Inflite Holdings Cayman Ltd." beteiligt. Diese wiederum halte mehrere Beteiligun­gen in der Karibik, darunter an der "GCG Virgin Islands Inc.", die mit 103 Angestellten Ground Handling und Catering anbiete, sowie an der "Goddard Catering Group GCM Ltd." (Geschäftszweck: Catering Operations) mit insgesamt 31 Mitarbeitern, so Lufthansa. Bei den Tochtergesellschaft handele es sich um operative Cateringbetriebe, deren Ergebnisse selbst dann vor Ort zu versteuern wären, wenn sie direkt aus Deutschland heraus geführt würden.

Die Fluggesellschaft hatte am Donnerstag offiziell bestätigt, dass sie mit dem deutschen Staat über ein Rettungspaket mit einem Volumen von neun Milliarden Euro verhandelt. Demnach strebt der Bund einen Anteil von bis zu 25 Prozent plus einer Stimme sowie eine Vertretung im Aufsichtsrat an. Seitdem mehren sich Versuche politischer Einflussnahme auf die künftige Ausrichtung der Geschäftstätigkeit von Europas größtem Airline-Konzern.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Lufthansa bestätigt Verhandlungen über Rettungspaket von neun Milliarden Euro

Von: dk

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