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Lufthansa verbucht im Corona-Quartal 1,5 Milliarden Euro Verlust

Das Corona-Quartal hat Lufthansa Milliarden gekostet. Rekorderlöse bei der Fracht konnten die Verluste in anderen Bereichen nicht abfedern. Nun soll nach unsicheren Prognosen weiter gespart werden. Mit Auswirkungen auf Flotte und Personal.

Außerordentliche Hauptversammlung am 25.06.2020 - Lufthansa-CEO Carsten Spohr © Lufthansa / Oliver Roesler

Lufthansa rechnet in der Corona-Krise mit einer noch langsameren Erholung des Flugverkehrs und verschärft beim Stellenabbau ihre Gangart. "Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der tiefroten Quartalsbilanz am Donnerstag in Frankfurt - wenige Wochen nach der Rettung des Konzerns durch den deutschen Staat. "Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau." Das wäre ein Jahr später als bisher gedacht.

Obwohl die Lufthansa ihren Flugverkehr inzwischen wieder schrittweise hochfährt, rechnet Spohr für die zweite Jahreshälfte mit tiefroten Zahlen im laufenden Geschäft. Nachdem sich der operative Verlust in den ersten sechs Monaten bereits auf 2,9 Milliarden Euro summierte, ist ein Milliardenverlust auch für das Gesamtjahr ausgemachte Sache. Analysten gingen im Schnitt zuletzt von einem operativen Minus von 4,7 Milliarden Euro aus. Mit schwarzen Zahlen rechnen sie frühestens wieder im kommenden Jahr. Ihre Prognosen liegen dabei jedoch noch weit auseinander.

1,5 Milliarden Euro Quartalsverlust

Wie schwer die Krise die Lufthansa getroffen hat, wurde an den Zahlen des zweiten Quartals besonders deutlich. Weil der Passagierverkehr im April und Mai fast vollständig ausfiel, verbuchte die Lufthansa einen operativen Verlust (bereinigtes Ebit) von fast 1,7 Milliarden Euro. Das war fast eine halbe Milliarde mehr als schon im ersten Quartal.

Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 1,5 Milliarden Euro. Auch umfangreiche Kostensenkungen hätten den Umsatzrückgang nur teilweise kompensieren können, erklärte das Unternehmen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe es 96 Prozent weniger Fluggäste gegeben. Dadurch habe sich das Angebot um 95 Prozent verringert.

Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte das Unternehmen seiner Tochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen profitierte und einen operativen Rekordgewinn von 299 Millionen Euro einflog.

Der Konzernumsatz brach im Jahresvergleich um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein. Den Großteil der verbliebenen Erlöse erwirtschafteten Lufthansa Cargo und die Wartungssparte Lufthansa Technik. Vor allem das Cargo-Geschäft läuft. "Die Yields sind so hoch, wir haben derzeit eine Reihe an Flügen mit Passagiermaschinen, bei denen wir nur mit der transportierten Fracht Gewinn machen, also keine Passagier für den "Break Even" brauchen, das habe ich so noch nie erlebt", erklärte Spohr.

Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von rund 1,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor.

Dabei wirkte sich der wieder etwas gestiegene Ölpreis positiv aus. Die Lufthansa konnte daher den Wert ihrer Verträge zur Absicherung der Treibstoffpreise um gut 200 Millionen Euro nach oben korrigieren. Nach dem ersten Halbjahr steht damit aber immer noch ein Wertverlust von 782 Millionen Euro zu Buche.

Einschließlich der Staatshilfen in Höhe von neun Milliarden Euro kam die Lufthansa Ende Juni auf eine Liquidität von 11,8 Milliarden Euro. Allerdings zahlte der Konzern im Juli bereits wieder fast eine Milliarde Euro an Kunden aus, deren Flüge wegen der Pandemie ausgefallen waren. Derzeit seien noch 1,8 Millionen Erstattungs-Forderungen anhängig, berichtete Spohr. Diese seien jedoch alle jüngeren Datums und meistens aufgrund der umfangreichen Neuausrichtung des Flugplans im Juli entstanden.

Lufthansa droht mit betriebsbedingten Kündigungen

Um den Konzern nach seiner Rettung durch den deutschen Staat wieder auf die Beine zu bekommen, dreht das Management stark an der Kostenschraube. Die Flotte von zuletzt rund 760 Maschinen soll um mindestens 100 Jets schrumpfen. Bis zum Jahr 2023 soll die Produktivität um 15 Prozent steigen. Die angebotene Kapazität soll dadurch in drei Jahren das Niveau von 2019 erreichen. "Die Abläufe werden effizienter, um mehr Flugstunden pro Maschine zu erreichen und wir werden auch Sitzplatzkonfigurationen ändern. Eine Boeing 777-9 wird mehr Plätze an Bord haben als eine 747-400, die dafür die Flotte verlässt", erklärte Spohr in einem Pressegespräch.

Damit steht auch der Abbau zigtausender Arbeitsplätze bevor. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8300 auf 129.400 gesenkt. Laut Spohr fand dieser Abbau aber fast ausschließlich im Ausland statt.

Das Management verhandelt mit der Arbeitnehmerseite seit Monaten über ein Entgegenkommen etwa bei Gehältern und Teilzeitregelungen, um die Einschnitte zu begrenzen. Bisher liegen jedoch keine belastbaren Vereinbarungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vor.

© dpa, Inga Kjer Lesen Sie auch: Lufthansa droht mit betriebsbedingten Kündigungen

Beim geplanten Abbau von weltweit 22.000 Vollzeitjobs hält der Vorstand Entlassungen auch in Deutschland nun für kaum noch vermeidbar. Das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Verhandlungen mit den deutschen Gewerkschaften nicht mehr realistisch, schrieb Spohr in einem Brief an die Mitarbeiter.

Entscheidung über Flottenplanung folgt

In den kommenden Wochen soll über die endgültige Stilllegung einzelner Flugzeugtypen und Teilflotten entschieden werden. Dort könnten Personalüberhänge über Jahre hinweg entstehen, hieß es. Bereits bekannt sind die Schließungspläne für Germanwings und die deutsche Tochter des Joint Ventures mit Turkish Airlines, Sunexpress.

Mittelfristig will der Konzern alle Flugbetriebe in zehn AOCs bündeln, statt bisher zwölf. Die Marke Eurowings bleibe dabei, sowohl auf der Kurz- wie der Langstrecke erhalten, so Spohr.

Lufthansa ist zudem nicht bereit, die Fluglizenzen der Mitarbeiter für ausgemusterte Flugzeugtypen aufrecht zu erhalten. Bei den Flugzeugtypen stehen vor allem die vierstrahligen Großflugzeuge Airbus A380, A340 und Boeing 747-400 auf dem Prüfstand. Die langfristige Ausflottung aller drei Typen werde kommen, über die Reihenfolge und Termine könne man jedoch frühestens nach dem dritten Quartal berichten, so Spohr. 80 neue und moderne Flugzeuge sollen in den kommenden Jahren zur Flotte stoßen.

Mit Blick auf die Zukunft der fünf Hubs der Konzern-Airlines erklärte Spohr, dass man sowohl in München, wie auch in Zürich, Wien und Brüssel mit sinkenden Gebühren rechnen könne, einzig der Flughafen Frankfurt habe angekündigt, diese um 15 Prozent zu erhöhen. Das könne sich durchaus auf die Lufthansa-Planungen auswirken.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Nachdem der Verlust im zweiten Quartal nicht ganz so hoch ausfiel wie von Analysten erwartet, legte die Lufthansa-Aktie am Morgen um zeitweise rund acht Prozent zu. Zuletzt lag sie noch mit gut drei Prozent im Plus bei 8,45 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier aber immer noch fast die Hälfte an Wert eingebüßt.

Von: dh, dk mit dpa

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