Lufthansa und Condor diskutieren Codesharing-Abkommen

Die vielfach ersehnte Übernahme Condors durch die Lufthansa hat bisher nicht geklappt, jetzt ist eine andere Form der Zusammenarbeit im Gespräch. Vielleicht die passendere, denn Lufthansa will deutlich mehr Geld verdienen.

Airbus der Condor in München. © AirTeamImages.com / Carlos Enamorado

Lufthansa und Condor loten aktuell die Möglichkeit aus, Langstrecken-Flüge gemeinsam via Codesharing anzubieten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Unternehmensinsider. Demnach könnte es noch bis Jahresende eine Einigung geben. Jedoch wollten sich beide Unternehmen auf Anfrage bisher nicht zum Thema äußern.

Beim Codesharing bieten Airlines gleiche Flüge jeweils unter einer eigenen Flugnummer an. So lassen sich Angebot und Auslastung steigern, wozu auch die Vermarktung der Flüge über die Kanäle beider Unternehmen beiträgt.

Bereits im Rahmen der Nationalen Luftfahrtkonferenz in dieser Woche hieß es aus dem Lufthansa-Umfeld, dass eine verstärkte Zusammenarbeit mit Condor angestrebt werde, nachdem ein kompletter Kauf des Ferienfliegers vorerst vom Tisch ist.

Thomas Cook will sich vor Condor-Entscheidung erst berappeln

Condor-Eigner Thomas Cook hatte zuletzt angekündigt, die Mehrheit an den konzerneigenen Fluggesellschaften zunächst an die kreditgebenden Banken auszulagern. Bevor über einen Verkauf entschieden wird, sollen die Ergebnisse der gerade angelaufenen Sanierung des Touristik-Unternehmens abgewartet werden.

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Vor allem im touristischen Langstreckengeschäft gibt es Überschneidungen zwischen Condor und der Lufthansa-Tochter Eurowings. Eine verstärkte Kooperation der beiden Airlines könnte diese abbauen und helfen, das Lufthansa-Ziel zu erreichen, bei Eurowings bis 2021 den Turnaround zu schaffen.

Zudem will die Deutsche Lufthansa AG die Konzern-Gewinne laut einem Bericht deutlich steigern. Um die Gunst der Anleger zurückzugewinnen, arbeite Konzernchef Carsten Spohr daran, das operative Ergebnis (Ebit) künftig auf drei Milliarden Euro hochzutreiben. "Die Zielmarke lautet mittelfristig nicht mehr zwei, sondern drei Milliarden Euro", berichtet das "Manager Magazin" (MM) und bezieht sich dabei auf einen noch unveröffentlichten Masterplan.

An der Börse sorgte die Nachricht für kräftige Kursgewinne bei der Lufthansa-Aktie. Diese legte als Dax-Spitzenreiter um mehr als zwei Prozent zu, nachdem sie erst Ende vergangener Woche auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren abgesackt war.

Sparprogramm und Einstellungsstop

Jahrelang galt bei Lufthansa ein Ebit von zwei Milliarden Euro als zufriedenstellend. Allerdings reiche das laut Spohr nicht aus, um die Flotte zu erneuern und jährlich dafür 3,5 Milliarden Euro zu investieren, heißt es in dem Bericht. In ihrem Rekordjahr 2017 hatte die Lufthansa operativ rund drei Milliarden Euro verdient, ein Jahr darauf waren es noch gut 2,8 Milliarden.

Für dieses Jahr hatte das Management ursprünglich ein bereinigtes Ebit von etwa 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro anvisiert, musste die Prognose aber im Juni kappen und erwartete zuletzt noch 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro.

Der Luftverkehrsmarkt ist geprägt von Überkapazitäten und aggressiver Konkurrenz. Um auf Kurs zu bleiben, sei bei Lufthansa ein Sparprogramm in der Pipeline, so das Magazin. Über einen Einstellungs- und Ausgabenstopp in den Hauptverwaltungen der Fluggesellschaft will der Vorstand dem Blatt zufolge offenbar auf einer Klausurtagung im September entscheiden. Die Maßnahmen sollen sich im Endspurt noch in diesem Jahr auszahlen, vor allem aber 2020, hieß es weiter.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa Group prüft angeblich Umwandlung zur Holding

Von: dk

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