Lufthansa lotet finanzielle Spielräume aus

Die Aussichten für Lufthansa sind unklar. Wie für alle Airlines in den betroffenen Gebieten, könnte das Corona-Virus zu einer existenziellen Frage für den Konzern werden. Auch wenn Experten dem Kranich bescheinigen, im Vergleich gut aufgestellt zu sein.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa / Daniel Bockwoldt

Nach einem schwierigen Jahr mit Preisschlacht und Gewinnwarnung droht es für die Lufthansa 2020 noch viel schlimmer zu kommen. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bringt den Flugverkehr größtenteils zum Erliegen. Wie andere Fluggesellschaften hat die Lufthansa ihr Flugangebot auf ein Minimum zusammengestrichen. Waren erst vor allem die Flüge nach China betroffen, fällt jetzt auch der Großteil der Verbindungen in die USA sowie innerhalb Europas weg.

Vorerst finde nur noch etwa jeder zehnte Fernflug und nur noch etwa jeder fünfte Mittelstreckenflug statt, teilte die Lufthansa am Montag mit. Die Konzerntöchter Brussels und Austrian Airlines stellen den Betrieb vorerst komplett ein. Konkurrenten wie Ryanair und die British-Airways-Mutter IAG kündigten Flugstreichungen in fast der gleichen Dimension sogar schon für April und Mai an.

Lufthansa wichtigste Airline für Rückholaktion von Deutschen

Am Dienstagabend beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zudem ein weitgehendes Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger - für 30 Tage und ab sofort. Lufthansa, der Ferienflieger Condor und die Tui-Tochter Tuifly sollen nun in einer koordinierten Aktion mit der Bundesregierung zehntausende Deutsche aus dem Ausland zurückholen.

Gleichzeitig arbeitet die Lufthansa daran, ihre Frachtflüge auszubauen, um die Versorgung Deutschlands zu sichern. Dazu will Vorstandschef Carsten Spohr möglicherweise auch große Passagierjets vom Typ Boeing 747-8 einsetzen. Grundsätzlich sei mit einem steigenden Transport-Bedarf zu rechnen, um die Produktionsketten aufrechtzuerhalten, sagte ein Konzernsprecher. Auch Verbrauchsgüter für die Bevölkerung könnten per Flugzeug transportiert werden.

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Unterdessen versucht der Vorstand, das Geld zusammenzuhalten, damit das Unternehmen die Krise übersteht. So sollen die Aktionäre auf die Dividende für 2019 verzichten. Das Unternehmen hat sich auch neue Kredite in Höhe von 600 Millionen Euro gesichert. Damit verfüge der Konzern über flüssige Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro, hieß es. Hinzu kämen ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro.

Flotte könnte Beliehen werden

Um die Kasse noch weiter zu füllen, will der Konzern auch Flugzeugfinanzierungen nutzen. 86 Prozent der rund 780 Flugzeuge starken Flotte befänden sich im Eigentum der Lufthansa, davon seien knapp 90 Prozent unbelastet von Krediten, hieß es. Das entspreche einem Buchwert von 10 Milliarden Euro.

Für den schlimmsten Fall lotet die Lufthansa sogar Staatshilfe aus. Der Vorstand habe sich angesichts "dieser bisher unbekannten Herausforderung daher entschieden, mit den Regierungen unserer Heimat-Länder nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden", sagte Spohr.

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Von einer Staatsbeteiligung will man in Lufthansa-Kreisen angesichts der hohen Liquiditätsreserven nichts wissen. Dass mögliche Hilfen unterhalb einer Beteiligung über die Frankfurter Staatsbank KfW organisiert werden könnten, blieb aber zumindest unwidersprochen.

Unterdessen kürzt der Konzern seine laufenden Ausgaben und versucht Investitionen zu verschieben. Für einen Teil der Belegschaft soll Kurzarbeit beantragt werden. Spohr rief die Mitarbeiter zu Solidarität und Verzicht auf, "um die Zukunft der Lufthansa-Gruppe zu sichern". Ziel sei, möglichst alle Beschäftigten an Bord zu halten.

Eine Prognose zur finanziellen Entwicklung will Spohr nicht geben

Vorstandschef Spohr zeigte sich vergangenen Freitag sicher, dass die Lufthansa die schwierige Situation finanziell "auf jeden Fall länger" durchstehen könnte als andere Airlines. Eine Einschätzung die der Luftfahrt-Experte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein teilt.

Eine Prognose für 2020 traute sich Spohr angesichts der sich täglich verschärfenden Lage aber nicht zu. Allerdings rechnet das Management damit, dass das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) des Konzerns im laufenden Jahr "deutlich" sinken wird.

Was Branchenexperten in den vergangenen Wochen für die Entwicklung der Lufthansa ausgerechnet haben, wird derzeit täglich von der aktuellen Entwicklung überholt. War die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen in der letzten Februar-Woche noch um 14,5 Prozent niedriger ausgefallen als ein Jahr zuvor, betrug der Rückgang knapp zwei Wochen später rund 45 Prozent. Das Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger und der Wegfall eines Großteils der Flüge dürfte bald für weitgehende Leere in den Terminals sorgen.

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Lufthansa setzt Dividende wegen Corona-Verlusten aus

Von: dk, dpa

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