airliners.de Logo

Lufthansa Cargo will Spezialdienst zurück in Mutterkonzern holen

Lufthansa Cargo plant den Rückkauf von Time Matters. Mit der beabsichtigten Transaktion würde die Frachtfluglinie den von ihr 2002 gegründeten Spezialdienst zurück in den Mutterkonzern holen.

Verladen von Time-Matters-Ladung in ein Flugzeug. © time:matters

Seit dem 15. Juli liegt dem Bundeskartellamt der Antrag der Lufthansa Cargo vor, die auf Eiltransporte und Notfalllogistik spezialisierte Time Matters GmbH vollständig zu übernehmen. Derzeit hält Lufthansa Cargo 49 Prozent an dem Neu-Isenburger Unternehmen; die Mehrheit von 51 Prozent der Gesellschafteranteile liegt bei Investor Aheim Capital und dem Management von Time Matters. Nun will Finanzinvestor Aheim, neun Jahre nach dem Einstieg bei Time Matters, seine Beteiligung an dem Schnelldienst veräußern.

Die Voraussetzungen für die Transaktion sind aus Sicht von Aheim günstig, da Time Matters seit einigen Jahren im Schnitt zweistellig wächst und Gewinne erwirtschaftet. Im abgelaufenen Jahr setzte die Firma 64 Millionen Euro um – ein Plus von acht Prozent gegenüber 2014.

Auch für das laufende Finanzjahr erwartet das Management eine abermalige Steigerung der Erlöse, bedingt unter anderem durch das fortwährende Wachstum des Kerngeschäfts bei den ultraeiligen und kundenzentrierten Transporten, zu deren Zweck die Firma auch kleinere Frachtflugzeuge von montags bis freitags innerhalb Europas auf festen Routen im Nachtsprung einsetzt.

© dpa, Andreas Gebert Lesen Sie auch: Lufthansa-Cargo-Tochter Time Matters meldet Rekordumsatz

Zudem hat der Erfolg der 2015 gegründeten Tochter Liefery die Werthaltigkeit des Unternehmens gesteigert. Liefery bedient die Bedürfnisse von Online-Shoppern, die schon kurz nach der Bestellung ihre Waren erhalten wollen. Entsprechend bietet die Time-Matters-Tochter die Abholung und Zustellung von E-Commerce-Gütern in neunzig Minuten innerhalb von Ballungsgebieten an oder zu einem vom Kunden bevorzugten Zeitpunkt.

Welchen Preis Lufthansa Cargo für die beabsichtigte Komplettübernahme des Neu-Isenburger Spezialisten bezahlen muss, wird von keiner der beteiligten Seiten kommentiert. Auch lehnt Lufthansa Cargo jeden Kommentar zu dem beabsichtigten Schritt mit dem Hinweis ab, dass der Antrag noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden muss und man sich vorher nicht äußere.

Grünes Licht wird bald erwartet

Dass die Wettbewerbshüter diesen ablehnen oder nur unter Auflagen genehmigen, ist nach Ansicht von Marktbeobachtern sehr unwahrscheinlich. So rechnet man auch bei der Lufthansa Cargo mit grünem Licht innerhalb der kommenden 14 Tage.

Nach Ansicht von Frachtexperten macht der beabsichtigte Schritt aus Sicht des Frachtkranichs Sinn. Dies deshalb, weil das Unternehmen zuletzt mit Sparprogrammen, der Streichung von bis zu 800 Stellen und einer Restrukturierung der Organisation Schlagzeilen machte. Was demgegenüber in den Hintergrund gerückt war, sind die vom Management parallel dazu eingeleiteten Schritte für künftiges Wachstum. So wurde eine Produktinitiative gestartet, von der sich die Fluglinie eine deutliche Steigerung des Umsatzes verspricht. Auch soll die Digitalisierung gezielt vorangetrieben werden, um die Prozesse zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Davon verspricht sich das Management größere Schnelligkeit der Abläufe und eine gesteigerte Produktqualität.

© dpa, Andreas Gebert Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo startet Produkt-Offensive

Beide Produktpole wären abgedeckt

Was die Rolle von Time Matters unter dem Mantel der Lufthansa Cargo angeht, würde deren Andocken an den Frachtkranich dessen Angebotspalette im Bereich der Spezialtransporte stärken. Damit wären die beiden Produktpole abgedeckt: im unteren Bereich das Billigangebot "td.Basic", im oberen Segment Spezialprodukte wie "td.Flash", "Cool/td" oder "Live/td", an dessen Spitze nach erfolgter Einbindung von time:matters deren Speziallösungen für ultraeilige und kundenzentrierte Transporte stehen würden. Nach Informationen des Fachportals CargoForwarder Global soll Time Matters nach Genehmigung der Transaktion durch das Bundeskartellamt als eigenständige Firma durch das jetzige Management weiterbetrieben werden, mit eigener Ergebnisverantwortung.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de

Lesen Sie jetzt

Mit dem Hyperloop zwischen Mittelstrecken-Destinationen

Luftfahrtkonkurrenz der Zukunft (2/2) Flugzeuge haben gegenüber der Bahn den Vorteil, in dünnen Luftschichten zu fliegen. Der Widerstand durch den Luftdruck ist damit gering. Das soll in den nächsten zehn Jahren auch am Boden möglich sein. Im zweiten Teil unserer Serie um zukünftige Luftfahrt-Konkurrenzkonzepte wird das Potenzial der Hyperloop-Systeme betrachtet.

Das Wiedererstarken der Magnetschwebebahn

Luftfahrtkonkurrenz der Zukunft (1/2) Kurz- und Mittelstreckenflüge sollen durch Bahnen ersetzt werden. Doch dafür braucht es am Boden erst einmal die notwendige Technik. Vor allem die Magnetbahn kommt dank China, aber auch Deutschland, wieder ins Gespräch. Im ersten Teil unserer Serie um Luftfahrt-Konkurrenzkonzepte am Boden geht es um das Potenzial als Kurzstreckenersatz.

Lesen Sie mehr über

Lufthansa Group Management Wirtschaft Lufthansa Strategie Luftfracht Lufthansa Cargo timematters