Lufthansa testet neues Boarding-Prozedere

Die Lufthansa und auch Konzerntochter Swiss prüfen ein neues Boardingsystem. Das sogenannte "Wilma-Boarding" soll den Einstieg beschleunigen. Der Kranich will das System noch in diesem Jahr einführen.

Lufthansa-Europakabine © Lufthansa

Lufthansa-Passagiere könnten in naher Zukunft angehalten sein, das Flugzeug in einer anderen Reihenfolge zu betreten. Laut eines Sprechers habe die Airline "in Frankfurt im April unterschiedliche Boarding-Tests durchgeführt". Dabei hätte sich gezeigt, dass das sogenannte "Wilma-Boarding" die beste zeitsparende Methode sei.

Nun bereitet man beim Kranich die Umsetzung bis "zum November" vor. Dazu soll es weiter an unterschiedlichen Standorten Pilotprojekte geben. "Diese Standorte werden in den nächsten zwei Wochen festgelegt und dann im September implementiert."

Die Boardingtechnik "Wilma" (Window, Middle und Aisle) bezeichnet die Reihenfolge, in der die Passagiere das Flugzeug betreten sollen. So dürfen zuerst alle Reisenden mit einem Fensterplatz ihre Plätze einnehmen. Im Anschluss folgen alle Passagiere mit einem Mittelsitz und zuletzt dürfen alle Passagiere mit Plätzen am Gang das Flugzeug besteigen. So entfällt das Aufstehen von Reisenden für andere Passagiere, die später kommen.

Kinder und Eltern boarden weiter zusammen

Das "Wilma-Boarding" lässt aber auch Ausnahmen zu. So dürfen zusammen reisende Personen auch weiterhin zusammen das Flugzeug gemeinsam betreten. Eltern und Kinder werden nicht getrennt, ebenso wenig wie Paare oder Gruppen. Auch dürfen weiterhin Passagiere der Business Class als erste ins Flugzeug.

Neben der Lufthansa plant auch Konzerntochter Swiss die Einführung des "Wilma-Boardings". Gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten" betonte der bei der Swiss verantwortliche Projektleiter Oliver Rüeg, dass beim Boarding jede Minute wichtig sei. Wenn "Flieger mit einer Unpünktlichkeit von 16, 17 oder 18 Minuten auf 15 Minuten gedrückt werden", sei dies entscheidend. Viele Pünktlichkeits-Rankings registrieren erst Flüge mit über 15 Minuten Verspätung.

Ein Sprecher von Austrian Airlines teilte auf Anfrage von airliners.de mit, dass man sich immer wieder Verfahren ansehe, um die Boarding-Prozesse zu verbessern. Zum "Wilma-Boarding" sei derzeit aber noch nichts entschieden.

Laut Studien bringt Wilma 35 Prozent Zeitersparnis

Verschiedene Studien, unter anderem von der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois, hatten gezeigt, dass das Boarding nach "Sitzplatz-Typ" eine Zeitersparnis von bis zu 35 Prozent gegenüber dem herkömmlichen Boarding-Prozess bringt. Verschiedene Tests haben ergeben, dass sich der Zeitaufwand für das Boarding eines Single-Aisle-Flugzeugs so um rund zweieinhalb Minuten gegenüber dem bisherigen Boarding reduzieren lässt. Die allerschnellste Methode sei aber immer noch, wenn sich Passagiere ihre Sitzplätze frei wählen könnten.

Von: br

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