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Lufthansa und Betriebsräte fordern baldige Staatshilfen-Entscheidung

Lufthansa erwartet "dieser Tage" ein mit der Politik abgestimmtes Finanzierungskonzept und stimmt die Belegschaft auf "schmerzhafte Restrukturierungen" ein. Arbeitnehmervertreter warnten vor einer Insolvenz oder einem Schutzschirmverfahren.

EIngemottete Flugzeuge der Lufthansa stehen während der Corona-Krise Ende April 2020 in München. © AirTeamImages.com / Denis Roschlau

Die Lufthansa und ihre Betriebsräte haben schnelle Entscheidungen zu der geplanten Staatshilfe in Milliardenhöhe gefordert. Die Arbeitnehmervertreter warnten am Dienstag in einem Offenen Brief vor einer Insolvenz oder einem Schutzschirmverfahren für den Konzern. Beides berge unkalkulierbare Risiken und würde wirtschaftlich und politisch das falsche Signal setzen, argumentierten die Beschäftigten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit warnte eindringlich vor einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Diese würde eine "schwerwiegende Vertrauenskrise von Mitarbeitern, Kunden, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in das Unternehmen auslösen und die Zukunft deutscher Airlines nachhaltig gefährden", erklärte VC-Präsident Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt.

Der Umweltverband BUND fordert derweil Investitionen in nachhaltigen Verkehr statt "klimaschädlicher Staatshilfen fürs Fliegen". Sollte sich der Staat an Lufthansa beteiligen, ohne bei der Einführung notwendiger Klimaschutzmaßnahmen mitreden zu dürfen, sei das ein Bespiele dafür, wie fahrlässig Chancen für mehr Klimaschutz vertan werden, sagte Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin Politik und Kommunikation.

Lufthansa erwartet 2023 noch 100 Flugzeuge weniger

In einer Botschaft an die Mitarbeiter hatte der Lufthansa-Vorstand um Carsten Spohr am Dienstag erklärt, dass man "in diesen Tagen" ein Finanzierungskonzept erwarte, dass zwischen dem geplanten Wirtschaftsstabilisierungsfonds und der Bundesregierung abgestimmt sei. "Da sich unsere Liquidität absehbar weiter verringert, hoffen wir auf einen raschen Abschluss der politischen Willensbildung und einen zukunftsweisenden Kompromiss in Berlin, der auch unsere Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb berücksichtigt", heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter.

Der Lufthansa-Vorstand stimmte die Belegschaft zudem auf weitere "schmerzhafte Restrukturierungen" ein. Man müsse 2021 noch damit rechnen, dass rund 300 der ursprünglich 760 Konzern-Flugzeuge am Boden stehen. 2022 werden nach der Prognose noch 200 Flieger nicht benötigt, bevor im 2023 mit rund 660 Jets die Krise überstanden sei. Auch die Service-Gesellschaften LSG Sky Chefs und die Lufthansa Technik müssten wegen fehlender Aufträge Stellen in großer Zahl reduzieren.

Die Lufthansa hatte am 7. Mai einen Zwischenstand zu den Gesprächen über ein Rettungspaket von rund neun Milliarden Euro veröffentlicht. Neben einer stillen Beteiligung des noch nicht etablierten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) geht es um einen KfW-Kredit und als kleinsten Bestandteil um eine direkte Beteiligung des Bundes am Grundkapital des Dax-Konzerns. Diese könnte bis zu einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Stimme reichen. Auch will der Staat im Aufsichtsrat vertreten sein. Lufthansa will den staatlichen Einfluss möglichst gering halten.

Der multinationale Konzern spricht auch mit anderen Staaten um Hilfen in der Corona-Krise. Die Schweiz hat bereits eine zum größten Teil vom Staat besicherte Kreditlinie über 1,4 Milliarden Euro freigegeben. Österreich wie Belgien pochen für ihre Hilfen auf Standortgarantien, müssen sich aber wie die Deutschen auf ein kleineres Angebot von ihren Drehkreuzen einstellen.

Von: dpa, dh

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