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Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket und EU-Auflagen zu

Nach der Einigung der Bundesregierung mit der EU-Kommission hat nun der Lufthansa-Aufsichtsrat dem staatlichen Rettungspaket grünes Licht gegeben. Als nächstes sind die Aktionäre am Zug. Auch die EU muss noch zustimmen.

Karl-Ludwig Kley. © dpa / Rolf Vennenbernd

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat die Auflagen der EU-Kommission für ein milliardenschweres Hilfspaket des Staates akzeptiert. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Ludwig Kley laut einer Pressemitteilung am Montag nach der Sitzung des Gremiums.

Als nächstes sollen nun auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni auch die Aktionäre das Vorhaben billigen. Wegen der Corona-Pandemie wird die Versammlung via Livestream stattfinden. Auch die Notifizierung durch die Bundesregierung in Brüssel und die förmliche Genehmigung der EU-Kommission stehen noch aus.

Lufthansa empfiehlt Aktionären Zustimmung

"Wir empfehlen unseren Aktionären, diesen Weg mitzugehen, auch wenn er ihnen substanzielle Beiträge zur Stabilisierung ihres Unternehmens abverlangt", sagte Kley.

Anleger scheinen der Aufforderung Folge zu leisten. Auf der Handelsplattform Tradegate legte der Aktienkurs von Lufthansa zuletzt um knapp vier Prozent zu. Belastbare Reaktionen der Börse sind allerdings erst am Dienstag zu erwarten. Wegen Pfingstmontag findet in Frankfurt kein Handel statt.

Die Lufthansa hat derzeit massive Umsatzrückgänge wegen der Corona-Pandemie. Der Konzern und die Bundesregierung hatten sich am vergangenen Montag auf ein neun Milliarden Euro schweres Stützungsprogramm geeinigt. Diesem Paket stimmte der Lufthansa-Aufsichtsrat am vergangenen Mittwoch aber aus Sorge vor den wirtschaftlichen Auswirkungen von Auflagen aus Brüssel zunächst nicht zu.

In der Nacht zum Samstag hatte eine Sprecherin der EU-Kommission dann aber eine Einigung verkündet. Die Lufthansa werde "gewisse Slots" in Frankfurt und München "zur Verfügung stellen", wenn die Flughäfen dort wieder "überfüllt" seien.

Acht Flugzeuge und 24 Slots weniger

Die Airline wird nach eigenen Angaben jeweils bis zu vier Flugzeuge in Frankfurt und in München abgeben - an die acht Maschinen sind je drei Slots am Tag gebunden, also Start- und Landerechte. Diese Option steht demnach für zumindest anderthalb Jahre nur neuen Wettbewerbern zur Verfügung. Falls kein neuer Wettbewerber von der Option Gebrauch mache, werde die Option auch auf vorhandene Wettbewerber an den jeweiligen Flughäfen erweitert.

Die Zustimmung des Aufsichtsrates sei nun eine "sehr schwierige Entscheidung" gewesen, erklärte der Vorsitzende des Gremiums, Karl-Ludwig Kley. "Nach intensiver Diskussion haben wir uns dazu durchgerungen, dem Vorschlag des Vorstands zuzustimmen."

Slots sind eine wichtige Größe in der Branche - daher waren die Verhandlungen um diese Zahl hart: Anfänglich war von 20 Flugzeugen mit bis zu 80 Slots die Rede, dann war die EU auf knapp 50 Slots runtergegangen. Lufthansa hatte zunächst nur angeboten, temporär auf 3 Start- und Landepaare zu verzichten. Geeinigt hat man sich nun auf besagte 24 Slots.

"Stabilisierung ist kein Selbstzweck"

Vorstandschef Carsten Spohr sagte, die Stabilisierung der Lufthansa sei kein Selbstzweck. "Gemeinsam mit der Bundesregierung muss es unser Ziel sein, unsere Spitzenposition im globalen Luftverkehr zu verteidigen."

Der Konzern erwartet, dass es Jahre dauert, bis die Luftfahrtbranche wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Konzernchef Spohr hält deshalb eine Anpassung der Kapazitäten für unvermeidbar. "Mit unseren Tarif- und Sozialpartnern wollen wir unter anderem darüber sprechen, wie die Auswirkungen dieser Entwicklung möglichst sozialverträglich abgefedert werden können", erklärte er am Montag.

Über den aktuellen Stand und die erforderlichen Maßnahmen in Deutschland werde der Vorstand mit den Gewerkschaften Verdi, Vereinigung Cockpit und Ufo bei einem Spitzengespräch beraten.

Von: dh mit AFP, dpa

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