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Lufthansa-Aufsichtsrat erwägt Insolvenz statt Staatshilfen

Lufthansa-Aufsichtsräte bringen wieder eine Pleite der Fluglinie ins Spiel. Die Auflagen der EU würden das Geschäftsmodell gefährden. Denn die Wettbewerbshüter wollen viele Slots und bis zu 20 Flugzeuge im Zubringerverkehr wegnehmen.

Eingemottete Lufthansa-Flugzeuge am Flughafen München. © Flughafen München / Alex Tino Friedel

Im Streit um das milliardenschwere staatliche Rettungspaket haben Lufthansa-Aufsichtsräte eine Pleite der Fluglinie ins Spiel gebracht. Eine sogenannte Insolvenz in Eigenverwaltung habe durchaus Vorteile gegenüber den Staatshilfen, zitierte das Magazin "Focus" am Freitag Mitglieder des Aufsichtsgremiums.

So könnte bei einer Insolvenz beispielsweise die Rückerstattung von Flugtickets, die mit bis zu 1,8 Milliarden Euro veranschlagt wird, ausgesetzt werden.

Außerdem wären Entlassungen und die Schließung unrentabler Tochterfirmen einfacher möglich. Dadurch könnten weit mehr als die bislang anvisierten rund 10.000 Jobs wegfallen. "Die Ablehnung des Rettungspakets ist ein Signal an die Bundesregierung, noch einmal mit Brüssel zu verhandeln", zitiert "Focus" ein Aufsichtsratsmitglied.

Rücklagen wären im Herbst aufgebraucht

Nach eigenen Angaben verliert Lufthansa derzeit eine Million Euro pro Stunde. Die Rücklagen von knapp vier Milliarden Euro wären damit im Herbst aufgebraucht. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung wäre deshalb frühestens 2021 möglich.

Der Lufthansa-Aufsichtsrat hatte am Mittwoch dem Rettungspaket der Bundesregierung vorerst nicht zugestimmt. Hintergrund sind Berichte über Forderungen von Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, wonach die Lufthansa im Gegenzug für staatliche Hilfen Start- und Landerechte an Wettbewerber abtreten müsse.

EU soll Abgabe von 20 Flugzeugen gefordert haben

Zunächst soll die EU-Kommission die Abgabe von 20 Flugzeugen gefordert haben. Lufthansa hatte den Angaben aus Verhandlungskreise zufolge zunächst die Abgabe von drei Flugzeugen angeboten, das hatte aber die EU-Kommission laut Bericht abgelehnt.

Wie am Freitagabend verlautete, sieht nun ein Kompromiss vor, dass Lufthansa nun doch nur acht Flugzeuge mitsamt der dazugehörigen 24 Start- und Landerechte abgeben soll - jeweils vier Maschinen in Frankfurt und München. Damit könnten Wettbewerber an den beiden Heimatflughäfen von Lufthansa jeweils eine eigene Basis errichten.

Von: dh mit dpa, AFP

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