Lufthansa treibt Aufarbeitung voran

Lufthansa fordert von Ufo und einzelnen Gewerkschaftern fast eine Million Euro. Die Aufarbeitung der Vorfälle läuft - nach airliners.de-Informationen hat der Konzern dafür eine eigene Kommission gegründet.

Flugzeuge der Lufthansa. © dpa / Sven Hoppe

Die Aufarbeitung der vermeintlich ungerechtfertigterweise geleisteten Zahlungen der Lufthansa an Funktionäre der Flugbegleitergewerkschaft Ufo beschäftigt den Kranich-Konzern intensiv. Nach airliners.de-Informationen aus dem Unternehmensumfeld ist eine fünfköpfige Kommission mit Vertretern der Lufthansa-Konzernrevision und -Rechtsabteilung zusammengestellt worden. Diese würden intern Dutzende Mitarbeiter befragen.

Offenbar geht es darum, auch fernab von Ufo einen Schuldigen zu finden, heißt es von einer mit der Sache vertrauten Person. Der Konzern wollte sich auf Anfrage nicht im Detail dazu äußern: "Lufthansa hat interne Untersuchungen zur Prüfung und Aufklärung der Situation eingeleitet", so eine Sprecherin.

Termine namentlich Beschuldigter

Kommende Woche müssen sich auch zwei der drei Beschuldigten, die Gewerkschafter Nicoley Baublies und Daniel Flohr, dem Gremium stellen. Beide bestätigen gegenüber airliners.de, Einladungen zu Mitarbeitergesprächen bekommen zu haben. Ob auch der dritte namentlich Beschuldigte - Ex-Ufo-Chef Alexander Behrens - angehört wird, ist nicht bekannt. Auf Anfrage teilt sein Anwalt mit, dass "in der Sache (...) aufklärend und sachlich gearbeitet und intern kommuniziert" werde. Diese Vorgehensweise wolle man nicht "durch Pressemitteilungen gefährden".

Baublies kritisiert das Vorgehen, denn man bräuchte dringend Termine für neue Tarifverhandlungen. "Lufthansa weigert sich jedoch, diese zu vereinbaren." Zum einen laufe Ende Februar der Tarifvertrag Neueinstellungen aus und zum anderen seien in den 2016 vereinbarten Tarifwerken Klauseln, dass bis Ende 2018 verschiedene Neuregelungen gefunden werden müssten. "Da ist es unverzichtbar, dass wir alle wieder an einen Verhandlungstisch zurückkehren."

Die Forderungen von Lufthansa

Lufthansa verlangt über 800.000 Euro von der Gewerkschaft und einzelnen Funktionären. So sei Ende November aufgefallen, dass "Freistellungstage für Gewerkschaftsarbeiten nicht vollumfänglich abgerechnet und beglichen worden sind". Für die Freistellung von Baublies und Flohr für die Zeit von Januar 2015 bis November 2018 seien demnach rund 525.600 Euro angefallen. Hinzu kommen noch einmal 206.000 Euro, die der Konzern von Baublies direkt fordert.

Ufo bezeichnet die Forderungen in einem Brief an den Konzern als "unbegründet". Zum einen seien Ufo-Funktionäre gemäß des Manteltarifvertrags und des Tarifvertrags Sozialpartnerschaft für Verhandlungen auf Lufthansa-Kosten freizustellen. Zum anderen sei für Baublies und später auch für Flohr mit dem Konzern das Modell der "leeren Dienstpläne" vereinbart worden.

Freistellungen

Verhandlungstätigkeiten von Ufo werden bei Lufthansa auf zwei Arten abgerechnet:

  1. Betreffen Freistellungstage von Ufo konkret Verhandlungen mit Lufthansa, werden diese gemäß Paragraf 15 des Manteltarifvertrags auch vom Konzern getragen.
  2. Betreffen Freistellungstage hingegen andere Ufo-Themen (inklusive Vorstandssitzungen und Tarifverhandlungen beispielsweise bei Ryanair und Eurowings), wird der Dienstausfall der Gewerkschaft in Rechnung gestellt.

Dieses besagt laut Gewerkschaft, dass Lufthansa für die beiden Gewerkschafter angesichts von einer Vielzahl an Verhandlungsterminen mit Ufo nicht fortlaufend neue Dienstpläne ausarbeiten muss. Da sich der Großteil der Tarifverhandlungen auf den Kranich-Konzern beziehe, sollten keine einzelnen Freistellungen mehr eingeplant werden.

Von: cs

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