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Lufthansa und Alitalia beginnen Verhandlungen

Lufthansa will die kriselnde Alitalia kaufen - allerdings sollen nur rund 55 Prozent des Personals übernommen werden. Gewerkschaften lehnen die Pläne ab. Ungeachtet dessen haben nun Verhandlungen begonnen.

Airbus A319 der Alitalia Foto: © AirTeamImages.com,

Lufthansa hat konkrete Übernahme-Verhandlungen mit Alitalia begonnen. Konzernchef Carsten Spohr und Air-Dolomiti-CEO Jörg Eberhard seien dafür nach Rom gereist, berichten italienische Medien.

Der Kranich-Konzern will dem Vernehmen nach bis zu 250 Millionen Euro bezahlen und rund 6000 der rund 11.000 Arbeitsplätze übernehmen; die von der italienischen Regierung eingesetzten Sonderkommissare dringen wohl auf eine Zahlung von 400 Millionen Euro und einem weitaus kleineren Arbeitsplatzabbau. Beide Seiten sollen aber Verhandlungsbereitschaft signalisiert haben.

Lufthansa will Alitalia ähnlich wie Swiss sanieren. 100 Maschinen soll Alitalia zukünftig fliegen - aktuell sind es noch 122. Auch will der Konzern nur fliegendes Personal übernehmen - an den Bodendienstleistern hat der Kranich kein Interesse. Rom solle ein Drehkreuz bleiben - Mailand gehe für Punkt-zu-Punkt-Verkehre an Eurowings.

Alitalia-Gewerkschaften hatten sich daraufhin gegen die Pläne ausgesprochen. "Wenn eines der anderen Gebote angenommen wird, wäre es das Ende von Alitalia, wie wir es kennen. Es wäre effektiv eine Liquidation ", sagte ein Vertreter.

Offenbar keine Gespräche mit Cerberus

Neben den Gesprächen mit Lufthansa soll Alitalia auch Gespräche mit sechs weiteren Interessenten begonnen haben. Dazu gehört unter anderem Easyjet. Der US-Finanzinvestor Cerberus, der hierzulande bei Commerzbank und neuerdings wohl auch Deutscher Bank aktiv ist, gehört nicht zu denen, mit denen Alitalia offiziell verhandelt.

Cerberus hatte angeblich vorgeschlagen, die Airline komplett zu sanieren. Allein die angestrebte Übernahme solle 400 Millionen Euro kosten.

Verkauf zeiht sich weiter

Alitalia soll in zwei Losen verkauft werden. Das eine beinhaltet den Flugbetrieb einschließlich Flugzeugen und der Wartung. Der andere Teil beinhaltet die Bodenverkehrsdienste. Dabei haben die Verwalter auch Struktur- und Arbeitsplatzgarantien im Blick. Das scheint den Verkauf nicht zu vereinfachen. Hinzu kommt, dass Beschäftigte und die italienische Regierung weiter auf eine Komplettübernahme des Unternehmens hoffen.

Verkehrsminister Graziano Delrio hatte bereits bekräftigt, dass die Regierung mehr Zeit für die Prüfung der Angebote haben wolle, weil Alitalia nicht "verscherbelt" werden solle. Alitalia hielt sich in den vergangenen Jahren wie Air Berlin nur mit Geldspritzen der arabischen Etihad in der Luft.

© AirTeamImages, Jesus Moreno Lesen Sie auch: Lufthansa hat genaue Pläne für Alitalia

Alitalia ist seit Jahren in der Krise und hatte im Mai Insolvenz angemeldet, nachdem die Mitarbeiter mehrheitlich einen neuen Sparplan ablehnten. Der Staat als Eigner der Airline stellte einen Überbrückungskredit, der die Airline in der Luft hält. Zuletzt beantragte der Carrier neue Staatshilfen.

Von: cs

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