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Lufthansa kündigt Abmachungen zu Altersteilszeit an dezentralen Standorten

Nachdem die Verhandlungen zur Zukunft des Bodenpersonals abgebrochen wurden, schafft Lufthansa Fakten und kündigt Altersteilzeit-Verträge auf. Die zuständige Gewerkschaft Verdi ist über das Vorgehen erzürnt.

Mitarbeiter von Lufthansa © Lufthansa / Gregor Schlaeger

Der Konflikt zwischen Lufthansa und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verschärft sich weiter. Nach dem Abbruch der Verhandlungen zu einem übergreifenden Corona-Sanierungsvertrag hat das Unternehmen rund 80 Beschäftigten an den aufgegebenen dezentralen Standorten die Vereinbarungen zur Altersteilzeit gekündigt. Betroffen sind laut Verdi Beschäftigte in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Köln, Bremen, Nürnberg und Hannover.

"Es ist ein absolutes Unding, langjährig Beschäftigte auf diese Art abzustrafen, weil man meint, damit Personalkosten zu sparen", sagte die Verdi-Vizevorsitzende und Lufthansa-Aufsichtsrätin Christine Behle dazu. Mit Altersteilzeit könne man sozialverträglich die Arbeitsplätze jüngerer Beschäftigter sichern, meinte die Gewerkschafterin. Dass dieses Modell nun zurückgeführt werde, sei ein weiterer Tiefschlag.

Ende dezentraler Standorte schon lange beschlossen

Lufthansa begründete die Kündigungen mit den fehlenden Weiterbeschäftigungsperspektiven für die Leute an den verbliebenen Drehkreuzen in München und Frankfurt in Folge der Corona-Krise. Es treffe eine kleine Gruppe, die sich noch Ende Mai kommenden Jahres in der aktiven Phase der Altersteilzeit befunden hätte. Den Mitarbeitern würden wie vielen anderen auch faire Abfindungen angeboten. Das Ende der dezentralen Standorte war 2015 verkündet worden.

"Die Beendigung der Eigenabfertigung an den dezentralen deutschen Airport-Stationen außerhalb von Frankfurt und München ist bereits seit 2015 beschlossen. Sie hat ihre Ursache nicht in der aktuellen Krise. Die Schließungen sind planmäßig entsprechend der 2015 dafür geschlossenen Interessenausgleiche und Sozialpläne für das kommende Jahr vorgesehen", so die Sprecherin gegenüber airliners.de.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Lufthansa kündigt Mitarbeitern an dezentralen Standorten Exklusiv

In der Frage des Sanierungsbeitrags der gut 35.000 Bodenbeschäftigten warte der Konzern weiterhin auf ein substanziell verbessertes Angebot von Verdi, sagte die Sprecherin. Das Unternehmen hatte die Gespräche einseitig abgebrochen. Die bislang von Verdi angebotenen Einsparungen von rund 600 Millionen Euro entsprächen nur rund 8 Prozent der entsprechenden Personalkosten statt der notwendigen 20 Prozent.

Der teilverstaatlichte Lufthansa-Konzern hatte nach dem Corona-Einbruch seinen weltweiten Personalüberhang auf 22 000 Vollzeitstellen beziffert, von denen rund 11 000 auf Deutschland entfallen. Der Konzern rechnet mittelfristig mit einer um 100 Jets verkleinerten Flotte. Mit den Flugbegleitern ist sich Lufthansa grundsätzlich über den Sparbeitrag einig, während es für die Piloten bislang nur eine kurzfristige Zwischenlösung bis zum Jahresende gibt.

die Beendigung der Eigenabfertigung an den dezentralen deutschen Airport-Stationen außerhalb von Frankfurt und München ist bereits seit 2015 beschlossen. Sie hat ihre Ursache nicht in der aktuellen Krise. Die Schließungen sind planmäßig entsprechend der 2015 dafür geschlossenen Interessenausgleiche und Sozialpläne für das kommende Jahr vorgesehen. Für die dort Beschäftigten gab es seit 2016 Möglichkeiten eines Wechsels an die sogenannten Hub-Stationen der Lufthansa AG in Frankfurt und München sowie das Angebot von ATZ-Verträgen. Da auch an unseren Hub-Stationen durch die Corona-Krise große Personalüberhänge bestehen, ist eine Wechselmöglichkeit nicht mehr möglich. Das gilt auch für die Mitarbeiter in ATZ, deren aktive Phase noch über den 31.05.2021 hinausgeht. Kündigungen werden zum 31.05.2021 wirksam. Die betroffenen Mitarbeiter haben noch bis Mitte September die Möglichkeit, von dem Angebot der Abfindungen Gebrauch zu machen.

Von: dk, dpa

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