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Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com / Alun Morris Jones

Der Lufthansa-Aufsichtsrat hat einem schnellen Ausbau der Eurowings zugestimmt. Wie die Lufthansa Group am Dienstag nach einer Sitzung des Gremiums mitteilte, sollen dazu 61 Flugzeuge aus dem Bestand von Air Berlin gekauft werden. Insgesamt eine Milliarde Euro will Lufthansa dazu aufwenden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von einer "großen Chance, mit Eurowings in Europa einen entscheidenden Schritt voranzukommen". Aufsichtsrat und Vorstand seien sich einig, die Chance entschlossen zu nutzen. Das Geld stamme aus vorhandenen liquiden Mitteln.

Der geplante Kauf umfasst 41 Airbus-Mittelstreckenjets und 20 Turboprop-Maschinen des Herstellers Bombardier aus der Air-Berlin-Flotte. 20 weitere Airbus-Mittelstreckenjets aus der Air-Berlin-Flotte besitzt der Kranich-Konzern bereits oder hat verbindliche Optionen darauf, wie jetzt mitgeteilt wurde.

Milliarde fließt nicht an Air Berlin

Air Berlin ist allerdings nicht der Eigentümer der Flugzeuge. Die Flugzeuge kauft Lufthansa daher dem Vernehmen nach von den derzeitigen Leasinggebern. Daher fließt die Milliarde von Lufthansa auch nicht an Air Berlin.

Der nun bewilligte Flugzeugkauf hängt laut Lufthansa teilweise noch davon ab, ob die Verhandlungen zum Kauf von weiteren Teilen der Air Berlin zum Erfolg führen.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Lufthansa bietet auch für Air-Berlin-Regionaltochter LGW

Der von Air Berlin genannte und von Lufthansa nicht bestätigte Kaufpreis von 200 Millionen Euro sei zudem nicht in der jetzt vom Aufsichtsrat genehmigten Milliarde enthalten, präzisierte ein Sprecher auf Anfrage.

Gesamte Air-Berlin-Flotte aufgeteilt

Insgesamt will der Lufthansa-Konzern im Zuge der Air-Berlin-Zerschlagung somit 81 Maschinen übernehmen. Die Flugzeuge soll so gut wie alle bei Eurowings eingesetzt werden. Lediglich fünf Airbus-Maschinen sollen an die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian gehen.

Am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, dass neben Lufthansa auch Easyjet eine größere Anzahl von Flugzeugen übernehmen wolle. Rund 30 Mittelsreckenjets würden an die Billigairline gehen, teilte Air Berlin mit. Allerdings gäbe es noch "Schnittmengen", wie es hieß. Sollten Flugzeuge übrigbleiben, wäre Condor interessiert.

Damit ist mit Ausnahmen der A330-Langstreckenflotte und der 14 Tuifly-Boeings so gut wie die gesamte Air-Berlin-Flotte vergeben. Air Berlin hatte ihre Flotte in den vergangenen Jahren immer wieder umgebaut. Alle Flugzeuge sind geleast. Dazu hatte Air Berlin Leasingverträge mit rund zwei Dutzend Leasinggebern aufgesetzt.

Was mit der Air-Berlin-Flotte passiert

Foto: © dpa, Paul Zinken

Zum Ende des ersten Quartals 2017 hatte Air Berlin 144 Flugzeuge im Betrieb und war damit die Nummer zwei in Deutschland. Nach der Aufteilung ergibt sich folgendes Bild:

Von den einstmals 17 Langstreckenflugzeugen wurden am Wochenende zehn an den irischen Leasinggeber Aer-Cap zurückgegeben. Auch für die übrigen sieben Langstrecken-Airbus-Jets gibt es kein Gebot. Air Berlin stellt nun alle Langstrecken ein.

Insgesamt 14 Boeing 737 der Tuifly fliegen aktuell für Niki. Tuifly muss sich einen neuen Abnehmer suchen. Der Wetleasingvertrag wird von keinem Bieter übernommen.

34 Flugzeuge der A320-Familie fliegen für Air Berlin. 21 weitere bei der österreichischen Touristik-Tochter Niki, die nicht von der Insolvenz betroffen ist. 38 Airbus-Mittelstreckenflugzeuge sind zudem an den Lufthansa-Konzern mit seinen Töchtern Austrian und Eurowings verleast. (Summe: 93)

20 Flugzeuge davon gehören schon der Lufthansa (15) oder sind von ihr bei den Leasinggesellschaften mit Kaufoption angemietet (5). Weitere 41 Maschinen will Lufthansa ebenfalls kaufen (alle für Eurowings bis auf 5 für Austrian), 30 weitere Airbus-Maschinen gehen an Easyjet. Bleibt ein Rest von zwei Flugzeugen der Airbus-A320-Familie.

Zur Flotte von Air Berlin gehören zudem 20 Turbopropflugzeuge vom Typ Bombardier Dash 8Q-400. Sie werden von der Tochter Luftfahrtgesellschaft Walter betrieben und mit ihren 74 Sitzen vor allem im Regionalverkehr eingesetzt. Alle Maschinen will Lufthansa für Eurowings kaufen.

Neben den Flugzeugen, die Lufthansa nun offenbar den Leasingebern abkauft, zählt für die Bieter aber auch der schnelle Zugriff auf die Maschinen samt Crews. Dafür sollen rund 3000 Piloten und Flugbegleiter von der ehemaligen Konkurrenz angeworben werden.

Die Air-Berlin-Mitarbeiter müssen sich allerdings bei Eurowings neu bewerben. Gewerkschaften befürchten, dass Mitarbeiter in diesem Fall deutliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen und fordern Regelungen zum Betriebsübergang.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Gewerkschaften fordern Betriebsübergänge bei Air-Berlin-Aufteilung

Die Air-Berlin-Verhandlungen mit den "ausgewählten Bietern" Lufthansa und Easyjet sollen noch bis zum 12. Oktober dauern. Experten gehen davon aus, dass zudem noch bis zu drei Monate vergehen könnten, bis die Wettbewerbsbehörden die Verträge prüfen. Gleichzeitig könnten Klagen das Verfahren verlängern.

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