airliners.de Logo

Luftfracht profitiert bisher kaum von Impfstofftransporten

Die meisten Covid-Impfstoffe werden derzeit per LKW transportiert - und nicht mit Flugzeugen. Damit bleibt die Hoffnung der Luftfrachtbranche auf zusätzliche Einnahmen durch die "größte Luftbrücke aller Zeiten" bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Das könnte sich allerdings noch ändern.

Ein Container mit dem Corona-Impfstoff des chinesischen Biotechunternehmens "Sinovac" am Flughafen Hongkong. © dpa / Tyrone Siu/Pool Reuters/AP/dpa

Der weltweite Transport der Covid-19-Impfstoffe sollte der Luftfracht erhebliche Umsätze bescheren. Airline-Manager sprachen schon von der "größten Luftbrücke aller Zeiten" - und hatten Dollar-Zeichen in den Augen. Das war im vergangenen Oktober und November. Heute, rund vier Monate später, sind die tatsächlichen Zahlen eher ernüchternd.

Der Appell, den die International Air Transport Association (Iata) am 9. September des vergangenen Jahres veröffentlichte, klang dramatisch. "Wir fordern die Regierungen auf, eine sorgfältige Planung mit den Interessenvertretern der Industrie zu beginnen, um volle Bereitschaft zu gewährleisten, wenn die Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen und zur Verteilung verfügbar sind."

Der Transport von Coronavirus-Impfstoffen um die Welt werde "die größte Transportherausforderung aller Zeiten" sein und das Äquivalent von 8000 Boeing-747-Frachtern erfordern, prognostizierte Iata-Chef Alexandre de Juniac. Um diese Herausforderung zu bewältigen, hat die Iata sogar eine Reihe von Initiativen gestartet, die darauf abzielen, einen globalen Lufttransportplan für Impfstoffe zu erstellen.

Viel Lärm um wenig

Inzwischen produzieren Biontech/Pfizer, Moderna, Astra Zeneca sowie Johnson & Johnson rund um die Uhr Covid-19-Impfstoffe, ergänzt durch den russischen Sputnik V und das chinesische Serum Sinovac. Und die Folgen für die Luftfracht? Einige Covid-19-Lieferungen, die an Bord von Flugzeugen geladen sind, werden hier und da gesichtet, oft von viel Pressearbeit begleitet. Aber die prognostizierten Massen von Corona-Impfstoffen an Bord von Frachtflugzeugen ist noch nirgends gesichtet worden. Zumindest noch nicht.

Die neue Lufthansa-Cargo-Chefin Dorothea von Boxberg sagte bei der Vorstellung des Jahresergebnisses, dass rund 45 Prozent des gesamten weltweiten Impfstoffvolumens auf dem Luftweg transportiert werden sollen. Das entspricht rund 87.000 Tonnen. Davon "hoffen wir, 10.000 Tonnen abzufangen", sagte sie. Eine Zahl, die in etwa die Hauptdecks von 100 Boeing 777-Frachtern füllen würde, und eine Menge, die im Vergleich zu den anfänglichen, hochtrabenden Iata-Ankündigungen über die benötigte Uplift-Kapazität sehr überschaubar zu sein scheint.

LKW schlägt Flugzeug

Bislang wurden die meisten Impfstoffsendungen einfach per LKW von den Produktionsstätten zu den lokalen oder regionalen Impfzentren transportiert. "Aktuell sehen wir sogar noch weniger Lufttransporte als ursprünglich gedacht, weil es immer noch einen großen Impfstoff-Engpass gibt und daher vieles in den Regionen bleibt, wo es produziert wird - also: in den USA, Indien, China oder der EU. Das wird sich aber im Laufe des Jahres massiv ändern", sagt Andreas Seitz, Geschäftsführer des ULD-Anbieters Dokasch-TS.

Sendungen, die geflogen werden, werden in mit Eis gefüllten Tiefkühlboxen untergebracht, um Temperaturen zwischen minus 20 und minus 70 Grad Celsius während des Transports zu sichern. Doch mit zunehmender Impfstoffproduktion vertragen die meisten der anstehenden Seren einen Temperaturbereich zwischen plus zwei und plus acht Grad Celsius. Hier kommen die RAP-Opticooler von Dokasch-TS ins Spiel. Sie werden elektrisch gekühlt und garantieren konstant kühle Innentemperaturen über einen Zeitraum von 120 Stunden. Ein ähnliches ULD bietet der Wettbewerber Envirotainer mit seinem RKN e1-Container an, der mit elektrischer Heizung und Kompressorkühlung für niedrige Temperaturen während des Transports sorgt.

Bislang warten die beiden führenden ULD-Anbieter allerdings noch darauf, dass die Covid-19-Impfstoffe massenhaft geflogen werden. "Bislang haben wir höchstens hier und da eine Lieferung. Aber wenn man es positiv betrachtet, erwarten wir, dass die Nachfrage im Laufe des Jahres steigen wird. Allerdings nicht so dramatisch, wie wir ursprünglich dachten", sagt Seitz. Sollte die Nachfrage nach den Kühlboxen seines Unternehmens unerwartet schnell ansteigen, hat Dokasch-TS rund 100 RAP Opticooler auf Lager, die sofort eingesetzt werden können, betont er. "Sie können direkt vor Ort eingesetzt werden, um Impfstoffe schnell und sicher auf dem Luftweg zu transportieren."

Dieser Artikel ist zuerst bei unserer Partnerpublikation CargoForwarder erschienen.

Von: Heiner Siegmund

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Luftfracht Corona-Virus Rahmenbedingungen Netzwerkplanung Verkehr Behörden, Organisationen IATA Fluggesellschaften