Luftfahrtbranche muss Wegfall der Zeitumstellung gut vorbereiten

Die EU hat entschieden, die Zeitumstellung abzuschaffen. Für die Luftfahrt bedeutet das Veränderungen im Slot-Management. Das betrifft Interkontinentalverbindungen - und im schlimmsten Fall sogar Flüge innerhalb Europas.

Eine Abflugtafel an einem Flughafen. © dpa / Judith Michaelis

Nach der Entscheidung des EU-Parlaments für das europaweite Ende der Zeitumstellung 2021 steht die Luftfahrtbranche vor logistischen Herausforderungen. Interessenvertretungen der Luftfahrtbranche wie Iata und Airlines-4-Europe erwarten im Zuge des Wegfalls der Zeitumstellung "deutliche Auswirkungen" auf die Branche.

Der Flughafen München hat dabei vor allem die interkontinentalen Verbindungen im Blick: "Alle Flüge von und zu Zielen außerhalb der EU werden plötzlich eine Stunde 'falsch' liegen", hieß es es auf Anfrage von airliners.de. An einem Flughafen, der nahe am Limit operiere, sei es schier unmöglich, eine solche große Zahl an Slots neu zu vergeben.

© Bundesregierung, Lesen Sie auch: Abschaffung der Zeitumstellung: Bund lässt Luftfahrt warten

Zwar weisen Kenner der internationalen Flugplangestaltung darauf hin, dass das Slot-Management global auf Basis der UTC-Zeiten stattfinde, weshalb eine Zeitumstellung in den allermeisten Fällen kein Problem sei. Wichtig ist vor allem eine möglichst frühe Planungssicherheit. Denn in Verbindung mit Nachtflugverboten kann es im internationalen Luftverkehr durchaus zu Komplikationen kommen.

Flüge, die am frühen Morgen oder späten Abend in Deutschland von außerhalb der EU eintreffen, können ohne Zeitumstellung jeweils eine Stunde zu früh oder zu spät dran sein. Entsprechend würden andere Slots an den Abflughäfen benötigt als in all den Jahren zuvor mit Zeitumstellung, was an den stark ausgelasteten internationalen Drehkreuzen durchaus zum Problem werden kann. Gleichermaßen verhält es sich im Umkehrschluss bei Flügen aus der EU heraus.

Ein Beispiel des Flughafens München zeigt die Auswirkungen: Aktuell landet der nächtliche Flug aus Hong-Kong beispielsweise immer morgens knapp nach dem Nachtflugverbot am Münchner Airport. Würde die Zeitumstellung dauerhaft abgeschafft, müssten die Maschinen das ganze Jahr über um UTC plus acht (16 Uhr chinesischer Zeit) in Hong-Kong starten; allerdings zeigt der Blick in die Tabelle der Slot Coordination, dass es maximal um kurz vor und nach elf Uhr vormittags noch Slots zum Starten geben würde.

Zeitzonen-Flickenteppich soll verhindert werden

Aber es gibt noch ein Thema, dass die Luftfahrtbranche beschäftigt. Gemäß dem Plan der EU-Kommission kann jedes Land für sich entscheiden, in welcher Zeitzone es dauerhaft bleibt: Um einen Flickenteppich zu verhindern, der dann auch die europäischen Flugpläne durcheinander wirbeln würde, sollen die EU-Staaten nun ein Jahr Zeit erhalten, ihre Pläne zu koordinieren.

Für die tatsächliche Abschaffung der Zeitumstellung muss nach dem Votum des EU-Parlaments nun noch ein Kompromiss mit den Mitgliedsstaaten erzielt werden. Die EU-Staaten sollen der EU-Kommission bis April 2020 mitteilen, welche Zeit sie dauerhaft beibehalten wollen – die Winter- oder die Sommerzeit. Im März 2021 soll dann zum letzten Mal die saisonale Zeitumstellung auf Sommerzeit erfolgen.

Von: dk

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