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London High Court will Air-Berlin-Schadenersatz gegen Etihad verhandeln

Das Gerichtsverfahren der Air-Berlin-Gläubiger um Schadenersatz gegen Etihad könnte von Deutschland nach Großbritannien wandern. Etihad hatte die Verlegung angestrebt, in Berlin will man die Entscheidung anfechten.

Leitwerke von Etihad (links) und Air Berlin. © Air Berlin

Im Streit um Schadenersatz zwischen den Air-Berlin-Gläubigern und dem ehemaligen Großaktionär Etihad hat sich der britische High Court in London jetzt als zuständig erklärt. Etihad hatte Berlin nicht als Gerichtsstand der Klage anerkannt, bei der es um eine nicht eingehaltene Patronatserklärung der Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geht.

Die Air-Berlin-Gläubiger hatten Etihad im Sommer 2018 beim Landgericht Berlin auf Schadensersatz verklagt, da sich der Großaktionär im April 2017 in einer schriftlichen Patronatserklärung ihrer Ansicht nach rechtsverbindlich verpflichtet hatte, Air Berlin mindestens 18 Monate weiter finanziell zu unterstützen. Knapp vier Monate später hatte Etihad diese Zusage allerdings zurückgezogen, woraufhin Air Berlin Insolvenz anmelden musste.

Air-Berlin-Abwickler Lucas Flöther hat nun angekündigt, in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss alle rechtlichen Optionen gegen die Entscheidung des High Court zu prüfen. "Etihad fürchtet zu Recht, in einem Gerichtsverfahren zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt zu werden", sagte Flöther. Deshalb wolle Etihad einen Rechtsstreit vor deutschen Gerichten verhindern. Air Berlin sei aber eine deutsche Fluggesellschaft mit rechtlichem und tatsächlichem Sitz in Berlin, so der Verwalter.

Air Berlin firmierte als britische PLC

Allerdings firmierte die insolvente deutsche Fluggesellschaft zuletzt als britische PLC. Der Streitfall obliegt daher nach Ansicht Etihads "der ausschließlichen Zuständigkeit der englischen Gerichte", wie ein Sprecher der Etihad im Januar gegenüber airliners.de mitteilte. Das habe man mit Air Berlin im Voraus auch entsprechend vereinbart. "Nach europäischem Recht muss das Verfahren in Berlin eingestellt werden", so der Sprecher damals.

Nach einer Streitwert-Festlegung des Berliner Landgerichts geht es bei der Schadenersatzklage um bis zu zwei Milliarden Euro. Noch hat der Prozess aber nicht begonnen. Etihad hatte zuletzt in Berlin die Aussetzung des Verfahrens beantragt, da ihrer Ansicht nach der High Court in London vorrangig zuständig sei. Mit seiner Entscheidung ist der High Court nun einer Entscheidung des Landgerichts Berlin zuvorgekommen.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Air-Berlin-Klage: Etihad bestreitet deutsche Zuständigkeit

Die Klage wegen der gebrochenen Patronatserklärung hatte sich lange verzögert, weil zunächst ein Prozessfinanzierer gefunden werden musste. Das erstrittene Geld soll den Gläubigern zufließen.

Etihad als nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate hielt seit dem Jahr 2012 Anteile von 29,2 Prozent an Air Berlin. Sie versorgte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft über verschiedene Instrumente immer wieder mit frischem Geld und sicherte sich über die Beteiligung Zugang zum deutschen Markt.

Denn sie schmiedete mit den Beteiligungen an Air Berlin, Alitalia und Darwin Airlines ein Netzwerk europäischer Airlines, die den Hub in Abu Dhabi feeden und so stärken sollten. Doch der Plan schlug fehl - der Architekt des Konzepts, Etihad-Chef James Hogan, wurde ersetzt. Seit dem suchen die Araber nach einer neuen Strategie.

Von: dh, cs

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