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LH-Flugschüler klagen gegen Ausbildungsabbruch - Kritik an "Tarifflucht"

Über einhundert Flugschüler klagen gegen den Abbruch ihrer Ausbildung bei Lufthansa Aviation Training. Die Vereinigung Cockpit unterstützt sie darin und wirft Lufthansa kurzsichtiges Handeln vor. Zudem hintertreibe der mit Staatsgeld gerettete Carrier Tarifverträge, heißt es auch aus der Politik.

Die Lufthansa Aviation Training bündelt ihre Flugschulen unter dem Dach der European Flight Academy. © Lufthansa Aviation Training

Über einhundert Flugschüler der Flugschule Lufthansa Aviation Training (LAT), deren Ausbildung im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Krise abgebrochen worden war, klagen auf Fortsetzung der Ausbildung. Sie wollen die Verschiebung an andere Flugschulen nicht hinnehmen, da es sich um "eine geringwertigere Ausbildung" handele, so eine Anwältin.

Beim Arbeitsgericht Frankfurt seien dafür nun die entsprechenden Klagen eingereicht worden, teilte die Vereinigung Cockpit (VC) mit. Die LAT wolle für einen Großteil der Flugschülerinnen und Flugschüler die Ausbildung an externe Schulen auslagern. Sie begründe ihre Pläne mit dem aufgrund der Corona-Krise mangelnden Pilotenbedarf der Fluggesellschaften des Lufthansa-Konzerns.

Bisher habe jedoch kein Flugschüler das Angebot zur Auslagerung der Ausbildung angenommen.Ihnen entstünde bei der Auslagerung an externe Flugschulen der Nachteil, dass sie nicht länger die Kriterien für direkte Einstellbarkeit bei Lufthansa erfüllen würden und deshalb ein erneutes Auswahlverfahren mit hohen Durchfallquoten durchlaufen müssten. Diese direkte Einstellbarkeit sei für einen Großteil von entscheidender Bedeutung gewesen, sich für die teure und anspruchsvolle Ausbildung bei Lufthansa zu entscheiden. Aus diesem Grund habe ihre Schulung vertragsgemäß auch an der Pilotenschule der Lufthansa in Bremen zu erfolgen, so die VC.

"Verurteilen Vorgehen auf das Schärfste"

"Es ist extrem befremdlich, wie die Lufthansa die Zukunftsperspektive Hunderter junger Menschen völlig unnötig in Frage stellt." Das Vorgehen des Konzernvorstandes im Hinblick auf die Flugschule, die Fluglehrerkollegen und den Umgang mit den Flugschülern verurteile man aufs Schärfste, sagt Markus Wahl, Präsident der Vereinigung Cockpit. Die Krise werde irgendwann ein Ende haben und dann werde wieder hochqualifiziertes Cockpitpersonal gebraucht.

Die Pilotenvereinigung wie auch Klaus Ernst, Bundestagsabgeordneter der Linken, verdächtigen Lufthansa zudem der "Tarifflucht". "Es konkretisiert sich der Verdacht, dass die Lufthansa Tarifflucht begehen will, indem sie den Standort Bremen schließt und ihre Kooperation mit der Bundeswehr auf den Standort Rostock verlagert, wo es keinen Tarifvertrag gibt. Das Bundesverteidigungsministerium scheint dieses Spiel mitspielen zu wollen. Das ist nicht hinnehmbar", so Ernst in einem Statement.

Ein Vorgang, den die VC bestätigt. Weite Teile der zivil-militärischen Kooperation mit der Bundeswehr, die in bei LAT in Bremen unter anderem Transportpiloten schulen lässt, würden derzeit an den untarifierten Standort Rostock-Laage ausgelagert. "Dass sich das Verteidigungsministerium für tarifpolitische Machtverschiebungen andient und somit mit Steuermitteln Tarifflucht begangen werden kann, ist auf das Schärfste zu kritisieren", so Marcel Gröls, Leiter Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit.

Das Vorgehen der Lufthansa zeige deutlich, dass die Strategie einer stillen Beteiligung des Bundes ohne Mitsprache "absolut inakzeptabel ist", folgert Ernst. "Ich fordere Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf, endlich einzugreifen und dieser Tarifflucht mit Steuermitteln Einhalt zu gebieten." Der Flugschulenstandort in Bremen müsse erhalten bleiben, die geschlossenen Ausbildungsverträge ordnungsgemäß erfüllt werden. "In Sonntagsreden betonen Mitglieder der Bundesregierung regelmäßig, wie wichtig Tarifverträge seien. Jetzt haben sie die Gelegenheit, diese Worte mit Taten zu untermauern."

Von: dk

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