Interview "Die LGW-Piloten wünschen sich eine Rückkehroption"

Zeitfracht kauft die Ex-Air-Berlin-Tochter LGW von Lufthansa und will die Regionalairline zu einem großen Wetlease-Anbieter aufbauen. Im airliners.de-Interview erklärt die Pilotenvereinigung Cockpit, warum sie sich dennoch um Rückkehroptionen bemüht.

Ein Pilot in Uniform. © dpa / Valentin Gensch

Lufthansa verkauft die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) an die Zeitfracht Gruppe. Der Betriebsübergang soll zum 1. April stattfinden. Neben allen Mitarbeitern übernimmt der Berliner Logistiker auch die Flotte von 17 Bombardier-Q400-Regionalflugzeugen - und lässt diese weiterhin für Eurowings abheben. Geplant ist zudem, zukünftig auch für andere große Airlines abzuheben. Janis Schmitt, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und selbst LGW-Pilot, reagiert auf den Deal im airliners.de-Interview vorsichtig optimistisch:

airliners.de: Herr Schmitt, Lufthansa hat die Regional-Airline LGW verkauft, um die Zukunftsfähigkeit der Airline zu stärken. Wie haben die Mitarbeiter das aufgenommen?
Janis Schmitt: Von der Stimmung her ist der neue Arbeitgeber sehr positiv aufgenommen worden. Aber wir haben uns natürlich gefragt, wie jemand mit der LGW Geld verdienen kann, wenn genau das bisher anscheinend nicht geschafft wurde, warum sonst sollte man die LGW samt Mitarbeitern verkaufen. Die Frage muss sich die Lufthansa schon gefallen lassen. Es hört sich immer sehr gut an, wenn jemanden gefunden wird, der etwas besser kann als man selbst - in diesem Fall die Zukunftssicherheit für die Mitarbeiter der Firma LGW sicherzustellen. Nur in wie weit sich die Zeitfracht-Strategie wirklich am Markt bewährt, ist für die Mitarbeiter noch nicht absehbar und bleibt abzuwarten.

Was befürchten Sie denn?
Das Fragezeichen habe ich genannt. Es ist nunmal so, dass sich die Mitarbeiter bei einer Lufthansa-Konzerntochter sehr sicher fühlen können. Jetzt würden die LGW-Mitarbeiter diese Sicherheit gerne behalten. Das ganze ist neu, denn immerhin hat die Lufthansa bislang noch nie einen 100-prozentigen Tochter-Flugbetrieb verkauft. Aber wie gesagt wurde die neue Geschäftsführung sehr positiv in Empfang genommen und jetzt versprechen sich die Mitarbeiter, dass Wort gehalten wird. Die Sicherheit in einem Lufthansa-Konzern würde man dennoch gerne beibehalten und deswegen sind viele Mitarbeiter besorgt.

Aber die Übernahmen erfolgt ja sogar in Form eines Betriebsübergangs. Genau das hatten Sie doch nach der Air-Berlin-Insolvenz immer gefordert.
In der Tat handelt es sich bei dem Verkauf erst einmal lediglich um einen Eigentümerwechsel. LGW gehört dann nicht mehr der Lufthansa sondern zur Zeitfracht. Erst einmal soll sich auch nichts an den Verträgen ändern. Aber natürlich wissen wir nicht, wie lange das geht und was der neue Eigentümer über kurz oder lang mit der LGW vor hat. Im Moment ist nur bekannt, dass man langfristige Leasingverträge mit der Lufthansa-Gruppe, spricht der Eurowings, abgeschlossen hat und dass sich zunächst nichts ändern wird. Die Frage aber bleibt: Was kommt danach? Und darum wünschen sich die LGW-Pilotinnen und -Piloten eine gewisse Sicherheit, eine Option für eine Rückkehr in den Konzern.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Gericht urteilt auf Betriebsübergang nach Air-Berlin-Aus

Sowas steht also nicht im Tarifvertrag? Sie haben sich doch erst im Januar mit der Lufthansa für LGW auf einen neuen Vertrag geeinigt…
Es ist richtig: Wir haben den Tarifvertrag zur Vergütung erst im Januar abgeschlossen. Da fragt man sich natürlich auch, warum der Verkauf an die Zeitfracht nach dem neuen Vergütungsvertrag bekannt gemacht wird. Es wird schon Gründe dafür geben und sicherlich hing an dem Abschluss auch ein Preisschild. Natürlich muss die Zeitfracht kalkulieren können, was die LGW sie letztendlich kostet.

Immerhin hat Zeitfracht große Regionalflug-Ambitionen und baut auch bei der WDL aus. Wo sonst gibt es das heute noch?
Man sieht in der Tat, dass es andere Airlines nicht geschafft haben, sich in diesem Segment zu behaupten. Auch im Charter-Bereich sehen wir das gleiche. Wie genau sich Zeitfracht jetzt positionieren will muss die Zukunft zeigen. Wir hoffen jetzt, dass das im Sinne der Mitarbeiter passiert, die bei der LGW beschäftigt sind und dem Unternehmen die treue gehalten haben. Die Zeitfracht-Geschäftsführung hat heute vor den Mitarbeitern vermittelt, dass man Ambitionen hat, das Wet-Lease-Geschäft im Regionalbereich auszubauen. In diesem Segment sieht man großes Potential und will neben dem Engagement bei Eurowings auch für weitere große Player wie Air France oder Easyjet abheben. Genaue Gründe, weshalb Lufthansa die LGW jetzt verkauft, wurden uns aber nicht genannt. Nur, dass man mit der Zeitfracht einen "besseren Hafen" für die LGW gefunden hätte.

Lufthansa sagt, die Regionalflugzeuge der LGW würden im Zuge der Harmonisierung in der Eurowings-Gruppe nicht mehr zum Rest passen. Ist das Ihrer Meinung nach nur vorgeschoben?
Jain, das glauben wir nicht gänzlich. Wahrscheinlich passen die Flugzeugmuster, die bei der LGW geflogen werden, nicht in das Konzept der Lufthansa. Die möchte natürlich vieles möglichst vereinheitlichen. Darüber hinaus hat Lufthansa/Eurowings ein massives Problem mit den vielen verschiedenen AOCs. Aber es hätte natürlich auch nichts dagegen gesprochen, die Mitarbeiter auf andere Flugzeugtypen umzuschulen. Das Produktionsmittel kann man ja beliebig tauschen. Aber das war mit der LGW wahrscheinlich nicht der Plan der Lufthansa, als sie die Airline vor einem Jahr von Air Berlin übernommen hat. Vielmehr wurde LGW allem Anschein nach nur kurzfristig gebraucht, um wichtige Slots und Streckenrechte zu sichern. Also ein Engagement ohne langfristige Ambitionen. Man hat natürlich die Airbusse gerne behalten. Aber das Personal, das auf der Dash fliegt und die Dashs als solche hat man gerne wieder ziehen lassen. Deswegen fühlen sich die Mitarbeiter von der Lufthansa zuerst gekauft und dann wieder verkauft.

Herr Schmitt, vielen Dank für das Gespräch.

Von: dh

Lesen Sie jetzt
Themen
Tarifvertrag LGW Lufthansa Interview Vereinigung Cockpit Eurowings Zeitfracht Fluggesellschaften Personal Management